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Kein Spielraum mehr am Untersee

Zumauern, überbrücken und pumpen: Die Seeanwohner versuchen mit allen Mitteln zu verhindern, dass ihnen das Wasser zu nahe kommt. Am Untersee steigt der Pegel weiter. Spätestens morgen Mittwoch soll er wieder fallen.
Gudrun Enders

In Berlingen sitzen die Menschen mehr im See als am See. Die Kantonsstrasse ist überflutet und somit nur noch einseitig befahrbar. Eine Ampel regelt den Verkehr. Die Autos erhalten eine Unterbodenwäsche. Die Fussgänger, die rechts und links über Holzstege balancieren, bleiben trocken, weil Planen als Spritzschutz aufgebaut wurden.

«Das <Schiff> macht im Moment seinem Namen alle Ehre», sagt Wirt Peter Bommer. Rund ums Restaurant an der Berlinger Stedi schwappt der See, doch eingedrungen ist das Wasser bislang nicht. Sandsäcke und frische Mauern schützen auch die Gartenterrasse. Dort sitzt eine gutgelaunte Runde im Trockenen. Wirt Bommer wartet mit einem Hochwasserdrink auf: Rosé mit Holunderblütensirup und gespritzt. Bommer klingt nicht geknickt. Am Sonntag kehrten die Schaulustigen ein.

Seebub bleibt gelassen

Der Nachbar, «Hirschen»-Wirt Peter Koster, hindert das Wasser ebenfalls erfolgreich daran, in seine Gartenwirtschaft einzudringen. Mit Sandsäcken, Mauern und einer Pumpe hält er sich und seinen Gästen den See vom Leib. Koster bleibt gelassen, auch wenn seine Gästezahl einbricht, wenn der Parkplatz auf der Stedi unter Wasser steht. Fällt das Stichwort Hochwasser 1999, sagt er: «Das war etwas anderes. Da sässen wir auf der Terrasse bis zur Brust im Wasser.» Allerdings sieht auch der Seebub Koster jeglichen Spielraum aufgebraucht. Höher dürfe der Pegel nun nicht mehr steigen.

«Der Pegel des Obersees ist jetzt stabil», sagt Marco Baumann, Leiter Wasserbau und Hydrometrie im Thurgauer Amt für Umwelt. Nun läuft das Wasser durch den Untersee ab. «Am Untersee steigt der Wasserstand vielleicht noch bis zu zwei Zentimeter, um dann spätestens am Mittwoch zu fallen.» Maximal drei Zentimeter sinkt der Pegel dann täglich. – Darauf, dass das Wasser weicht, hofft Hotelier Steffen Volk vom See & Park Hotel Feldbach in Steckborn, obwohl sein Betrieb bisher ohne Einschränkungen funktioniert. Doch der Untersee kommt der Terrasse inzwischen sehr nahe. Volk ist dankbar, dass ihn die Einheimischen unterstützen. So wurde der Lieferanteneingang noch rechtzeitig zugemauert. Der Steckborner Stadtpräsident Roger Forrer drehte gestern eine Runde durchs Städtchen. «Zum Glück haben wir seit dem Hochwasser von 1999 das Frühwarnsystem», sagt er. So bauten auch die Steckborner ihre Holzstege schon am Freitag im Trockenen auf. Nun reichen sie knapp aus. Manchmal hilft auch die beste Vorbereitung nichts. Das musste Wirtin Bernadette Hofer erfahren. Barfuss watete sie in ihrer Wirtschaft zur Schiffländi in Steckborn im Wasser. Die mit einem Brett verriegelte Tür hielt dicht. Doch das Wasser drang durch die Mauer.

Gut gepumpt ist fast gewonnen

Stadtpräsident Forrer hofft, dass er weder den Quai noch die Kantonsstrasse sperren muss. Langjährige Mitarbeiter wissen, dass sich das Wasser auf der Seestrasse als erstes beim Eisenwaren Rudolf den Weg durch den Gully sucht. Gestern mittag blubberte dort noch nichts. Aber bei der Druckerei Steckborn lief eine Pumpe unermüdlich, dies wegen eines Elektroverteilers. Auch in Berlingen schaffte eine Pumpe beim «Kronenhof» unablässig Wasser nach draussen. Das war die einzige Massnahme, die das Perlavita Neutal bislang in seinen Liegenschaften am See treffen musste, wie Direktor Anselm Töngi sagt.

Neben dem Elektroverteiler musste auch ein Bancomat trockengepumpt werden.

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