Keine unnötigen Experimente

«Als der Rhein noch ein Abenteuerland für die Jugend war», Ausgabe vom 31. März

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In dieser Berichterstattung wird glaubhaft gemacht, dass es durchaus möglich sei, den Rheinabschnitt von der Bündner Herrschaft bis zum Bodensee an diversen Stellen auszuweiten, damit biologisch der ursprüngliche Zustand wieder annähernd erreicht werden könnte. Ein Wildbach braucht ein Wildbachumland. Das Alpenrheintal von Chur bis zum Bodensee ist ein Siedlungsgebiet, in dem in absehbarer Zeit rund zwei Millionen Einwohner leben werden.

Keine Rückkehr in die alten Zeiten

Zurück ins 19. Jahrhundert ist nicht mehr möglich.

Ursache der Änderung des biologischen Zustandes auf diesem Rheinabschnitt ist die riesige Menge an Geröll und Sand, die jährlich vom Gebirge bis in den Bodensee geschoben wird. Damit der Transport ohne erhebliche Störungen erfolgt, ist durchgehend eine Fliessgeschwindigkeit bzw. Schubkraft erforderlich, die nur durch einen Kanal, wie er heute besteht und sich schon 100 Jahre bewährt hat, gewährleistet werden kann.

Wenn an diesem Kanal Ausweitungen vorgenommen werden, bricht an jenen Stellen die Schubkraft zusammen und das gesamte Material bleibt dort und im nachfolgenden Kanalstück liegen. Danach erfolgt eine Auflandung, die in wenigen Stunden so gross sein kann, dass das Wasser den Ausweg über die Dämme sucht.

Da das Thema Fische im Rhein vor 70 Jahren schon einmal auftauchte, wurden um 1958 an der ETHZ/EAWAG an Modellen der Nachweis erbracht, dass der bestehende Kanal keine Ausweitungen erlaubt. Berechnet wurde auch, ob ein Rückbehalt der Ge­schiebemenge z. B. bei Unter-faz am Fusse des Calanda möglich wäre. Kurzfristig ja, auf Dauer jedoch nein, war das Ergebnis.

Wer diesen Untersuchungen keine Beachtung schenken will, dem ist empfohlen, die Strömungslehre des Basler Mathematikers Bernoulli zu studieren, die schon anfangs des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde und sich bewährt hat.

«Der Rhein verzeiht keinen Fehler», wie auch schon Max Matt aus Altstätten geschrieben hat, das ist eine Tatsache. Das haben jene erfahren, die im 19. Jahrhundert hier gelebt haben.

Als Liegenschaftsbesitzer, und da spreche ich wahrscheinlich für alle, ist mir wichtig, dass keine Überschwemmungen mehr möglich sind und somit keine unnötigen Experimente am Rheinkanal ausgeführt werden.

Verbreiterungen am Rhein zum Beispiel bei Diepoldsau führen zu Überschwemmungen bis zum Bodensee und verursachen Schäden in Milliardenhöhe. Sind WWF und Pro Natura bereit, die Haftung zu übernehmen?

August Bernet, Säntisstrasse St. Margrethen