Kamera zirkulieren lassen

DIEPOLDSAU. Die Jugendkommission der Gemeinde Diepoldsau liess in der Dorfjugend eine Digitalkamera zirkulieren. 33 Jugendliche knipsten über den Sommer 105 Fotos. Gestern war Vernissage.

René Schneider
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Die Schrägseilbrücke in einer Abendstimmung auf Platz eins. (Bild: Vera Geisser)

Die Schrägseilbrücke in einer Abendstimmung auf Platz eins. (Bild: Vera Geisser)

Die Projekt-Idee hatte Karin Leupp, Schulrätin und Mitglied der Diepoldsauer Jugendkommission. Sie steckte eine Digitalkamera, Ladekabel und Zettel mit ein paar Anweisungen in eine «magische», schwarze Schachtel und liess die Schachtel von März bis August in der Dorfjugend zirkulieren. Herausgekommen ist ein Kunstprojekt. Gestern hat Thomas Bolt, Gemeinderat und Präsident der Jugendkommission, die Autoren der von der Kommission ausgewählten schönsten drei Fotos geehrt und mit 100, 75 und 50 Franken prämiert. Eingeladen waren die Mitglieder der Kommission, alle Teilnehmenden sowie Vertreter von Schule und Gemeinde. Die Siegerbilder und zwei Dutzend weitere hängen jetzt während zweier Wochen im Flur des ersten Obergeschosses des Gemeindehauses und sind zu den Öffnungszeiten frei zugänglich.

Sicht der Jugend

Karin Leupp erinnerte sich, dass auf ihrer elterlichen Digitalkamera ab und zu Bilder waren, an die sich niemand erinnern konnte – aufgenommen von ihrer damals kleinen Tochter, so sie die Kamera erwischt hatte. Bilder aus Kindersicht, sozusagen. Das habe sie zum Projekt angeregt, eine Kamera unter Jugendlichen zirkulieren zu lassen. Wie sehen sie das Dorf? Was bilden sie ab? Die Ausstellung zeigt, dass sie meist dasselbe lieben an ihrem Dorf wie die Erwachsenen: den Rhein, den Alten Rhein, die Brücken, Tiere, Blumen, Wiesen, Bäume, Natur, Abendstimmungen. Vereinzelt zeigt die Ausstellung aber auch «schräge» Dorf-Ansichten; etwa einen angeschnittenen Baukran mit Busch und Wolke, ausgefallene Dekorationen aus Diepoldsauer Gärten, einen martialischen Hochplateau-Frauenschuh auf einem Birkenstumpf (Birkenstock), oder im Kreis angeordnete vier einzelne Badelatschen samt zwei verschiedenen Füssen.

Voller Erfolg

Das Projekt sei abgesehen vom sichtbaren Resultat ein voller Erfolg geworden, freut sich Karin Leupp. So sei der Inhalt der Schachtel über die Monate weder beschädigt noch geklaut worden. Auch habe niemand ungebührliche oder kompromittierende Bilder aufgenommen.

Der neugierige Schwan am Alten Rhein schaffte es auf Platz drei. (Bild: Ronja Köppel)

Der neugierige Schwan am Alten Rhein schaffte es auf Platz drei. (Bild: Ronja Köppel)

Vater Rhein mit Schmelzwasser und erhöhtem Pegel auf Platz zwei. (Bild: Carlo Geisser)

Vater Rhein mit Schmelzwasser und erhöhtem Pegel auf Platz zwei. (Bild: Carlo Geisser)