KANTONSRAT: Ein bisschen flexibler mähen

Bei gut entwickelter Vegetation und ungünstiger Wetterprognose sollen Streuerieder künftig bis zu fünf Tage früher gemäht werden dürfen, als es heute erlaubt ist.

Max Tinner
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Der Motormäher steht parat: Heuet am Hölzlisberg ob Eichberg. (Archivbild: Max Tinner)

Der Motormäher steht parat: Heuet am Hölzlisberg ob Eichberg. (Archivbild: Max Tinner)

Max Tinner

Ökowiesen und Streuerieder dürfen nicht zu einer beliebigen Zeit gemäht werden. Wollen die Bauern die Biodiversitätsbeiträge für diese Flächen erhalten, dürfen sie beispielsweise Magerwiesen nicht vor dem 1. Juli (im Berggebiet nicht vor dem 15. Juli) und Streuerieder nicht vor dem 1. September mähen. Diese Daten gibt ihnen die Direktzahlungsverordnung des Bunds vor. Damit soll gewährleistet werden, dass die Gräser und Blumen versamen können und die Wiesen und Rieder artenreich bleiben.

Die starre Schnittzeitpunktregelung hat aber Nachteile. Dies bemängelten auch die Rheintaler Kantonsräte Walter Freund (SVP, Eichberg) und Rolf Huber (FDP, Oberriet) in einer Interpellation, die sie im September zusammen mit zwei weiteren Kantonsräten der Regierung eingereicht hatten.

Heuer hat der Regen den Bauern die Streu verdorben

Diesen Herbst sei das Vegetationswachstum schon früh weit fortgeschritten gewesen, schrieben sie in ihrem Vorstoss. Man habe die Rieder aber trotz schönem Wetter nicht mähen dürfen. Die Schlechtwetterperiode danach habe dann aber dazu geführt, dass erst gemäht werden konnte, als die Qualität des Riedgrases bereits arg gelitten hatte. Die Interpellanten schlugen der Regierung deshalb vor, den Schnittzeitpunkt flexibler festzulegen, zusammen mit den Bauern und individuell für die jeweilige Fläche anhand der Entwicklung von Zeigerpflanzen.

Die Regierung sieht allerdings nur einen beschränkten Spielraum für ein Abweichen von den Schnittzeitvorgaben, ist der nun vorliegenden Antwort zu entnehmen. Die Schnittzeitpunkte der Biodiversitätsförderflächen seien vom Bund vorgegeben. Einen gewissen Spielraum gebe es nur über Vereinbarungen im Rahmen von Vernetzungsprojekten oder für Flächen, für die ein ­Gaöl-Vertrag bestehe (Gaöl steht für Gesetz über die Abgeltung ökologischer Leistungen) und auch dann nur im Einzelfall und unter besonderen Umständen.

Eine Situation wie diesen Herbst gebe es ausserdem nur alle paar Jahre, schreibt die Regierung weiter. Sie sieht aber ein, dass Boden und Vegetation Schaden nehmen können, wenn bei solch nassen Bedingungen die Streue geschnitten und abgeführt werden muss. Sie will darum eine Arbeitsgruppe einsetzen, die jeweils Mitte August die Reife der Riedvegetation beurteilt. In der Arbeitsgruppe sollen die Gemeindepräsidenten-Vereinigung, der Bauernverband und das Amt für Natur, Jagd und Fischerei vertreten sein. Bei gut entwickelter Vegetation und ungünstigen Witterungsprognosen wird sie befugt sein, den Schnittzeitpunkt vorzuverlegen, allerdings um maximal fünf Tage.

Den Interpellanten geht dies zu wenig weit. Die Fünf-Tage-Regelung diene mehr dem Amt als der Natur, meinte Walter Freund am Dienstag in der Session. Er fordert weiterhin eine Lösung, «die es den Landwirten erlaubt, wieder mit der Natur arbeiten zu können».

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