Kammermusik in der Kirche

Das Orgel-plus-Konzert der Rheintalischen Gesellschaft für Musik und Literatur zauberte ausserordentlich feine Orgelklänge in die evangelische Kirche Rheineck.

Max Pflüger
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Die beiden virtuosen Solisten harmonieren perfekt. (Bild: Max Pflüger)

Die beiden virtuosen Solisten harmonieren perfekt. (Bild: Max Pflüger)

RHEINECK. Am Mittwochabend lud die Rheintalische Gesellschaft für Musik und Literatur (RGML) zur Abendmusik Orgel-plus ein. Auf dem Programm stand deutsche Musik aus drei Jahrhunderten, Kompositionen von Bach, Mozart, Beethoven, Schumann, Kirchner und Reger. Auf der Orgel spielte der in Bern wohnhafte Ostschweizer Organist Jürg Brunner, die Bernerin Béatrice Wenger musizierte auf dem Cello. Trotz der grossen Zeitspanne, die zwischen der ältesten und der jüngsten Komposition liegt, wirkte das Konzert sehr ausgeglichen. Abwechslungsreich, unterschiedlich im harmonischen Ausdruck, aber einheitlich in der ausdrucksvollen und doch zarten Interpretation durch die beiden virtuosen Solisten: anmutige Abendmusik. Die beiden Solisten begeisterten mit ihrem Können und ihrer perfekten Zusammenarbeit das Publikum restlos.

Intimer Rahmen

Der Zuhörer erlebte die Orgel in einer eher ungewohnten Weise: leise und zusammen mit den anschmiegsamen Klängen des Cellos schon fast kammermusikalisch. Denn Jürg Brunner verstand es, die musikalisch feinen Aspekte seines Instrumentes zum Tragen zu bringen. Optisch verstärkt wurde dieser Eindruck durch die architektonischen Gegebenheiten des Konzertraumes. Auf der einseitig angebauten Empore sass man zusammen mit dem Organisten und der Cellistin gleichsam in einem Raum. Es entstand so intime Nähe zu den Aufführenden. Orgel-plus brachte mit der Besetzung Orgel und Cello, mit der interessanten Werkauswahl und der Virtuosität der Ausführenden gleichsam Kammermusik auf die Orgel und in die Kirche.

Zweimal kraftvolle Orgelklänge

Leicht und locker, abwechslungsreich, unterhaltsam kam das Programm Orgel-plus daher. Und dem Publikum gefiel es, wie der Schlussapplaus am Ende des Konzertes zeigte. Zweimal brachte Jürg Brunner dann aber doch die volle Kraft seines Instrumentes zur Geltung. Zuerst mit dem Eröffnungswerk des Konzertes, «Präludium und Fuge» in G, einem Bach-Werk, wie man es kennt und erwartet. Und dann brillierte Brunner vor allem in der «Toccata» in d-Moll von Max Reger. Das temperamentvolle und in interessanten Harmonien komponierte Werk verlangte dem Organisten alles ab. Auf der Empore konnte man die schon fast akrobatische Beinarbeit des Organisten mitverfolgen. Die «Toccata» erwies sich als eindrückliches, aber auch für die Zuhörer nicht ganz einfaches Werk.