«Keine Werbung für die Feuerwehr»

Ein Feuerwehrmann hat zugegeben, für Brände in Elgg verantwortlich zu sein. Ostschweizer Feuerwehrkommandanten sind bestürzt. Verhindern lasse sich solches allerdings kaum.

Daniel Walt
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Faszinierend, aber zerstörerisch: Brand in Elgg im August 2011. (Bild: Newspictures/Markus Heinzer)

Faszinierend, aber zerstörerisch: Brand in Elgg im August 2011. (Bild: Newspictures/Markus Heinzer)

«Jeder hofft, dass ihm so etwas nie passiert.» So kommentiert Kurt Reich, Kommandant der Feuerwehr Rorschach, die neuesten Erkenntnisse zur Brandserie in Elgg. Ein 25-jähriger Angehöriger der dortigen Feuerwehr hat ein Teilgeständnis im Fall abgelegt und ist verhaftet worden (Zeitung von gestern). Reich ist einerseits froh, dass man den Täter erwischt hat. Andererseits sieht er im Täter eine Art Nestbeschmutzer.

Hat die Feuerwehr schon bei der Rekrutierung von Mitgliedern ein Auge darauf, ob jemand eine besondere Faszination für Brände hat? «Wir schauen auf jeden Fall, mit welcher Begeisterung jemand kommt», antwortet Reich. Die Ausbildung sei am Anfang intensiv. Da falle es schon auf, wenn sich jemand speziell verhalte. «Andererseits kann sich jemand auch verändern», sagt Reich. Er verweist auch darauf, dass viele Buben Freude an Lagerfeuern haben und trotzdem nicht zu Brandstiftern werden. «Genauso verhält es sich mit Feuerwehrleuten, die jeweils an vorderster Front sind im Brandeinsatz», betont er.

Pyromanie nur ein Grund

Auch Roger Schläpfer, Kommandant der Feuerwehr Herisau, ist von den Nachrichten aus Elgg betroffen. «Ich fühle mit den Mitgliedern der dortigen Feuerwehr. Natürlich fragt man sich, ob einem so etwas auch passieren könnte», sagt er. Schläpfer bedauert, dass der Elgger Feuerteufel dem Klischee Vorschub leistet, wonach Feuerwehrangehörige potenzielle Brandstifter sind. Dass erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Feuerwehrlern etwas bringt, glaubt Schläpfer nicht: «Fast alle von ihnen gehen gerne mit Feuer um – aber mit dem nötigen Respekt», sagt er. Zudem sei die Liebe zum Feuer nur eine Triebfeder für solche Täter: «Oft sind es auch psychosoziale Probleme oder ein Geltungsbedürfnis, die dazu führen.» Hans Schuhwerk, Kommandant der Feuerwehr Arbon, hält zum Fall Elgg fest: «Sag niemals nie!» So wie es beispielsweise bei Bankangestellten Betrüger gebe, könnten einzelne Feuerwehrangehörige Brandstifter sein. Sein Mitgefühl gilt den Angehörigen jener Wehr, in der der Täter von Elgg aktiv war. Schuhwerk erinnert sich nur zu gut an die Zeit, als er noch Vizekommandant war und es in Arbon eine Brandserie gab: «Die Unruhe im Korps war gross, es gab Misstrauen untereinander», blickt er zurück. Dass ein Kommandant bei genauem Hinschauen erkennen kann, ob sich ein potenzieller Brandstifter in seinem Korps befindet, glaubt er nicht: «Man sieht nie in jemanden hinein bei der Rekrutierung. Dazu brauchte es wohl den Beizug von Psychologen», hält er fest.

«Garantie gibt es nicht»

«Das ist natürlich keine Werbung für die Feuerwehr. Ich hoffe, dass ich so etwas Tragisches in meiner Karriere nie erleben muss», sagt Johann Hersche, Kommandant der Appenzeller Bezirksfeuerwehr. Niemand vermute einen Brandstifter in den eigenen Reihen. Er hält es für denkbar, dass man bei neuen Mitgliedern künftig mehr darauf achtet, ob sie Freude am Feuer haben. Dies, um ihnen allenfalls auf den Zahn zu fühlen. «Eine Garantie gibt es aber nicht», so Hersche.