KANTONSRAT: Ein Jahr lang keine Züge?

Die Regierung überlegt sich, die Bahnlinie zwischen Altstätten und Sargans ein ganzes Jahr lang zu sperren, damit die Doppelspurausbauten zügiger realisiert werden können.

Max Tinner
Drucken
Teilen
S4 in Altstätten – bitte auf den Bus umsteigen: Während des Doppelspurausbaus im Oberrheintal und Werdenberg könnte hier ein Jahr lang Endstation sein. (Bild: Max Tinner)

S4 in Altstätten – bitte auf den Bus umsteigen: Während des Doppelspurausbaus im Oberrheintal und Werdenberg könnte hier ein Jahr lang Endstation sein. (Bild: Max Tinner)

Max Tinner

Praktisch der komplette Kantonsrat ist sauer auf die SBB und den Bund. Sie sehen St. Gallen und das Rheintal vernachlässigt. Zwar wurde vor zwei Jahren die Fernverkehrsverbindung zwischen St. Gallen und Zürich um einen dritten Zug pro Stunde ausgebaut, erinnert die Regierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation, welche im April von allen Fraktionen des Rates gemeinsam eingereicht worden war. Und die Kapazität werde noch weiter ausgebaut.

Ziel: Innert 50 Minuten von St. Gallen nach Zürich

Dies wird vom Kantonsrat auch begrüsst – was der Rat aber vermisst, ist der längst versprochene Geschwindigkeitsausbau. Diesen wolle die Regierung ebenfalls, versicherte Regierungsrat Bruno Damann gestern in der Session. Man prüfe derzeit zusammen mit dem Bund, wie eine Fahrzeit von 50 Minuten auf der Strecke St. Gallen–Zürich erreichbar sei.

Im Rheintal ist der Doppelspurausbau zentral

Auch im Rheintal wartet man schon seit Jahren auf den Ausbau des Bahnverkehrs. Nicht nur auf schnellere Verbindungen, sondern auch auf die Einführung des Halbstundentakts für die Schnellzüge. Dafür sind aber Doppelspur­ausbauten bei Oberriet und im Werdenberg nötig. Ursprünglich war dieser Ausbau der Schieneninfrastruktur im Rheintal für 2019 vorgesehen, dann wurde er auf 2021 verschoben, zuletzt war die Rede von 2025. Auch diesbezüglich habe man mit Bern intensive Gespräche geführt, versicherte Damann. Letztlich müsse man aber akzeptieren, dass der Ausbau auf dieser Strecke schwierig sei. Man überlege sich darum zurzeit, wie er sich beschleunigen lasse.

Ein Jahr lang Bahnersatzbusse

Unter Umständen werde man die Bahnlinie das Rheintal hinauf für ein ganzes Jahr sperren, um den Ausbau zügiger realisieren zu können, kündigte Bruno Damann an. Sollte man sich dazu entschliessen, würde man die Fahrgäste während dieser Zeit auf dieser Strecke mit Bahnersatzbussen befördern.

Die Kantonsratsfraktionen forderten ein forscheres Auftreten in Bern. Der Doppelspurausbau müsse früher kommen, verlangte etwa der Wartauer Gemeindepräsident und FDP- Kantonsrat Beat Tinner. Die Einführung des Halbstundentakts erst nach 2025 ist für ihn nicht akzeptabel. Auch der Fraktionssprecher der SVP, der Tübacher Gemeindepräsident Michael Götte, forderte eine selbstbewusstere Lobbyarbeit St. Gallens in Bern. «Es darf nicht sein, dass andere Regionen immer wieder bevorzugt behandelt werden.»

«Unsere Region ist die einzige der Schweiz, in der das Bahn-2000-Konzept noch nicht umgesetzt ist», kritisierte auch der Flawiler Kantonsrat Peter Hartmann als Fraktionssprecher der SP. Auf den Bau des Brüttener-Tunnels, der kürzere Fahrzeiten erlauben würde, dürfe man nicht warten, denn dieser stehe frühestens ab etwa 2035 zur Verfügung. Die Fernverkehrsverbindungen nach St. Gallen und ins Rheintal seien bereits jetzt zu verbessern. Auch der Altenrheiner Kantonsrat Felix Bischofberger forderte im Namen der CVP-GLP-Fraktion «ein Ausbauprojekt, das diesen Namen auch verdient».

Mehr Verbindungen aus dem Rheintal nach Zürich

Einige Angebotserweiterungen, die bereits absehbar sind, zählt die Regierung in ihrer Antwort auf die Interpellation auf, auch für das Rheintal. So wird es ab Dezember 2018 aus dem unteren Rheintal stündlich vier Verbindungen über St. Gallen nach Zürich geben – eine direkt; drei mit schlanken Anschlüssen in St. Gallen. Das obere Rheintal bekommt eine zweite stündliche Verbindung nach Zürich über Sargans. Allerdings erst mit der Einführung des Halbstundentakts für den Schnellzug, sprich nach dem Doppelspurausbau.