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Keine Vorbilder, kein Nachahmen

Mit Bildern von Johannes Jäckli und Klangskulpturen von Urs Stieger erlebten die Besucher in den stimmigen Turmräumen von Schloss Grünenstein beglückende Farbtöne und Klangfarben.
Maya Seiler
Gespannt verfolgten die Besucher, wie Urs Stieger seine Skulpturen zum Klingen brachte. (Bild: Maya Seiler)

Gespannt verfolgten die Besucher, wie Urs Stieger seine Skulpturen zum Klingen brachte. (Bild: Maya Seiler)

War es der unbekannte Maler mit Heerbrugger Wurzeln oder der bekannte Musiker aus Berneck: fast 50 Personen trafen sich am frühen Sonntagabend im Turm-Oktagon, um über beide Künstler Näheres zu erfahren. Man staunte über die Lebensgeschichte von Johannes Jäckli, 1899 im Gasthaus Hirschen im Heerbrugger Quartier Dornach geboren. Im selben Quartier wohnte viele Jahre später die heutige Schlossverwalterin und Kulturvermittlerin Luzia Bänziger-Bischofberger, Präsidentin des Kulturvereins Froschkönig. Jäcklis waren Nachbarn von Bischofbergers. Von Johannes Jäckli, dem Absolventen der Verkehrsschule, der seine Zukunft nicht als Stationsbeamter, sondern als Maler sah, wusste Bänziger allerdings nichts. Wie sein Biograf Andrej Schindler, Finanzfachmann und Kurator von Jäcklis Nachlass, an der Vernissage in spannenden Worten erzählte, brachte eine Tuberkuloseerkrankung die Wende in Jäcklis Leben. Mit zwanzig musste er seine Ausbildung bei den SBB durch Kuraufenthalte unterbrechen; mit sechsundzwanzig wurde er frühpensioniert. Frisch verheiratet, liess er sich im Tessin nieder, wo er mit der Anthroposophie von Rudolf Steiner in Kontakt kam. Jäckli begann zu malen, als Autodidakt und in einem ganz eigenen Stil. 1946 zog das Ehepaar nach Dornach, Solothurn, wo sich Jäckli am Goetheanum für die Sektion der bildenden Künste engagierte. Er erfuhr zunehmend Anerkennung als Maler; sein Stil blieb unverkennbar. Starke Farben kennzeichneten seine Aquarelle; Jäckli wollte das Unsichtbare, das Dämonische sichtbar machen. Nach einem schweren Velounfall 1958 änderte sich seine Farbpalette; die Bilder wurden lichterfüllt, Pflanzenfarben dominierten. Der Maler starb im Alter von 90 Jahren und hinterliess ein Werk von mehreren Tausend Bildern und Zeichnungen. Dieser Nachlass wird heute von der Stiftung Freie Gemeinschaftsbank verwaltet.

«Keine Vorbilder, kein Nachahmen» war nicht nur das Credo des Malers Jäckli. Es gilt genauso für den Musiker und Künstler Urs Stieger.

Klangskulpturen, original Stieger

Mit fast 1500 Konzerten hat sich der gebürtige Altstätter weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. Wie Theo Scherrer in seiner Laudatio betonte, interessierte sich Stieger immer für den Ursprung, die Wurzeln der Musik, auch im konkreten, stofflichen Sinn, und begann früh, Instrumente zu bauen. Er schuf aber immer Originale, keine Kopien. Deren Proportionen folgen strengen physikalisch-mathematischen Grundlagen, die Gesetze des Goldenen Schnitts machen sie nicht nur klanglich, sondern auch optisch zu Kunstwerken. Mit dem Zitat eines Werbeschildes, «Musik wäscht den Staub von der Seele», lud Scherrer die Besucher ein, die Stiegerschen Klangskulpturen selbst zum Klingen zu bringen. Gerne hätte man gewusst, was Johannes Jäckli über die anschliessende lustvolle Jamsession gedacht hätte.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 10. Juni, täglich von 15 bis 20 Uhr geöffnet. Nach dem Ausstellungsbesuch, jeweils um 20 Uhr, gibt es heute Dienstag ein Vollmondkonzert «Elektrobarock – Open Air im Barockgarten» mit Matthias Etter; morgen Mittwoch bespielt Urs Stieger persönlich seine Klangskulpturen, am Sonntag, 3. Juni, erzählt der Froschkönig (alias Mo Keist) Geschichten zu den ausgestellten Werken, am Mittwoch, 6. Juni, stellt Andrej Schindler Kunstbetrachtungen zu Johannes Jäckli an.

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