Juni-Markt wird ersatzlos gestrichen

Markt & Kulinarik, der spezielle Altstätter Handwerker- und Kulinarikmarkt, wird nicht mehr durchgeführt. Das Interesse der Marktfahrer schwand kontinuierlich. Von Anfang an stand dieser Markt nicht unter dem besten Stern.

Gert Bruderer
Merken
Drucken
Teilen

ALTSTÄTTEN. Ideen, die zur Belebung des Städtchens beitragen, waren schon immer gefragt. Die beste aus der jüngeren Vergangenheit ist «Stadtgarten». Dieser Anlass hat sich durchgesetzt und wird vom 18. März bis 24. April schon zum vierten Mal durchgeführt.

Erwartungen waren hoch

Markt & Kulinarik aber, der spezielle Samstagsmarkt mit Handwerk, besonderem Gewicht auf Spezialitäten und erweitertem Bauernmarkt, tat sich von Anfang an schwer. Der Anlass, der als Ersatz für den früheren Fronleichnams- und Nostalgiemarkt eingeführt wurde, war mit hohen Erwartungen verknüpft und durchaus stimmungsvoll, doch der Erfolg blieb ihm verwehrt. «Mit Bedauern» habe die Marktkommission daher entschieden, den Anlass Markt & Kulinarik kein siebtes Mal durchzuführen, heisst es in einer Medienmitteilung der Stadt. Ein Ersatz – also ein neuer, anders ausgerichteter Markt – ist nicht geplant.

«Herbst wäre besser gewesen»

Schon der Start mit dem Handwerker- und Kulinarikmarkt vor sechs Jahren war nicht wunschgemäss geraten. Zu heiss war es gewesen, als dass Ende Juni viele Leute gekommen wären. Überhaupt hatte der Zeitpunkt schon vorher zu reden gegeben. Die Marktfahrer, die den Anstoss zum neuen Markt gegeben hatten, waren mit der Durchführung Ende Juni nie glücklich gewesen. Noch heute sagt die Diepoldsauerin Hiltrud Frei, die im Schweizerischen Marktverband die Sektion Ostschweiz präsidiert: «Eine Durchführung im Herbst wäre besser gewesen.»

«Zu viel los im Herbst»

Stadtrat Christian Willi als Präsident der Altstätter Marktkommission entgegnet, im Herbst sei erstens schon sehr viel los, ausserdem hätten August-Markt und ein neuer Handwerker- und Kulinarikmarkt bei einer späteren Durchführung zu nahe beisammen gelegen.

Nachdem Markt & Kulinarik ein drittes Mal stattgefunden hatte, also im Sommer 2012, zeigte Willi sich zufrieden. Wirklich etablieren konnte sich der Anlass aber nicht. Nach Einschätzung von Hiltrud Frei hat das auch damit zu tun, dass in Altstätten «viele Vereinigungen oder Institutionen mitreden» und alles stets ein bisschen komplizierter sei als anderswo. 2012 zum Beispiel, als die Stadt (wegen Bauarbeiten und neuer Verkehrsführung im Städtli) die Stände von der Gerbergasse (zwischen Breite und Migros) an die Engelgasse umsiedeln wollte, wehrten die Marktfahrer sich vehement, worauf man eine Lösung fand.

Jährlich über 300 Briefe

Um für Markt & Kulinarik möglichst viele Marktfahrer zur Teilnahme zu gewinnen, hat die Marktkommission jedes Jahr über 300 Marktfahrer angeschrieben. Doch der Trend zeigte seit 2013 deutlich nach unten. Die Teilnehmerzahl nahm von Jahr zu Jahr ab. Weil somit das Angebot merklich schrumpfte, schwand das Interesse der Bevölkerung, was wiederum die Umsätze sinken liess. Die Einnahmen stellten die Marktfahrer nicht zufrieden. Dem Festwirtschafts-Betreiber erging es nicht besser, sodass er beschloss, sich zurückzuziehen.

Stadt tat viel für den Markt

Auch aus Sicht der Stadt standen Aufwand und Ertrag in einem Missverhältnis. Die Stadt trug den Grossteil der Kosten, indem das Bauamt namhafte Leistungen erbrachte und die Marktfahrer für die Teilnahme an Markt & Kulinarik, anders als sonst, keine Standgebühr zu entrichten hatten.

Noch vier Hauptmärkte

Nach der Streichung des Handwerker- und Kulinarikmartes und somit des Juni-Markt-Termins, hat Altstätten noch vier Hauptmärkte: den Lichtmessmarkt, den Maimarkt, den August-Jahrmarkt (mit einem grossen Viehmarkt) und den Weihnachtsmarkt. Keiner dieser Anlässe wird – wie Markt & Kulinarik – an einem Samstag durchgeführt. Neben den Hauptmärkten findet das ganze Jahr über donnerstags der Wochenmarkt mit Früchten und Gemüse statt. In der warmen Jahreszeit kommt der jeweils am Samstagmorgen stattfindende Bauernmarkt dazu (Ende April bis Ende Oktober), und sowohl im Frühjahr als auch im Herbst verwandelt sich die Breite in einen Flohmarkt.