Keine Pflicht für Brandmeldeanlagen

Ob eine Brandmeldeanlage beim Brand in Kriessern den Tod von über 100 Rindern verhindert hätte, weiss niemand. Fest steht: Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in der Schweiz keine Pflicht für Brandmelder in Ställen. Allerdings auch nicht in Wohnbauten.

Kurt Latzer
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KRIESSERN. Der Betreiber des Rinder-Mastbetriebes möchte zum Brand keine Fragen beantworten. «Bitte haben Sie Verständnis für meine Situation, fragen Sie bitte die Polizei», sagt Erich Hutter. Die Polizei habe ihm geraten, nichts zu sagen.

Der Brand wurde am 22. November gegen halb zwei Uhr morgens bemerkt. Als die Feuerwehr eintraf, standen die Silos und der Stall in Flammen. Der Feuerwehr gelang es, acht Rinder und 19 Kälber zu retten. Für die restlichen 100 Tiere kam jede Hilfe zu spät. «Noch steht nicht fest, was den Brand verursacht hat. Umfangreiche Abklärungen sind in Arbeit», sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, auf Anfrage.

Brandschutz im Norden Pflicht

Weil Ställe und Scheunen wegen der gelagerten Futtermittel, Heu und Stroh ein grosses Brandrisiko darstellen und sich Brände häuften, haben die Regierungen in Norwegen und Schweden reagiert. Dort ist die Montage von Brandmeldeanlagen in Ställen Pflicht. In Berichten aus Norwegen heisst es, die Schadensquoten lägen seit der Einführung der neuen Vorschrift um mehr als 25 Prozent tiefer. Mittlerweile wird auch in Holland debattiert, ob in Ställen Brandmelder installiert werden müssen. Dieter Ebneter ist Leiter Prävention im Amt für Feuerschutz (AFS) Kanton St. Gallen. Er traut den Zahlen aus dem Norden nicht. Die Pflicht für Brandmelder in Norwegen ist relativ neu. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in so kurzer Zeit so signifikante Aussagen tätigen kann. Dass Brandmeldeanlagen etwas bringen können, ist unbestritten», sagt Ebneter.

Längere Anfahrtswege

Anlagen müssten an eine Notrufzentrale gekoppelt sein. Weil Norwegen viel grösser sei und es abgelegenere Landwirtschaftsbetriebe gebe, sei die Anfahrtszeit der Feuerwehr viel länger. Sind Brandmelder mit dem Mobiltelefon des Bauern verbunden, könnte der allenfalls die Tiere befreien, mehr nicht. In der Schweiz müssen in Ställen keine Brandmeldeanlagen eingebaut werden, auch nicht in Wohnbauten. «In Baden-Württemberg und etwa zehn anderen deutschen Bundesländern sind Brandmeldeanlagen in Wohnbauten Pflicht», sagt der AFS-Mitarbeiter. In der Überarbeitung der Brandschutzvorschriften habe man dies auch in der Schweiz angeschaut. Unter anderem habe man dem politischen Auftrag zufolge auch die wirtschaftliche Optimierung beachten müssen. Der Gesamtaufwand sei zu hoch, im Verhältnis zu dem, was eine Brandmeldeanlagen-Pflicht bringe.

«Weil es also in der Schweiz im Wohnbau keine Vorschriften für den Einbau von Brandmeldern gibt, kann ich mir nicht vorstellen, dass solche jemals in Ställen zur Pflicht würden», sagt Dieter Ebneter.

Montage nicht verboten

Im Feuerschutzgesetz werden Tiere nicht behandelt. «Bei den Fluchtwegen in Ställen gibt es einen Passus», sagt Ebneter, «Ställe mit einer Grundfläche von mehr als 200 Quadratmetern müssen mindestens zwei zweckmässig angelegte Notausgänge für die Evakuierung von Tieren haben.»

In der Schweiz ist jeder Hausbesitzer und jeder Landwirt selbst für die eigene Sicherheit, die von Tieren sowie von Hab und Gut verantwortlich. «Hier stellt sich die Frage, ob es Aufgabe des Gesetzgebers ist, Hürden zu schaffen», sagt Dieter Ebneter. Jüngste Erhebungen stellen der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nach Singapur gebe es in der Schweiz am wenigsten Tote pro einer Million Einwohner, die durch einen Brand ums Leben kamen.

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