KANTONSRAT: Regierung sieht kein Kraftwerk im Rhesi-Rhein

Zumindest der Abschnitt des Rheins zwischen Illmündung und Bodensee kommt für die Regierung als Standort für ein Flusskraftwerk nicht in Frage. SVP-Kantonsrat Walter Freund hatte den Bau eines solchen gefordert.

Max Tinner
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Ein Kraftwerk, wie es die Stadtwerke Feldkirch vor ein paar Jahren in der Ill an deren Einmündung in den Rhein gebaut haben, hält die Kantonsregierung im Rhein selbst für unrealistisch.Archivb (Bild: ild: Gernot Grabher)

Ein Kraftwerk, wie es die Stadtwerke Feldkirch vor ein paar Jahren in der Ill an deren Einmündung in den Rhein gebaut haben, hält die Kantonsregierung im Rhein selbst für unrealistisch.Archivb (Bild: ild: Gernot Grabher)

Nachdem das Stimmvolk im Mai der neuen Energiestrategie des Bundes zugestimmt hatte, verlangten der Eichberger SVP-Kantonsrat Walter Freund und sein Seveler Parteikollege Mirco Rossi von der Regierung, das Hochwasserschutzprojekt Rhesi sei zu sistieren, damit eine Gesamtbeurteilung auch unter Einbezug von Wasserkraftwerken erarbeitet werden kann. Freund und Rossi sprachen in ihrer Interpellation von einem Stromproduktionspotenzial von 1560 GWh für den Rhein zwischen Reichenau und Bodensee.

Dies sei ein theoretischer Wert, schreibt die Regierung in ihrer Antwort. Um so viel Energie zu erzeugen, müsste der Rhein von Reichenau bis Altenrhein durchgehend mit Staustufen verbaut werden.

Grundsätzlich streitet die Regierung das Potenzial des Rheins für die Energieerzeugung zwar nicht ab. Sie verweist auf das Entwicklungskonzept Alpenrhein von 2005, welches festhalte, dass die potenziellen Standorte für Wasserkraftwerke langfristig für solche zu sichern seien.

Gegen den Bau von Staustufen zwischen Rüthi und Bodensee spreche aber das hier geringe Gefälle. Gleichzeitig seien hier wegen der dichten Besiedlung die Anforderungen hinsichtlich Hochwassersicherheit, Grundwasserschutz und Ökologie besonders hoch. Rhesi als Projekt zur Verbesserung des Hochwasserschutzes für die Bevölkerung und für den Wirtschaftsstandort zu sistieren, wäre für die Regierung darum «unverantwortlich».

Für den Abschnitt entlang dem Fürstentum Liechtenstein erinnert die Regierung an das Projekt mit fünf Staustufen, das 1985 aufgelegen hatte. Es sei wieder zurückgezogen worden, weil Umweltverträglichkeit und auch Wirtschaftlichkeit nicht gegeben gewesen seien. Zwischen Reichenau und Buchs seien danach noch verschiedentlich weitere Projekte erwägt worden. Keines sei weiterverfolgt worden, speziell wegen Schwierigkeiten hinsichtlich des Grundwassers.

Die Regierung verweist ausserdem auf den Bericht «Wasserkraftpotenzial der Schweiz» des Bundesamts für Energie aus dem Jahr 2012. Für den Abschnitt auf Höhe Fürstentum Liechtenstein wird dort eine Realisierungswahrscheinlichkeit von bestenfalls 50% angegeben. Für den Abschnitt Oberriet-Widnau sei die Realisierungswahrscheinlichkeit null, schreibt die Regierung.

Walter Freund zeigte sich gestern in der Session enttäuscht. Seiner Ansicht nach scheut der Kanton die Konfrontation mit den Umweltverbänden. Wer aber A sage, müsse auch B sagen, meinte er. Sprich, nachdem das Volk der Energiewende zugestimmt habe, liege es nun am Kanton, sich auch für solche Flusskraftwerke einzusetzen.

Max Tinner