Kirche muss auf die Finanzen achten

Evangelisch Altstätten könnte mitunter demokratischer vorgehen und darf die grosse finanzielle Abhängigkeit vom Kanton nicht auf die leichte Schulter nehmen: Darum ging es gestern.

Gert Bruderer
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Altstätten. An der Bürgerversammlung vom 23. März wird über zwei Anträge zu befinden sein. Es geht darum, die Jugendarbeitsstelle, die seit vier Jahren dank Spenden besteht, als 50-Prozent-Stelle einzurichten und ins reguläre Budget aufzunehmen. Ausserdem ist eine 75%-Pastoralstelle beantragt.

«Schwein gehabt»

Weil die Spenden letztes Jahr hinter den Erwartungen blieben und die Jugendarbeit bisher an Spenden geknüpft war, gab dieses Thema an der gestrigen Vorversammlung viel zu reden. Pfarrer Hans Urs Walder brachte schliesslich auf den Punkt, was die Kirchgemeinde rückblickend festhalten kann: dass sie «Schwein gehabt» hat. Ursula Schelling, die Präsidentin der Kirchenvorsteherschaft, räumte ein, die nun bevorstehende (beantragte) Aufnahme der Jugendarbeitsstelle ins reguläre Budget «zu früh und zu wenig klar angekündigt» zu haben. Peter Amsler meinte, eine Arbeitsstelle dürfe nie mehr an Spenden geknüpft werden, das sei zu riskant. Dazu bemerkte Diakon Urs Noser, leider habe man nur diese Möglichkeit gehabt. Die Kantonalkirche, von der evangelisch Altstätten via Finanzausgleich tüchtig unterstützt wird, hatte seinerzeit keine Stellenprozente gutgeheissen. Auch die mittlerweile halbe Million Franken, die evangelisch Altstätten aus dem Finanzausgleich bezieht, gab zu reden. Peter Amsler sprach von einer «erschreckenden Zahl». Auch wenn der Zustupf in dieser Höhe auf fünf, sechs Jahre gesichert ist, wie Noser mit Verweis auf den noch prall gefüllten Finanzausgleichs-Topf meinte, ist Amsler mit seinem Wunsch nach Masshalten nicht alleine. Erwin Wälter lobte die Vorsteherschaft für den grossen Einsatz zugunsten des Glaubenslebens und mahnte: Bei allem Engagement sei die Entwicklung der Finanzen nicht aus den Augen zu verlieren.

Wahl später als geplant

Zu reden gab auch die inzwischen abgeschlossene Suche nach einem neuen pastoralen Mitarbeiter. Wunschkandidat der Kirchenvorsteherschaft ist Gregor Weber, der sich am Sonntag vorstellte und ursprünglich nächste Woche hätte gewählt werden sollen. Das sei zu schnell und das Vorgehen nicht vorbildlich demokratisch, monierte Guy Jenny; auch weil keine Pfarrwahlkommission eingesetzt worden sei, sagte Amsler. Doch auch hier ist ein Nachteil zugleich vorteilhaft: Weil Weber erst am 21. August mit der Ordination seine Wählbarkeit erlangt, wird er nun doch nicht wie geplant schon an der Bürgerversammlung gewählt, sondern voraussichtlich Ende August an einer ausserordentlichen Kirchbürgerversammlung.