Jürgen Natter hat viel vor

WIDNAU. Mit Orgelkonzerten und Projekten des Bachchores will der Vorarlberger Jürgen Natter sich im Rheintal einen Namen machen. Am Freitag gibt er ein Konzert in der Widnauer Jakobus-Kirche.

Theodor Looser
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Jürgen Natter aus Altach verfolgt auch im St.Galler Rheintal musikalische Projekte. (Bild: Theodor Looser)

Jürgen Natter aus Altach verfolgt auch im St.Galler Rheintal musikalische Projekte. (Bild: Theodor Looser)

Am Freitag, 21. November, um 19.30 Uhr gibt der Organist und Chorleiter Jürgen Natter aus Altach ein Orgelkonzert in der katholischen Pfarrkirche Sankt Jakobus in Widnau. Sein musikalisches Handwerk lernte Jürgen Natter zuerst beim Feldkircher Domorganisten Walfried Kraher, dann am Konservatorium in Feldkirch bei Günter Fetz und Elisabeth Zavadke. Zum eigentlichen Meisterorganisten wurde er in Basel durch den Unterricht beim weltbekannten Organisten Guy Bovet. Nach einem vierjährigen Aufenthalt in Deutschland, wo er vor allem Kammermusik machte, kam der gebürtige Feldkircher zurück nach Vorarlberg und übernahm den Kirchenchor Altach, wo er nun auch wohnhaft ist. Im November 2011 kam der Frauenchor Altstätten dazu, im November 2012 dann der Kirchenchor Diepoldsau, wo er auch als Organist amtet.

Registrierung absolut wichtig

Die Orgel war schon bei den alten Griechen bekannt. Sie war ursprünglich ein höfisches, kein kirchliches Instrument. In Sion steht die älteste grosse Kirchenorgel der Welt, wie wir sie kennen. Sie wurde um 1400 gebaut.

Das spannende am Instrument Orgel findet Jürgen Natter vor allem die Registrierung, die mit den kleinen Klappen links und rechts von der Tastatur gemacht wird. Folglich also die Klangmöglichkeiten, die für ein Stück passend sind. Beim grossen Orgelkomponisten Johann Sebastian Bach zum Beispiel gibt es keine Vorgaben, er schreibt nicht, wie ein Stück zu klingen hat. Da muss der Organist die Instrumente aus der Zeit von Bach kennen, Quellen studieren, wie man das zu jener Zeit registriert hat. Ein sensibler Musiker findet selber Lösungen, wie man etwas klanglich realisiert. Die französische Schule allerdings schrieb früher alles vor, die deutsche gar nichts. Heutzutage verschwinden die Unterschiede. Leider, meint Jürgen Natter, die Vortragsweisen ähneln sich immer mehr.

Ein Stück für Orgelautomaten

Für das Konzert in Widnau hat der Organist zuerst zwei Stücke virtuoser Orgelmusik von Johann Sebastian Bach ausgesucht. Einen ganz besonderen Akzent legt er hernach auf die «Fantasie KV 608» von Wolfgang Amadeus Mozart. Dieser hat als erster die Orgel «die Königin aller Instrumente» genannt. Seine Orgelwerke sind allerdings nicht für die Orgel, sondern für die sogenannten Orgelautomaten geschrieben, die im Prinzip ganz grosse Drehorgeln sind, also nicht mit den Fingern gespielt werden mussten. Leider gibt es heute keine Exemplare mehr von diesen Automaten. Diese Stücke sind auf der Orgel sehr schwer zu spielen, da Mozart dabei nicht für Hände und Füsse komponiert hat, sondern eben für eine Art Maschine. Für den Organisten warten da ungeheure technische Schwierigkeiten.

Nach einem kurzen Zwischenspiel mit Franz Liszt's «Consolation» (Tröstung) steht am Schluss das Orgelstück «Nacht» von Michael Floredo, einem Freund von Jürgen Natter, der in Vorarlberg sehr bekannt ist. Für das im Jahre 2002 entstandene Werk hat der Schriftsteller Robert Schneider ein Gedicht geschrieben, das auf dem Programm abgedruckt sein wird.

«Johannes-Passion»

Für den Karfreitag 2015 studiert Jürgen Natter mit dem erweiterten Frauenchor Altstätten die «Johannes-Passion» von Johann Sebastian Bach ein. Seinen Chor hat er mit Leuten aus 27 Chören erweitert, wobei vor allem die Sänger des «Oratorienchors Wangen» aus Deutschland eine immense Verstärkung sind. Dieser Chor nennt sich «Rheintaler Bachchor».

Die «Johannes-Passion» wird in Altstätten und in Altach, Vorarlberg, aufgeführt.