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Keine Kopftücher im Unterricht

In Heerbrugg darf eine 15-jährige Muslima dem Unterricht nicht beiwohnen, so lange sie ihr Kopftuch nicht ablegt. Die Schulen im Rheintal sind uneinig, wie mit dem Kopftuch umgegangen werden soll.
Dominik Bärlocher
Hisham Maizar Präsident der Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz

Hisham Maizar Präsident der Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz

Heerbrugg. Jessica Di Domenico ist die 15-jährige Tochter einer zum Islam konvertierten Schweizerin. Sie trägt ein Kopftuch. Nach dem Umzug nach Au sollte Jessica die Oberstufe Mittelrheintal OMR in Heerbrugg besuchen. Doch dort nahm man Anstoss am Kopftuch, und Jessica durfte den Unterricht fortan nur ohne Kopftuch oder mit Ersatzlösungen wie einer Perücke besuchen. Die Position der Schule ist klar: «In unserer Hausordnung steht, dass keinerlei Kopfbedeckungen erlaubt sind. Dazu gehört auch ein Kopftuch», stellt Schulratspräsidentin Helga Klee klar.

Die Mutter von Jessica, Tina Nasfi, hat nun Rekurs eingereicht.

Erster Fall in Heerbrugg

Obwohl viele muslimische Familien im Rheintal leben, taucht selten eine Schülerin mit Kopftuch auf. Heerbrugg ist die erste Schulgemeinde, die sich mit einer solchen Situation konfrontiert sieht. Während Heerbrugg eine klare Position vertritt, machen sich andere Schulgemeinden erst Gedanken über einen möglichen Fall.

«Da wir integrativ recht weit fortgeschritten sind, stellen wir uns nur gegen eine Burka», erklärt der St. Margrether Schulratspräsident Roger Trösch. «Weil die Lehrkraft sonst das Gesicht der Schülerin nicht erkennen kann und die Beschulung unmöglich wird.» Die Schulgemeinde Diepoldsau sieht keinen Handlungsbedarf bei Kopfbedeckungen.

«Sollten wir eine Muslima mit Kopftuch bei uns unterrichten, würden wir erst einschreiten, wenn das Kind ausgelacht oder dem Kindeswohl geschadet würde», sagt Schulratspräsident Christian Sepin. «Ich sehe nicht ein, wieso wir das Tuch verbieten sollten.»

Polarisierende Ansichten

Der Fall von Jessica dürfte beide Seiten noch länger beschäftigen. Aktuell geht Jessica mit einer Fasnachts-Perücke zur Schule.

Tagesmutter Maryam Derbal sieht in der Aktion der OMR-Schulgemeinde mehr als nur ein Kopfbedeckungsverbot: «Eine Perücke ist ja auch eine Art Kopfbedeckung. Es geht der Schule nur um das religiöse Kopftuch. Wir können rassistische Hintergründe nicht ausschliessen», sagt sie. Dies bestreitet Helga Klee allerdings vehement: «Ich finde die Lösung mit der Perücke schrecklich.

Dieses Ding muss eine Plage für das Kind sein und fürchterlich jucken», sagt die Schulratspräsidentin. Sie habe die Regelung mit der Perücke nicht erlassen und ihr käme so etwas auch nicht in den Sinn, so Klee und erklärt: «Mit Rassismus hat die Sache nun gar nichts zu tun. Ich möchte lediglich gleiche Rechte für alle. Das Kreuz mussten wir aus dem gleichen Grund aus den Klassenzimmern entfernen.»

Kopftuch in der Schule: In Heerbrugg verboten, anderswo ist man sich noch uneinig. (Bild: Archiv/Trix Niederauer)

Kopftuch in der Schule: In Heerbrugg verboten, anderswo ist man sich noch uneinig. (Bild: Archiv/Trix Niederauer)

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