Kadaver-Gift war Ursache

ISELISBERG. Es ist das tödlichste Gift, das in der Natur vorkommt. 0,01 Milligramm reichen aus, um einen Menschen oder ein Tier lebensbedrohlich zu vergiften. Hochkonzentriert – durch einen verwesenden Kadaver im Futtersilo etwa – kann das Botulinumtoxin Hunderte Tiere dahinraffen.

Alexandra Looser
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ISELISBERG. Es ist das tödlichste Gift, das in der Natur vorkommt. 0,01 Milligramm reichen aus, um einen Menschen oder ein Tier lebensbedrohlich zu vergiften. Hochkonzentriert – durch einen verwesenden Kadaver im Futtersilo etwa – kann das Botulinumtoxin Hunderte Tiere dahinraffen. Wie die 250 Milchschafe, die im Juni in Iselisberg verendeten.

Ein seltener Fall

War bei den 60 Kühen aus Gachnang von Anbeginn klar, dass das Nervengift für den Tod der Tiere verantwortlich war, konnte man bei den Schafen erst nur Mutmassungen anstellen. «Auch wenn Botulismus selten vorkommt, ist bei Kühen durch bekannte und daher wiedererkennbare Symptome schnell abgeklärt, ob sie an Botulismus erkrankt sind oder nicht», sagt Ueli Braun, Direktor Departement für Nutztiere der Universität Zürich.

Bei Schafen hingegen sei eine Vergiftung durch Botulismus untypisch. «Ein ähnlicher Fall mit einem solchen Ausmass habe ich in den letzten 30 Jahren nie gesehen.»

Südafrika bringt den Hinweis

Daher konnte Braun, der mit der Abklärung für die Todesursache beauftragt wurde, vorerst bloss mutmassen, dass es sich beim Tod der Schafe um Botulismus handeln könnte. «Ich habe nach ähnlichen Fällen in der Fachliteratur gesucht und bin dabei auf einen alten Fall von 1995 aus Südafrika gestossen.» Das ähnliche Krankheitsbild gab den Hinweis, die Schafe auf Botulismus untersuchen zu lassen.

Gewissheit bringt Aufklärung

Panseninhalt und Organproben der toten Schafe wurden zur genauen Abklärung in ein Speziallabor nach Göttingen (D) geschickt. Das Labor bestätigte nun, dass die Schafe tatsächlich aufgrund des Nervengifts starben. «Die Gewissheit ermöglicht es, Tierärzte und Landwirte umfangreich über das Krankheitsbild aufzuklären», sagt Braun. Falls ein derartiger Fall erneut auftreten sollte, würden von nun an auch die Symptome bei Schafen sofort erkennbar sein.

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