«Jiddisch hat stets einen Quetsch»

Einen Einblick in die jiddische Musik und Kultur boten am Samstagabend die Foolish Freylach Klezmerband und Batja Guggenheim bei der Neujahrsbegrüssung der evangelischen Kirchgemeinde Balgach.

Andrea Plüss
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Die Foolish Freylach Klezmerband präsentierte ihr reiches und vielseitiges Repertoire an jiddischer Musik. (Bild: Andrea Plüss)

Die Foolish Freylach Klezmerband präsentierte ihr reiches und vielseitiges Repertoire an jiddischer Musik. (Bild: Andrea Plüss)

BALGACH. Über die Jahre hinweg hat sich die von der evangelischen Kirchgemeinde veranstaltete Neujahrsbegrüssung zu einem sehr beliebten und stets gut besuchten Kulturanlass entwickelt. «Wir planen die Veranstaltung etwa ein Jahr im Voraus», so Pfarrer Jakob Bösch, «denn wir möchten unseren Gästen etwas Spezielles bieten.» Dem öffentlichen Unterhaltungsteil am Samstagabend geht ein interner Anlass voraus, bei dem der Dank der Kirchenvorsteherschaft an die Mitarbeiter im Vordergrund steht.

Seit 20 Jahren dabei

Für ihre 20-jährige Mitarbeit in der Bibliothek sprach Werner Krüsi Susanne Rohrbach seinen besonderen Dank aus. Mit «viel Engagement und Enthusiasmus» habe sich die heutige Leiterin für die Belange der Bibliothek eingesetzt, so der Präsident der Kirchenvorsteherschaft. Jährlich werden 20 000 Buch-Ausleihen getätigt, zusätzlich rund 6000 digitale Datenträger und Spiele ausgeliehen. Alle Bibliotheksmitarbeiter zusammen leisten in etwa 2000 Stunden Arbeit pro Jahr.

Musikalische Vielseitigkeit

Die Foolish Freylach Klezmerband mit Anita Moser (Klarinette), Eleonora Steinmann (Violine), Lissa Prim (Akkordeon) sowie Christine Lenggenhager am Kontrabass lud ein zu einer musikalischen Reise durch die jiddische Musik, wie sie – früher vor allem in Osteuropa – bei Festen und Hochzeiten gespielt wurde und sich auch heute grosser Beliebtheit erfreut. Durch Variationen in Melodie und Rhythmus kann die Klezmermusik sowohl traurig-sentimental als auch ausgelassen sein. Nach einem verhaltenen, eher tragenden Stück zu Beginn steigerten sich die Musikerinnen im Laufe des Abends über stimmungsvoll-melodiöse Darbietungen bis hin zum ausgelassenen Hochzeitstanz-Lied. Die zunehmende Dynamik inspirierte das Publikum zum Mitklatschen; der Funke war übergesprungen.

Zwischen den Musikstücken vermittelte Batja Guggenheim in sehr gelungener Art und Weise Wissenswertes über die jiddische Kultur und Sprache. Jiddisch vereint überwiegend slawische und hebräische Elemente und wird üblicherweise in hebräischen Schriftzeichen geschrieben. «Im Jiddischen zeigt sich die Wanderschaft des Volkes», so Batja Guggenheim.

Von Spanien über Frankreich und Deutschland waren Juden im Mittelalter nach Polen und Russland gezogen. «Jedes Land hat sprachlich etwas hinterlassen, aber erst in Osteuropa bildete sich eine jiddische Sprache heraus», erklärte Batja Guggenheim.

In den Bann gezogen

Obwohl sie nach eigenem Bekunden noch nie jiddische Texte vor Publikum vorgetragen hat, zog sie das Publikum durch die Auswahl der Texte sowie ihren amüsant einfühlenden Vortragsstil in ihren Bann.

Zum Jiddischen gehöre Traurigkeit und Melancholie ebenso wie Sehnsucht, Witz und Galgenhumor. Dazu habe das Jiddische «immer einen Quetsch»: Das «oi» ist zum Beispiel in vielen Variationen Ausdruck für Freude, Überraschung oder Klage.

Batja Guggenheim, die mit ihrem Mann 20 Jahre in Israel gelebt hat und als Dozentin der Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Rorschach lehrte, beeindruckte unter anderem mit einem Gedicht von Itzig Manger (auf Jiddisch) und der Geschichte über das jüdische Purimfest von Bella Chagall (auf Deutsch).

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