Kein Zebrastreifen bei der Schule

Die Gemeinde Reute hat in den letzten Wochen Fussgängerstreifen entfernen lassen. Die einen bedauern den Verlust an Sicherheit, die andern sind überzeugt, dass diese erhöht wurde.

Karin Steffen
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Aufgehobene Fussgängerstreifen (hier vor dem Schulhaus Reute) erfordern erhöhte Aufmerksamkeit der Passanten. (Bild: Karin Steffen)

Aufgehobene Fussgängerstreifen (hier vor dem Schulhaus Reute) erfordern erhöhte Aufmerksamkeit der Passanten. (Bild: Karin Steffen)

REUTE. Die Unfallstatistik zeigt es auf: Während die Unfallzahlen zwischen Motorfahrzeugen schweizweit stetig sinken, nehmen die Unfälle bei Fussgängerstreifen nicht ab. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung untersuchte in der Folge den Zusammenhang zwischen der Qualität der Fussgängerstreifen und der Unfälle. Die Erkenntnisse führten zu einer Norm, die der Bund in einer Verordnung festschrieb.

Niedrige Frequenzen

«Das kantonale Tiefbauamt von Appenzell Ausserrhoden hat aufgrund der Normen alle Fussgängerstreifen auf Kantonsstrassen überprüft. Ernüchterndes Fazit: Kaum ein Fussgängerstreifen im Kanton erfüllt den vollständigen Kriterienkatalog», erklärt Hans Peter Rohrer vom Büro für verkehrstechnische Beratungen. Nebst der fehlenden Sichtweite der Autofahrer auf den Fussgängerstreifen fehlt es in Reute vor allem an der niedrigen Frequenz von Verkehr und auch Fussgängern, die die Strasse überqueren wollen», begründet Gemeindepräsident Ernst Pletscher das Vorgehen in der Gemeinde. Es sei wesentlich sicherer, die Strasse dann zu überqueren, wenn kein Fahrzeug naht, als sich darauf zu verlassen, dass dieses Fahrzeug auch wirklich anhält, erwähnt der Verkehrsspezialist Rohrer.

Gefordertes Sicherheitskonzept

Der Gemeinderat stand den Empfehlungen des Tiefbauamtes anfangs skeptisch gegenüber. Der Augenschein vor Ort überzeugte aber schliesslich doch. «Wir haben einige Personen beobachtet, die die Strasse überquerten. Niemand hat den Fussgängerstreifen benutzt, meist sind sie diagonal über die Strasse gegangen», sagt der Gemeindepräsident. Für die Kreuzung im Schachen forderte der Gemeinderat vom Kanton jedoch ein Sicherheitskonzept, das dort die Situation entschärfen soll. Zusätzlich wünschte der Rat eine zusätzliche Einführung der Schulkinder durch die Verkehrspolizei.

Grosser Widerstand

Den grössten Widerstand erfährt die Aufhebung des Fussgängerstreifens vor dem Schulhaus. Aus der Elternschaft werden Stimmen laut, die dieses Vorgehen höchst unverantwortlich halten. Dies vor allem seit die Primarschul- und Kindergartenkinder das Postauto auf der anderen Strassenseite besteigen müssen. Bis vor kurzem war der Schulbus noch in Betrieb, der jeweils vor dem Schulhaus hielt.

Es wird nicht verstanden, weshalb der Fussgängerstreifen dort nicht versetzt werden kann, um die Sichtbarkeit zu erhöhen.

Lehrer nicht glücklich

Auch für das Lehrerteam ist die Situation vor dem Schulhaus nicht glücklich. Im Moment steht eine Lehrperson bei Schulbeginn und -schluss am Strassenübergang und beobachtet die Kinder und den Verkehr, der um die Mittagszeit ansteigt. Zusätzlich macht nach den Ferien ein Triopan die Autofahrer auf die strassenquerenden Kinder aufmerksam. Die Lehrer sind jedoch froh, dass die Kinder mit der zusätzlichen Schulung bald für die veränderte Situation sensibilisiert werden. Hans Peter Rohrer begegnet den Kritikpunkten gelassen: «Es ist uns bekannt, dass Eltern und Lehrer auf Veränderungen meist kritisch reagieren. Nicht alle Veränderungen sind in ihrer Auswirkung negativ, es handelt sich meist nur um Änderungen von Gewohnheiten.»