Kinder werden zu Kastanien-Göttis

Beispielhafte Pflanzaktion am Altstätter Kornberg: Rund 50 Kornberger Rhodsbürger, darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche, pflanzten neu 2000 Bäume und Sträucher an einer 1,2 Hektaren steilen Halde im Breitwasen.

Meinrad Gschwend
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ALTSTÄTTEN. Die Ziel der Aktion ist einerseits die ökologische Vielfalt zu fördern. Andererseits soll die Verbundenheit mit dem Lebensraum gerade auch bei Kindern gefördert werden. Der Breitwasen, eine Alp unterhalb des Ruppens, ist im oberen Teil schwer zu bewirtschaften. Das Gebiet ist zwar sehr artenreich, doch in einzelnen Teilen sind ein starker Druck von Brombeeren und ein Massenvorkommen des Adlersfarns zu verzeichnen. Wegen der steilen Lage ist das Gelände maschinell nicht nutzbar. Entsprechend schwierig ist es, der Ausbreitung der beiden unerwünschten Pflanzen entgegenzutreten.

Neue Lebensräume

Das hat die Eigentümerin, die Rhode Kornberg, bewogen, die bisherige Nutzung als Alpweide aufzugeben und wieder das werden zu lassen, was es einst war, nämlich Wald. Dafür muss nun eine Teilfläche von 1,2 Hektaren neu bepflanzt werden. «Uns geht es keineswegs darum, einfach einen Nutzwald entstehen zu lassen. Vielmehr wollen wir neue Lebensräume für Fauna und Flora schaffen», erklärt Rhodmeister Hans Sonderegger. Zusammen mit dem Kantonsforstamt und dem Revierförster wurde ein Projekt entwickelt, das die diversen Interessen berücksichtigt. Einerseits ging es darum, mit standortgerechten Baumarten aufzuforsten. Andererseits, dass die artenreichen, ökologisch wertvollen Bereiche offen gehalten werden. Die Biodiversität galt es zu erhöhen und das Gelände möglichst wildtierfreundlich zu gestalten.

Gemeinsam mit den Jägern

Bei der Projektentwicklung wurde stark auf das Miteinander gesetzt. Sprich Bodeneigentümerin, Landwirtschaft, Forstwirtschaft. Auch die Jägerschaft und die Stadt wurden mit einbezogen. Das Ziel war von Anfang an klar: Das Projekt sollte möglichst breit abgestützt sein. Eine Bejagungsschneise wird freigehalten, ebenfalls ein Korridor für eine bereits bestehende Strom-Hauptversorgungsleitung. Dort, wo neu gepflanzt wurde, wurde auf möglichst grosse Vielfalt geachtet.

Neben Weisstanne, Buche und Feldahorn entschied man sich für Mehlbeere, Winterlinde, Vogelbeere, Vogelkirsche, Salweide und Edelkastanie. Bei den Sträuchern für Hartriegel, Weissdorn, Schwarzdorn, Holunder und Wolliger Schneeball. Insgesamt knapp 2000 Pflanzen.

Fachkundige Anleitung

Bewusst setzte sich die Rhodsverwaltung zum Ziel, möglichst viele Bürger ihrer Rhode mit einzubeziehen. Deshalb wurde zu einem Pflanztag eingeladen. Eine besondere Einladung ging an die Kinder. Tatsächlich fanden sich rund 50 Personen ein, darunter eine stattliche Anzahl Kinder und Jugendliche. Auch Vertreter der Jagdgesellschaft halfen mit. Revierförster Werner Zogg und Mitarbeiter der Forstgemeinschaft Altstätten – Hampi Meier, Elmar Kobler und Severin Meli – standen mit Rat und Tat zur Seite. Sie zeigten nicht nur, wo welche Pflanze gesetzt werden musste, sondern auch wie die Wurzeln angeschnitten werden müssen, wie ein Pfahl fachgerecht gesetzt wird, wie ein Verbiss-Schutz gemacht wird und vieles mehr.

Verantwortung übernehmen

Ein besonderer Akt war das Pflanzen der Edelkastanien. Dies war den Kindern vorbehalten. Jedes Kind übernimmt nun eine Art Götti-Funktion. Während 50 Jahren ist es nun für seine Pflanze verantwortlich. «Wir wollen damit die Jungen für den Wald und für den Lebensraum im weitesten Sinn sensibilisieren. Und natürlich ist es auch eine Aufforderung, der Natur Sorge zu tragen und Verantwortung zu übernehmen», erklärt Hans Sonderegger.