Katzen werden zum Problem

Die Artenvielfalt der Vögel in der Stadt St. Gallen hat um 18 Prozent abgenommen. Einen Grund für den starken Rückgang vermuten Tierschützer in der grossen Zahl an Hauskatzen. Alleine in der Stadt leben schätzungsweise 10 000 Katzen.

Elisabeth Reisp
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Wo ist das Vögelchen? Gerade in den frühen Morgenstunden machen Katzen leichte Beute. (Bild: Urs Jaudas)

Wo ist das Vögelchen? Gerade in den frühen Morgenstunden machen Katzen leichte Beute. (Bild: Urs Jaudas)

Die Brutvogelbestände nehmen in St. Gallen und Umgebung drastisch ab. In den letzten 20 Jahren wurde zudem ein Artenrückgang von 18 Prozent nachgewiesen. Ein Grund des Artenrückgangs sei der immer kleiner werdende Lebensraum der Vögel in der Stadt, sind sich Experten einig. Die Verdichtung in Zentren verdränge die letzten Grünflächen. Ein anderer Grund sei die hohe Bestandesdichte der Hauskatzen.

1,5 Millionen Katzen im Land

Der Tierpflegestation der Voliere werden immer wieder Vögel gebracht, die von einer Katze verletzt wurden. Mittlerweile weise jeder dritte verletzte Vogel einen Katzenbiss auf. «Katzenfreunde hören es nicht gerne, aber es gibt zu viele Katzen», sagt Franz Blöchlinger vom Naturschutzverein Stadt St. Gallen. Wie viele Katzen es aber sind, ist unklar. Da Hauskatzen im Gegensatz zu Hunden nicht registriert werden, kann deren Bestand nur geschätzt werden. Experten mutmassen, die Zahl der Hauskatzen in der Schweiz belaufe sich auf über 1,5 Millionen. Auf jeden fünften Einwohner kommt eine Katze. Angewendet auf St. Gallen bedeutet dies, etwa 15 000 Katzen leben in der Stadt. Ob die Zahl stimmt, ist nicht nachweisbar. Erika Bolt vom Tierschutzverein St. Gallen und Umgebung geht aber davon aus, dass es hier sicher 10 000 Katzen gebe.

Wie viel Beute die Stubentiger machen, unterliegt ebenfalls Schätzungen. Eine Studie aus England liefert allerdings eine Berechnungsbasis. Zwei britische Forscher haben von April bis August 1997 rund tausend Hauskatzen auf ihr Beutefangverhalten untersucht. Während dieser Zeit brachten die beobachteten Katzen 14 000 Tiere, von Vögeln bis zur Ringelnatter, nach Hause. Davon waren etwa 3400 Beutetiere Vögel. Wie viele Beutetiere unterwegs gefressen wurden, berücksichtigte diese Studie nicht. Ausgehend von dieser Studie könnten es die Stadtsanktgaller Hauskatzen in fünf Monaten auf die stattliche Zahl von 34 000 erlegten Vögeln bringen.

Katze sollte nachts im Haus sein

Erika Bolt geht allerdings davon aus, dass die Katzen im Stadtzentrum hauptsächlich Wohnungstiere sind. Kritisch werde es in den Wohnquartieren und am Stadtrand. «Dort lassen die Besitzer ihre Tiere raus. Und vor allem auch nachts», sagt die Tierschützerin. Genau dies sei gefährlich. Denn in den frühen Morgenstunden seien die Vögel auf Futtersuche. Im Morgentau finden sie Schnecken und Würmer. Am Boden lauert allerdings auch die Katze. Bolt rät deshalb, die Haustiere erst ab etwa acht Uhr morgens raus zu lassen. Am Abend sollten die Katzen ebenfalls gegen acht Uhr wieder im Haus sein. Hauskatzen sollten zudem kastriert sein, lautet ein weiteres Anliegen der Tierschützer. «Katzen werfen sonst zweimal im Jahr.» Gerade bei verwilderten Katzen ein Problem. Deren Population könne sich explosionsartig ausbreiten.

Kein heimisches Tier

Derzeit gebe es rund um St. Gallen aber kaum mehr verwilderte Katzen. Der Tierschutz habe eingegriffen, sagt Bolt. Denn, so der Einwand der Tierschützerin, die Katze sei nun mal kein heimisches Tier. Es gehe immer wieder vergessen, dass sie eigentlich aus dem alten Ägypten stamme.

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