Kein Sommergarten ohne Malven

Viele kennen die traumhaften Seerosengemälde des impressionistischen Malers Monet. Niemand konnte so zauberhaft den Garten in fast psychedelische Bilder umsetzen. Ist das, was er gemalt hat, die Realität von Gärten, die man als Gartenbesucher suchen muss und sich einem nicht unbedingt einfach so erschliesst?

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
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Viele kennen die traumhaften Seerosengemälde des impressionistischen Malers Monet. Niemand konnte so zauberhaft den Garten in fast psychedelische Bilder umsetzen. Ist das, was er gemalt hat, die Realität von Gärten, die man als Gartenbesucher suchen muss und sich einem nicht unbedingt einfach so erschliesst?

Sein Malerkollege van Gogh malte Malven, wie vor ihm und nach ihm fast alle, die sich mit Landschaft beschäftigen. Malven im Garten, das ist Sommer!

Chääslichruut nennt man die «einheimische» Malve, Malva silvestris. Sie ist aber erst von den Römern hierher gebracht worden und stammt ursprünglich aus Asien. Chääslichruut nennen andere Autoren auch den Echten Eibisch, der auch zu den Malvengewächsen gehört. Chääslichruut hat einen runden Samenstand, der eben wie ein kleiner Käse aussieht und als Kinderspielzeug bekannt ist. Da man aus diesen kleinen runden «Käse» Kinderbrei gemacht hat, wird er in diesem Zusammenhang zu seinem Namen gekommen sein.

Malvengewächse sind sehr schleimstoffhaltig. Die verschiedenen Malven haben darum eine erstaunliche Karriere als Arzneimittelpflanzen hinter sich. Aber auch heute werden Malven noch gebraucht, nicht nur in der Volksmedizin.

Kürzlich an einer Brätelei mit Kindern haben diese weisse, schaumstoffartige Kugeln mitgebraten und mit Genuss verzehrt. Marshmallows heissen die, wurde ich belehrt. Tatsächlich heisst der Echte Eibisch «Marshmallow», Sumpfeibisch in Amerika. Dieser zweifelhafte Genuss, der früher aus Zucker und den Wurzeln des Eibisch hergestellt wurde, kommt aber aus Frankreich und hiess «Pâte de guimauve», der Eiweisszusatz wird heute durch Industriegelatine ersetzt.

Schloss, Garten und Nebenhaus von Schloss Greifenstein bei Thal waren zu Zeiten der früheren Besitzer (mit grossem Kulturengagement!) manchmal für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der Maler Charles Hug, der 1979 starb, lebte zeitweise im Nebenhaus des Schlosses. Der wunderbare Garten wurde von seiner Frau mit Malven bepflanzt, die dann Charles Hug auf Leinwand brachte: Die schönsten Gartenbilder aus dem Rheintal, die ich kenne! Stockmalven oder Stockrosen sind auch Kulturfolger und nicht einheimisch. In vielen Farben gezüchtet, sollte man bei der Auswahl schauen, ob die Sache nicht allzu bunt wird. Sehr dunkle Sorten können auch zum Färben oder dekorieren von Essen gebraucht werden. Stockmalven sind eigentlich einfach zu pflegen, haben aber fast alle einen Makel: Die Blätter werden oft von Rostpilzen befallen und sehen dann, bis die Blüten kommen, schon ziemlich unansehnlich aus. Ich reisse die zerlöcherten, vertrockneten Blätter ab, die Pflanzen sehen dann zwar etwas hochbeinig aus, leuchten aber in den Beeten meterhoch schön bis in den Herbst.

Wenn die Schönheitskur bei mir nur auch so einfach wäre …