Kieferbruch kommt Türsteher teuer zu stehen

Das Kantonsgericht St. Gallen hat einen Entscheid der ersten Instanz teilweise geschützt. Diese hatte einen 36-jährigen Schweizer verurteilt, weil er vor einer Disco in Thal einen IV-Rentner geschlagen haben soll.

Claudia Schmid
Merken
Drucken
Teilen

Das Kreisgericht Rheintal sprach den Mann im Dezember 2009 wegen einfacher Körperverletzung und mehrfacher Anstiftung zu falschem Zeugnis schuldig. Es verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 50 Franken und einer Busse von 2000 Franken. Der Beschuldigte legte Berufung ein. Er habe zwar eine verbale Auseinandersetzung mit dem Opfer gehabt und es weggestossen, doch könne die Kieferfraktur nicht von ihm stammen.

Die Tat geschah 2004 vor der Disco Arena in Thal. Wie es in der Anklageschrift heisst, sprach das spätere Opfer in der Disco eine junge Frau an. Der Angeklagte, der als Türsteher in der Arena arbeitete, an diesem Abend aber als Gast dort war, bekam den Eindruck, dass sich die Frau belästigt fühlte. Diese bestätigte ihm das. Als ihn der Beschuldigte ansprach, kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung. Der 36-jährige Schweizer sagte aus, das spätere Opfer habe ihn beschimpft und angegriffen. Darauf habe er ihn am Oberkörper zurückgestossen. Es sei nicht möglich, dass dabei eine Kieferfraktur entstanden sei. Die junge Frau hatte im Untersuchungsverfahren erklärt, der Beschuldigte habe sich nach den Drohungen des Opfers sehr aggressiv verhalten und später gesagt, er habe wohl übertrieben reagiert. Ihre Mutter, die ihre Tochter zur Aussage begleitet hatte, wies zudem darauf hin, dass der Angeklagte die Frau dazu aufgefordert habe, ihn vor den Behörden zu entlasten. Dieser bestritt, zu einer Falschaussage angestiftet zu haben.

Der Verteidiger beantragte, das Urteil sei aufzuheben. Die Verletzungen am Unterkiefer passten nicht zum Schlag, den sein Mandant ausgeführt habe. Um das Gegenteil zu beweisen, brauche es ein gerichtsmedizinisches Gutachten. Die Staatsanwaltschaft forderte, die Berufung sei abzuweisen. Als Türsteher habe der Angeklagte wissen müssen, wie man einen renitenten Gast ruhigstelle, ohne zuzuschlagen. Das Kantonsgericht sprach den Beschuldigten von der Anklage der Anstiftung zu falschem Zeugnis frei, jedoch der einfachen Körperverletzung schuldig. Es senkte das Strafmass von 240 auf 150 Tagessätze à 50 Franken. Die Geldstrafe wird mit einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben. Dem Opfer muss der Verurteilte 4000 Fr. bezahlen.