Kirche setzt ein Kopfgeld aus

Im letzten halben Jahr richteten Vandalen beim Kirchgemeindehaus in Widnau Sachschaden von mehreren tausend Franken an. Die Kirche suchte mehrmals vergeblich das Gespräch mit den Jugendlichen. Jetzt verschärft sie den Kurs.

Samuel Tanner
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Das Kirchgemeindehaus nach dem Vandalenakt: Die Beleuchtung wurde teilweise heruntergerissen. (Bild: pd)

Das Kirchgemeindehaus nach dem Vandalenakt: Die Beleuchtung wurde teilweise heruntergerissen. (Bild: pd)

Widnau. Käthi Witschi hat genug. Zusammen mit ihren Vorstandskollegen der Evangelischen Kirchgemeinde Diepoldsau-Widnau-Kriessern musste sie im letzten Halbjahr immer wieder Vandalenakte hinnehmen. Mal wurde eine Wand besprayt, dann ein Trampolin zerstört oder eine massive Tür mit Steinen beworfen, bis sie ersetzt werden musste. Bisher suchte die Kirche stets das Gespräch mit den Jugendlichen, die jeweils abends vor dem Kirchgemeindehaus in Widnau herumlungern – nie wurde repressiv vorgegangen. Das ändert sich nun.

Beleuchtung heruntergerissen

Kirchen-Präsidentin Käthi Witschi kehrte am letzten Freitag aus den Ferien zurück, als sie einen neuerlichen Vandalenakt beim Kirchgemeindehaus feststellen musste. Die Beleuchtung war heruntergerissen worden. Insgesamt belaufen sich die Schäden aus dem letzten Halbjahr auf mehrere tausend Franken – die durch die Kirchgemeinde und damit durch die Allgemeinheit berappt werden müssen. Jetzt setzen Witschi und ihre Kollegen ein Kopfgeld aus. «Wir machen das nicht gerne, aber vielleicht verstehen die Täter diese Sprache eher als die bisherige», sagt sie und seufzt. 500 Franken soll bekommen, wer einen Verdacht äussert, der sich erhärtet. Präsidentin Käthi Witschi stellt sich vor, dass einer der Mitläufer schwach werden könnte, ob dem gebotenen Betrag. «Für einen Namen allein gibt es aber noch kein Geld.» Witschi hofft, dass allein die Bekanntgabe dieser Aktion von weiteren Zerstörungen abhält: «Mein primäres Ziel ist, den Vandalismus auf dem Areal zu stoppen.» Hinweise nehmen sämtliche Mitglieder der Kirchenvorsteherschaft entgegen. Die Kontaktadressen finden sich auf der Homepage. Erhält Witschi Hinweise, benachrichtigt sie den Dorfpolizisten.

Wer hinter dieser strikten Massnahme einen emotionalen Kurzschluss vermutet, liegt falsch. Witschi und ihr Team haben im letzten halben Jahr zahlreiche Massnahmen geprüft.

Zuerst suchte der Widnauer Pfarrer das Gespräch mit den Jugendlichen.

Die Vandalen hörten nicht auf.

Dann setzte die Kirche auf eine Streetworkerin, eine Sozialarbeiterin der Sozialen Dienste Mittelrheintal.

Die Vandalen hörten nicht auf.

Weiter patrouillierten der Gemeindepolizist Olivier Kuster und ein Security-Dienst rund um das Widnauer Kirchgemeindehaus.

Die Vandalen hörten nicht auf.

Diverse Anzeigen gegen Unbekannt verliefen im Sand.

Nächster Schritt: Videokamera

Witschi: «Die Jugendlichen dürfen hier sein. Sie dürfen sich hier treffen. Aber sie sollen bitte keinen Schaden anrichten.» Selbst, dass auf dem Areal regelmässig Dreck liegen bleibt und der Hauswart deshalb täglich wischen muss, finde sie nicht so schlimm. Noch in einem weiteren Punkt zeigte sich die Kirche bisher tolerant: Auf dem Areal weist eine Tafel darauf hin, dass «das Betreten des Areals in der Zeit von 19 bis 7 Uhr für Unbefugte verboten ist.» Trotzdem liess man die Jugendlichen meist gewähren.

Bringt auch die Kopfgeld-Aktion keine Besserung, erwägen Witschi und ihr Team, eine Videokamera zu installieren.

www.refmittelrheintal.ch

Käthi Witschi zeigt auf die verwüstete Stelle. Derzeit beschäftigen sich bereits Elektriker mit der Beleuchtung. (Bild: Samuel Tanner)

Käthi Witschi zeigt auf die verwüstete Stelle. Derzeit beschäftigen sich bereits Elektriker mit der Beleuchtung. (Bild: Samuel Tanner)

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