Kein Armenviertel

Es gibt Schlagzeilen, die wiederholt man gerne. Eine von ihnen war vorgestern zu lesen. Sie betrifft ein Quartier in Heerbrugg, von dem bekannt ist, dass viele Ausländer dort leben – gut 61 Prozent. Aber nun nochmals die Schlagzeile: «Das Nefenfeld ist kein Armenviertel.

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Es gibt Schlagzeilen, die wiederholt man gerne. Eine von ihnen war vorgestern zu lesen. Sie betrifft ein Quartier in Heerbrugg, von dem bekannt ist, dass viele Ausländer dort leben – gut 61 Prozent. Aber nun nochmals die Schlagzeile: «Das Nefenfeld ist kein Armenviertel.» Eine Erhebung hat nämlich ergeben: Die Steuerkraft im Quartier mit seinen 450 Ausländern entspricht praktisch der durchschnittlichen Widnauer Steuerkraft.

Sollte jemand hohe Sozialausgaben in Richtung Nefenfeld vermutet haben und dieses Vorurteil nicht mehr losgeworden sein, könnte er es nun also getrost ablegen. Doch ein deutscher Philosoph hatte ganz recht, als er schrieb: Vorurteile ablegen, heisst vereinsamen. Dagegen hilft nur eines: dass alle beim Ablegen mitmachen. Schlagzeilen wie die genannte sind hoffentlich hilfreich. Sagen wir es also nochmals: «Das Nefenfeld ist kein Armenviertel.»

Gert Bruderer

gert.bruderer@rheintalverlag.ch