Kein Guthaben mehr

In St. Margrethen verhandelt Jakob Bolt noch immer über die Zukunft seines Mineralheilbads. Lange schwieg er zur drohenden Schliessung, nun gibt er schriftlich erste Antworten. Er reagiert auf die Kritik diverser Kunden, die verärgert sind – darüber, wie mit ihnen umgesprungen wird.

Samuel Tanner
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«Die Tageseinnahmen haben sich verringert»: Jakob Bolt über die derzeitige Situation des Heilbads. (Bild: Samuel Tanner)

«Die Tageseinnahmen haben sich verringert»: Jakob Bolt über die derzeitige Situation des Heilbads. (Bild: Samuel Tanner)

ST. MARGRETHEN. Die Frage war bei den vielen langjährigen Kunden sofort da; bei allem Bedauern über das drohende Aus, bei allem Verständnis für die schwierige Situation: Was passiert mit Abonnements, die über den Zeitpunkt der Schliessung hinaus gültig sind?

Als das Mineralheilbad am 4. Dezember über das voraussichtliche Ende im März informierte, schrieb der extra dafür angestellte Mediensprecher auf Anfrage: «Zur Frage der Abos, die über den März hinauslaufen: Der restliche Betrag wird zurückerstattet.»

Schnell meldeten sich Kunden, die vom Gegenteil berichteten. – Sie gaben sich entrüstet und enttäuscht.

Ein Stammkunde findet «frech und gemein», wie man als Kunde behandelt werde. «Hätte ich genug Geld, würde ich rechtlich gegen den Betreiber vorgehen.»

Vorerst keine Auskunft

Unsere Zeitung versuchte während der letzten Wochen mehrmals, Jakob Bolt zu kontaktieren. Via Mediensprecher, via Telefon – zunächst ohne Erfolg. Auf eine schriftliche Anfrage hin von letzter Woche, antwortete Inhaber Bolt dann doch auf verschiedene Fragen. Fragen, die sich die Kunden stellen; Fragen, die sich während der Recherchen rund um das Bad stellten. – Wie steht es nun tatsächlich um die restlichen Guthaben? Und wie verhält sich das Mineralheilbad gegenüber den verärgerten Kunden? Inhaber Bolt schreibt dazu: «Leider kann ich heute nicht in Aussicht stellen, dass Restbeträge zurückerstattet werden. Es laufen derzeit intensive Gespräche mit potenziellen Investoren, über die ich wegen vereinbarter Vertraulichkeit jedoch noch keine Auskunft geben kann.» Und weiter: «Ich werde mich aber für eine kundengerechte Lösung einsetzen. Den Ärger der Kunden verstehe ich und versuche, ihre Interessen in der künftigen Lösung zu berücksichtigen.»

Rechtlich fragwürdig

Wie sieht das rechtlich aus? Ist es erlaubt, Guthaben nicht auszubezahlen? Der Rechtsanwalt Werner Ritter sagt auf Anfrage: «Nein. In diesem Fall bestehen die Forderungen der Kunden weiterhin. Ist das Bad nicht mehr im Stande, die Forderungen zu erfüllen, ist es zur Rückerstattung verpflichtet. Ist die Liquidität nicht gegeben, kommt es zu einem Konkursverfahren. In jenem Fall kann der Kunde die Forderungen wieder stellen. Das Bad hofft aber wohl, dass den Kunden der Aufwand für diese rechtlichen Schritte zu gross ist.»

Jakob Bolt verhandelt derweil weiter über die Zukunft des Mineralheilbads. Dabei zählt er auf externe Hilfe. Er schreibt: «Die Komplexität der Lösungsfindung fordert mich sehr. Ich würde es sehr schätzen, wenn uns Zeit eingeräumt würde, um eine gute Lösung zu finden.»

Dem Mineralheilbad sieht man das drohende Ende in diesen Tagen kaum an – nur das bereits leer geräumte Restaurant spiegelt die triste Situation wider. Die Kunden kommen nach wie vor, berichten sowohl regelmässige Besucher als auch Inhaber Bolt. «Wir kommen so oft wie möglich, um die Guthaben aufzubrauchen», sagen Kunden. «Die Tageseinnahmen haben sich aber verringert», sagt Bolt.

Im Innern des Mineralheilbads sei die schwierige Lage zu spüren, sagen Besucher. «Eine Mitarbeiterin sagte sogar, dass sie es begrüssen würde, wenn die Kunden sich gegen die Nichtauszahlung der Restguthaben auflehnen würden», berichtet ein Vorarlberger Stammgast.

Damit konfrontiert, schreibt Jakob Bolt: «Die Mitarbeiter sind verständlicherweise in der derzeitigen Lage verunsichert und ich konnte ihnen in den letzten Wochen auch keine Perspektiven aufzeigen. Ich hätte dies noch so gerne getan. Wir erreichen aber nur eine Lösung für die Betroffenen, wenn wir uns nicht gegenseitig aufhetzen.»

Bolt teilt weiter mit, er werde wohl in Zukunft der Kommunikation mehr Bedeutung zumessen.