Kinder fragten ihn nach der Mütze

Beim Einsatz von Klassenhilfen tritt Bedarf auf Bedürfnis. Alfons Spirig ist als Klassenassistenz in einer Einführungsklasse tätig. Eine Win-Win-Situation für die Schule und für den Pensionär.

Andrea C. Plüss
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Seit 2015 ist Alfons Spirig an zwei Tagen pro Woche als Klassenassistenz in der Einführungsklasse im Schulhaus Blattacker im Einsatz. (Bild: acp)

Seit 2015 ist Alfons Spirig an zwei Tagen pro Woche als Klassenassistenz in der Einführungsklasse im Schulhaus Blattacker im Einsatz. (Bild: acp)

«Wegen der Mütze, die ich trage, fragen sie nicht mehr, das habe ich ihnen erklärt», sagt Alfons Spirig, der aufgrund einer laufenden Chemotherapie seit einigen Monaten auch im Klassenzimmer eine Mütze trägt. Er spielt damit auf eine Einstellung an, die man sich als Klassenassistenz zu eigen machen sollte: «Man darf kein Problem damit haben, dass die Kinder viele neugierige Fragen stellen.» Wichtig sei zudem die Fähigkeit, sich in Kinder einfühlen zu können, sagt Spirig, der Ende Monat seinen siebzigsten Geburtstag feiern darf. Zehn Kinder seien sie zu Hause in Widnau gewesen, da sei der Umgang mit Kindern generell und das Einfühlen in die Lebenswelten von Kindern für ihn eher eine Selbstverständlichkeit.

Klassenhilfen sind Teil des Förderkonzepts

Was die Schule von Personen erwartet, die als Klassenassistenz im Einsatz sind, und was die Helferinnen und Helfer erwarten dürfen, hat die Primarschule Au-Heerbrugg 2012 in einem Konzept zusammengestellt. «Gerade in grossen Klassen oder in den Einführungsklassen können Lehrpersonen durch Klassenhilfen sinnvoll unterstützt werden. Der Kontakt zwischen den Ge­nerationen wird gefördert, und das «lebenslange» Wissen der Erwachsenen kommt den Kindern zugute», fasst Jürg Lutz, Schulleiter im Schulhaus Blattacker, zusammen. Aktuell sind je vier Klassenhilfen in Heerbrugg und in Au im Einsatz. Mitte Januar hat Jürg Lutz per Zeitungsinserat nach Klassenassistenzen gesucht. Diese Inserate werden hin und wieder geschaltet, vor allem dann, wenn Klassenlehrpersonen gern eine Klassenhilfe einsetzen würden, die personellen Ressourcen jedoch nicht ausreichen. Klassenhilfen sind ein Teil des Förderkonzepts, das vor eineinhalb Jahren erstellt wurde und das der Kanton abgenommen hat. Geregelt sind darin zum Beispiel Massnahmen bei Lese- oder Rechenschwäche, Kursbesuche für Deutsch als Zweitsprache sowie diverse andere Fördermassnahmen; auch solche zur Begabungsförderung. «Zwei Personen haben sich auf das letzte Inserat hin gemeldet, sie überlegen aber noch, ob es für sie das richtige ist», fasst der Schulleiter zusammen. In Au-Heerbrugg arbeiten die Klassenhilfen unentgeltlich etwa vier bis sechs Stunden pro Woche. Einen Vertrag gibt es nicht.

Gleichwohl gibt es Grund­sätze und Regeln, die der Zu­sammenarbeit zugrunde liegen. «Klassenhilfen übernehmen klar definierte Aufgaben und gestalten keinen Unterricht», sagt Jürg Lutz. «Sie bereiten nichts vor und auch nichts nach.» Erwartungen und Fragen zu einem möglichen Einsatz werden in einem Gespräch zwischen Klassenlehrpersonen und interessierten Helfern geklärt. Klassenhilfen sind nicht mit dem Teamteaching zu verwechseln.

«Durch den Wegfall der Blockzeiten 2008/2009 ist das Teamteaching eingeführt worden, um den früheren Gruppenunterricht zu ersetzen», sagt Lutz und präzisiert: «Beim Teamteaching kommen ausgebildete Lehrpersonen zum Einsatz, die Klassenhilfen hingegen müssen keine fachliche Vorbildung mitbringen, führen konkrete Arbeitsanweisungen einer Lehrperson aus, oder begleiten die Klasse bei Exkursionen. Sie bleiben aber als Begleitung stets im Hintergrund.»

Alfons Spirig kommt mit dieser Rolle sehr gut zurecht. An negative Erlebnisse kann er sich nicht erinnern. «Mir ist im Leben viel gegeben worden, und ich will etwas davon an die Gesellschaft zurückgeben», sagt der studierte Informatiker, der an einem Vormittag und an einem Nachmittag pro Woche im Einsatz ist.