Kein Flughafen, sondern Dienstleister

Der Flughafen St. Gallen-Altenrhein heisst neu «People's Business Airport St. Gallen-Altenrhein». Investitionen von etwa 15 Mio. Franken sind für einen neuen Terminal und Hangar vorgesehen. CEO Armin Unternährer will den Airport zur Nummer eins für die regionale Wirtschaft machen.

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Armin Unternährer will den Poeple's Business Airport zum bevorzugten Flughafen für die Wirtschaft machen. (Bild: Andrea Plüss)

Armin Unternährer will den Poeple's Business Airport zum bevorzugten Flughafen für die Wirtschaft machen. (Bild: Andrea Plüss)

Armin Unternährer, der Flughafen heisst jetzt «People's Business Airport». Ist der Name Programm?

Armin Unternährer: Absolut. Und zwar in doppelter Hinsicht. Der Name drückt unsere Haltung und unsere Wertvorstellungen aus: Wir stellen die «people» – die Menschen – mit ihren Bedürfnissen und Wünschen bedingungslos in den Mittelpunkt. Zweitens wollen wir mit dem in Gang gesetzten Prozess unseren Bekanntheitsgrad verbessern. Es ist wichtig, dass man über uns spricht und diskutiert. Auch Kopfschütteln bewegt das Hirn.

Sie wollen der bevorzugte Flughafen sein für Unternehmer aus der Ostschweiz, Vorarlberg und Liechtenstein. Ist das eine Absage an den Charterflug?

Unternährer: Ein Unternehmen muss sich klar positionieren, um für Kunden greifbar und verlässlich zu sein. Wir überlegen, wie wir die Reisebedürfnisse der Unternehmen noch besser unterstützen können. Im Charterbereich planen wir zusammen mit Reiseveranstaltern Event-Charterflüge, die für Unternehmen interessant sein könnten. Zum Beispiel nach Genf zum Autosalon oder an Messen und Ausstellungen.

Der Flughafen soll sich zum Veranstaltungs- und Konferenzort entwickeln. Braucht die Wirtschaft in der Region noch ein zusätzliches Angebot in diesem Bereich?

Unternährer: Zeit ist für Unternehmer ein sehr wertvolles Gut. Unser Flughafen besitzt ideale Verkehrsanbindungen, und im Flugbetrieb gibt es keine Wartezeiten. Wenn sich dazu zukünftig eine moderne und professionelle Infrastruktur gesellt, sind wir in der Lage, einen einzigartigen Service anzubieten.

Sind neben Wien andere Destinationen im Linienflug geplant?

Unternährer: Wir würden gerne zusätzliche Destinationen anbieten. Leider klaffen hier Wunsch und Realität (noch) auseinander. Die Auswirkungen der globalen Krise haben alle Anbieter extrem vorsichtig werden lassen. Momentan ist niemand bereit, das Risiko zu tragen.

Der Charterbereich soll sich auf Event-Flüge konzentrieren. Will Altenrhein keine «normalen» Touristen?

Unternährer: Ihre «normalen» Touristen sind uns sogar sehr willkommen. Aufgrund der Länge unserer Pisten können wir allerdings im Low-Cost-Segment – der günstigen Preisklasse – kein konkurrenzfähiges Angebot ma- chen. Will man in dieser Sparte erfolgreich sein, muss man Flugzeuge mit mehr als hundert Sitzen einsetzen, das können wir hier nicht.

Auf dem Flughafengelände sind umfangreiche Bauvorhaben geplant – ein Terminalneubau und ein Hangar. Liegen die Projekte im Zeitplan?

Unternährer: Wir haben den Architekturwettbewerb für den Terminalbau gerade kürzlich abgeschlossen. Die Beurteilungskommission hat sich entschieden, das Projekt vom Büro Max Dudler aus Zürich weiterzuverfolgen.

Der Kontakt zu ihm war dadurch entstanden, dass Max Dudler gebürtiger Altenrheiner ist und deshalb ein besonderes Interesse hatte, am Wettbewerb teilzunehmen. Für den Hangar läuft momentan das Plangenehmigungsverfahren beim BAZL. In beiden Fällen sind wir absolut auf Kurs.

In welchem Kostenrahmen bewegen sich die Investitionen in die Infrastruktur?

Unternährer: Für den Hangar rechnen wir mit etwa fünf Mio. Franken.

Für den Terminal sind die Kosten in diesem frühen Sta- dium schwierig abzuschätzen; die Investitionen dürften sich im Rahmen von etwa zehn Millionen Franken bewegen.

In Wirtschaftskreisen sieht man in Friedrichshafen einen ernstzunehmenden Konkurrenzstandort. Wie beurteilen sie das?

Unternährer: Auf der Strecke nach Wien ist Friedrichshafen ganz klar eine Konkurrenz.

Wir haben deshalb mit Austrian Air- lines (AUA) eine neue Zusam- menarbeit vereinbart, die uns stärken wird.

Wo will der People's Business Airport 2015 stehen?

Unternährer: Als einziger 100- prozentig privater und nicht durch die öffentliche Hand unterstützter Airport wollen wir durch ein moderates, aber kontinuierliches Wachstum in den Berei- chen Business Aviation, Linie, Charter und Hangarvermietung so erfolgreich sein, dass wir die notwendigen Investitionen finan- zieren können

Interview: Andrea Plüss

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