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«Kindswohl geht Propaganda vor»

HEERBRUGG/ST. MARGRETHEN. Der Gemeinderat von Au-Heerbrugg hat dem Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) eine Standaktion in Heerbrugg bewilligt. Der St. Margrether Gemeinderat hat ein solches Begehren hingegen abgelehnt.
Gert Bruderer
Anders als in St. Margrethen darf der Islamische Zentralrat in Heerbrugg einen Stand betreiben – am Samstag, 24. Mai, vor der Post. (Bild: Gert Bruderer)

Anders als in St. Margrethen darf der Islamische Zentralrat in Heerbrugg einen Stand betreiben – am Samstag, 24. Mai, vor der Post. (Bild: Gert Bruderer)

Letztes Jahr hat der IZRS «schweizweit eine Informationskampagne lanciert», nun sei auch die Ostschweiz an der Reihe, begründet Qaasim Illi bevorstehende Standaktionen in Heerbrugg und St. Gallen. Nachdem man schon in allen grösseren Schweizer Städten mehrfach mit einem Stand zu Gast gewesen sei, erscheine es als «sinnvoll, die Informationen auch in die Gemeinden zu tragen». Heerbrugg und St. Gallen seien nur zwei von mehreren Ostschweizer Stationen in den kommenden drei Monaten.

In der Region von Rheineck bis Rüthi ist Heerbrugg aber der einzige Ort, in dem eine IZRS-Standaktion durchgeführt werden soll und für die auch eine Bewilligung vorliegt. Betrieben wird der Stand des Islamischen Zentralrats in Heerbrugg am Samstag, 24. Mai, vor der Post, also auf dem zentral gelegenen Platz «Am Markt». Die Bewilligung gilt für die Zeit von 10 bis 16 Uhr.

Keine Reaktion aufs Nein

In St. Margrethen wollte der IZRS am 10. Mai auf dem Bahnhofplatz auf seine Anliegen aufmerksam machen. Bereits am 17. März, sagt der St. Margrether Gemeinderatsschreiber Felix Tobler auf Anfrage, habe der Gemeinderat das Gesuch behandelt und nach eingehender Diskussion entschieden, dem Islamischen Zentralrat die Bewilligung für die geplante Standaktion zu verwehren. Der ablehnende Bescheid sei den Gesuchstellern am 25. März per A-Post mitgeteilt worden. Auf diese Post sei bisher keinerlei Reaktion erfolgt, sagt Tobler.

Es geht ums Kopftuch

Dass Heerbrugg und St. Margrethen nicht beliebig ausgesuchte Orte sind, sondern die ursprünglich zwei geplanten Standaktionen im Zusammenhang mit besonderen lokalen Ereignissen stehen, bestätigt Qaasim Illi. In beiden Gemeinden war in den letzten Monaten das Kopftuchtragen in der Schule ein vorrangiges Thema; hier wie dort stand je ein konkreter Fall im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Beide Fälle haben landesweit Schlagzeilen geschrieben.

Drei Beiträge zum Rheintal

Welchen Stellenwert der Islamische Zentralrat dem schulischen Kopfbedeckungsverbot in Au-Heerbrugg und dem sowohl in Au-Heerbrugg als auch in St. Margrethen laufenden Rechtsverfahren beimisst, zeigt schon ein flüchtiger Blick auf die Homepage des Zentralrats. Wer nämlich auf dieser Homepage auf «Presse» klickt, findet drei Beiträge, die allesamt Heerbrugg oder St. Margrethen betreffen. Die Schlagzeilen lauten: «Islamischer Zentralrat zieht den St. Galler Hijab-Entscheid weiter ans Verwaltungsgericht» (Hijab heisst Kopftuch), «IZRS begrüsst Freispruch für Eltern in St. Margrether Kopftuchverbots-Fall vor dem St. Galler Einzelrichter» und «IZRS ist nicht erstaunt über die Annahme des Hijab-Verbots in Au-Heerbrugg».

Das Kind schonen

Angesichts der emotional aufgeladenen Vorgeschichte und mit Rücksicht auf das betroffene Mädchen habe der Gemeinderat das Gesuch um eine Standaktion auf dem Bahnhofplatz abgelehnt, sagt Gemeinderatsschreiber Tobler. Der Rat wolle verhindern, dass das betroffene, Kopftuch tragende Mädchen unter weiteren Druck gerate; er habe es deshalb abgelehnt, dem Islamischen Zentralrat in der Gemeinde St. Margrethen eine Plattform zu bieten. Felix Tobler sagt: «Das Kindswohl hat Vorrang vor Propaganda.»

Frauen am Stand

Zur Frage, wie man sich die für Heerbrugg bewilligte Standaktion vorzustellen habe, meint Qaasim Illi, eine Gruppe muslimischer Frauen werde direkt auf Fragen von Interessierten eingehen. Nach den «politischen Querelen um den Hijab an Primarschulen», schreibt Illi, hoffe man, «im Rahmen von offenen Diskussionen gezielt auf die Fragen der Bevölkerung eingehen zu können». Themen seien bei ISZR-Standaktionen ausser dem Kopftuch etwa die Stellung der Frau oder die Art des Betens.

Islamische Basisorganisation

Der Islamische Zentralrat Schweiz versteht sich als islamische Basisorganisation. Diese bezweckt, die Muslime der Schweiz zu vereinen und nationale und kulturelle Unterschiede zu überwinden sowie die Interessen der Muslime zu wahren, sie nach aussen zu vertreten, Vorurteile abzubauen, Aufklärungsarbeit zu leisten und Transparenz durch Ansprechbarkeit zu schaffen. Allerdings gilt der Islamische Zentralrat Schweiz als radikal-islamische Organisation, die (als Verein mit Sitz in Bern) im Handelsregister eingetragen ist. In den Jahren 2010/2011 stand der Verein, der einen wahhabitisch salafistischen Islam nach saudischem Vorbild vertritt, unter Beobachtung des Nachrichtendienstes des Bundes.

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