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«Jo teenk, schnori mini Goofe aa»

Die Rheintaler sind bekannt dafür, so zu reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Ein leidenschaftlicher Zuhörer ist der Altstätter Christoph Mattle. Er hat eine ganze Reihe aufschlussreicher Texte zur Mundart verfasst, die ab heute in «Rheintaler» und «Volkszeitung» erscheinen.
Gert Bruderer

ALTSTÄTTEN/OBERRIET. Anstatt einen Roman zu lesen, kann Christoph Mattle sich auch in den Grammatikduden vertiefen – mit genauso viel Vergnügen. Für ihn, den früheren Chefredaktor der «Rheintalischen Volkszeitung» und heutigen Leiter des Amtes für Mittelschulen, hat Sprache zentrale Bedeutung. Kein Fremdwort, dessen Herkunft er ignorierte, keine Lautverschiebung, die nicht seine Aufmerksamkeit erregte! Wie die Sprachen sich entwickelt haben, wie die Menschen reden, faszinierte ihn bereits in jungen Jahren.

Schon Mattles Zeit als Gymnasiast in Einsiedeln war stark von Sprachen geprägt, Latein und Griechisch lernte er. Und viele Dialekte waren ihm vertraut. Von jedem Schüler wusste er sofort, woher er kam. An Mundart fand er sowieso Gefallen, und Wörter wie «Kopfwehgamelle» amüsieren ihn noch heute, lange nach der Zeit im Militär, wo man den Helm so nannte.

Verständlich reden

Blickt Christoph Mattle von seinem am Ruppen gelegenen Altstätter Zuhause hinab ins Tal, heisst dies (so ist ihm der Schnabel gewachsen): «Is Tal abi luga.» Er sieht dann hinaus nach Oberriet, seinen Heimatort. So wie die Menschen dort einst sprachen und zum Teil noch reden, ganz genau so redet Christoph Mattle nicht, denn einen tapfer 1:1 bewahrten Dialekt schätzen längst nicht alle.

Spräche er noch typisch oberrieterisch, ihm hörten viele gar nicht richtig zu. Er müsste zudem reichlich Übersetzungsarbeit leisten, denn die Leute würden ihn wohl häufig fragen, was denn dies und jenes nun schon wieder heisse.

«Ännerig schüa»

Andererseits haben so richtig schöne, kraftvolle Mundartausdrücke das Potenzial, sich zu einer Art Kultbegriff zu entwickeln. Oder als Modegag in der Gegend herumzukommen. Zahlreich sind sprachliche Kostbarkeiten wie «ännerig schüa»; so reden Diepoldsauer. Waschechte jedenfalls. Und Christoph Mattle freut sich, wenn er echte Mundart hört. Er ist ein Mundart-Fan, jedoch kein Mundart-Puritaner, kein Hardcore-Bewahrer.

Mattle nimmt es locker und beharrt auch nicht auf wissenschaftlich genehmigter Schreibweise. Vielmehr findet er: «Dass Mundart Regeln hat, schliesst gewisse Freiheiten nicht aus. Ich schreibe so, dass jeder es versteht.»

Mundart: Nichts Niederes

Dass Vorarlberger Politiker die Standardsprache dem Dialekt zum Teil vorziehen – sei es, weil sie das müssen, sei es, weil sie glauben, es zu müssen – findet Christoph Mattle schade. Jenseits des Rheins, hat er festgestellt, wird Mundart, anders als bei uns, manchmal als «etwas Niederes» empfunden. Hierzulande gebe es dafür Politiker, die ihre Mundart «fast schon zelebrieren». Auch inhaltlich seien die Unterschiede dies- und jenseits des Rheins durchaus beachtlich. Schon im nahen Mäder oder Altach werde das Gleiche ganz anders genannt.

Mundart als Flucht

Christoph Mattle selbst spricht so, dass die St. Galler jedenfalls noch merken: Hier ist einer aus dem Rheintal. Seiner Gattin, der Altstätter Stadträtin Margrit Mattle, hört das langjährige Mitglied des Vereins Schweizerdeutsch sehr gern beim Switchen zu – zwischen Diepoldsauer und St. Galler Mundart.

Und wie steht's mit Mattles Kindern, die bereits erwachsen sind? «Jo teenk, schnori mini Goofe aa, wenns falsch redid», scherzt Christoph Mattle und hat so einen beispielhaften Mundartsatz gebildet.

Dass es aber, ernsthaft, junge Menschen gebe, denen Mundart auch als Flucht vor der Rechtschreibung diene – das wiederum sei eine andere, nicht ganz so lustige Geschichte. rheintal 3

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