Jugendschutz nach Gefühl

Fasnachtscliquen zeigen sich an Umzügen grosszügig und verteilen gerne etwas Süsses – manchmal auch in Form von Alkohol. Doch wie genau nehmen sie es mit der Alterskontrolle?

Seraina Hess
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Wer darf ein Gläschen? Einen 18-Jährigen von einem 17-Jährigen zu unterscheiden, ist kein leichtes Unterfangen. (Bild: Depositphotos/yuyu2007)

Wer darf ein Gläschen? Einen 18-Jährigen von einem 17-Jährigen zu unterscheiden, ist kein leichtes Unterfangen. (Bild: Depositphotos/yuyu2007)

Eine Flasche hatte die Fasnachtsclique St. Margrethen dabei, danach gab es am Rheinecker Fasnachtsumzug nur noch Lollipops. «Früher haben wir mehr Alkohol ausgeschenkt», sagt Sieglinde Nussbaumer. Irgendwann wurde es der Präsidentin zu viel: «Ich halte selbst nichts von Alkohol, der von Fremden verteilt wird – man weiss ja nie, was drin ist.»

Ein Problem dürfte für Fasnachtsgruppen, die Shots verteilen, auch der Jugendschutz sein. Ob junge Zuschauer bereits 16 beziehungsweise 18 sind, ist nicht immer klar. Und eine Ausweiskontrolle am Strassenrand? An einem Fasnachtsumzug schlicht lächerlich, findet Sieglinde Nussbaumer.

Polizei kontrolliert nicht

Eine Bewilligung zum Alkoholausschank brauchen die teilnehmenden Gruppen an Umzügen nicht. Die Organisatorin des Rheinecker Umzugs, Ada Franco, hat manchen Zuschauern am Strassenrand selbst schon Schnaps-Gläschen gereicht: «Aber nur Leuten, die zweifellos älter als 18 waren.»

Auch die Röllelibutzen, die die Altstätter Fasnacht organisieren, verlangen bei der Anmeldung keinen Hinweis, ob Alkohol verteilt wird oder nicht. Schliesslich handle es sich um ein Geschenk und nicht um Getränke, die verkauft werden. Die Teilnehmer würden jedoch im Reglement angehalten, besonders auf das Alter der Beschenkten zu achten. «Zu kontrollieren, ob sich alle penibel daran halten, wäre viel zu aufwendig und fast unmöglich», sagt OK-Präsident Alex Zenhäusern.

Selbst die Polizei erwartet an Umzügen nicht, dass Fasnachtsgruppen Ausweise kontrollieren, wenn sie Alkohol verschenken. Und sie prüft auch nicht, ob die Regeln eingehalten werden. «Ist die Polizei an einem grossen Fasnachtsumzug vertreten, hat sie bestimmt Wichtigeres zu tun – zum Beispiel die Regelung des Verkehrs», sagt Kapo-Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli. «Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand der Fasnächtler.» Anzeigen, auf die die Polizei hätte reagieren müssen, habe es bisher keine gegeben.

Wie Sieglinde Nussbaumer von der Fasnachtsclique St. Margrethen berichtet, werde im Rheintal ohnehin selten Alkoholisches verschenkt. «In Vorarlberg hingegen ist das gang und gäbe. Aber auch dort funktioniert es: Berücksichtigt werden meistens sowieso nur Zuschauer aus dem Bekanntenkreis der Fasnächtler.»

Testkäufe in Altstätten

Probleme mit dem Jugendschutz sehen auch die Altstätter Organisatoren weniger bei den Gratis-Schnäpsen, sondern beim Verkauf. «In Zusammenarbeit mit der Stadt führen wir deshalb erstmals ein Präventions-Programm durch», sagt Alex Zenhäusern. Es soll Testkäufe in Restaurants, an Ständen und in den eigenen Festzelten der Röllelibutzen geben– und zwar angekündigte. «Wir möchten, dass alle von der Aktion wissen, damit das gesamte Personal von Anfang an Ausweise kontrolliert.»

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