Jetzt übernimmt sie die Kontrolle

Paloma Würth ist bekannt als Schlagersängerin und Moderatorin. Vor einer Weile ist es aber musikalisch stiller um sie geworden. Nun ist Paloma zurück – mit selbst produzierten Songs in neuem Stil und ohne Erfolgsproduzent Ralph Siegel.

Corina Tobler
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ALTENRHEIN. Es hat gedauert. Länger, als sie erwartet hatte. Drei Jahre lang trat Paloma zwar auf, veröffentlichte aber keine neuen Songs. «Ich brauchte Zeit, mich zu entwickeln. Es gab Leute, die nach neuer Musik fragten, aber ich wollte mich nicht unter Druck setzen lassen. Ich war oft im Studio und habe Neues ausprobiert. Nun habe ich meinen Stil gefunden», sagt die 33-jährige Altenrheinerin.

Das erste Müsterchen dieses neuen Stils heisst «Toujours là» und feierte unlängst im «ZDF-Fernsehgarten» Premiere. Im Vergleich zu früher sei ihre Musik moderner und poppiger geworden, zudem habe es ihr die französische Sprache angetan. «Sie passt gut zu mir und meiner Stimme, deshalb kombiniere ich sie im Song mit Deutsch.» Völlig anders als früher klingt die «neue» Paloma aber nicht, ihre Musik ist nach wie vor nahe beim Schlager. «Mir ist wichtig, dass ich mich mit den Liedern identifizieren kann. Ob man sie dem Schlager oder dem Pop zuordnet, spielt für mich persönlich keine Rolle.» Wichtig sind diese Kategorisierungen hingegen für Radiostationen. Dessen ist sich Paloma bewusst. Sie hofft, mit poppigerem Sound auch bei Sendern eine Chance zu bekommen, die keine Schlager spielen.

Dem Bauchgefühl gefolgt

Ihre neue Musik liegt ihr besonders am Herzen, denn erstmals singt sie nicht nur, sondern ist auch ihre eigene Produzentin. Dies, obwohl sie beim deutschen Erfolgsproduzenten Ralph Siegel unter Vertrag war und dies auch hätte bleiben können. «Viele sagten mir, ich sei wahnsinnig, Siegel zu verlassen. Aber mein Bauchgefühl drängte mich zur Trennung. Bei ihm wäre es kaum möglich gewesen, mich stilistisch zu verändern», sagt Paloma. Sie betont, dass sie nach wie vor ein gutes Verhältnis zu Siegel habe. Aber dank ihres Alleingangs könne sie mit Songwritern ihrer Wahl zusammenarbeiten. Dazu gehören Tom Albrecht, der schon für Roger Cicero geschrieben hat, und Tobias Künzel, Frontmann der Prinzen. Letzterer brachte sie gar dazu, sich selbst ans Songschreiben zu wagen.

«Ich überliess das Schreiben immer den Profis. Doch als ich für einen Moderations-Auftrag Tobias interviewte, wollte er mir Demos schicken und schlug vor, gemeinsam zu schreiben. Er warnte, er würde sich weigern, für mich zu schreiben, wenn ich nicht mitmache», erzählt sie schmunzelnd. Paloma verwarf ihre Zweifel und reiste zweimal zu Künzel nach London. Er komponierte, sie textete mit ihm – mit Erfolg. Ob ihr Publikum die so entstandenen Songs zu hören bekommt, steht noch nicht fest. Ein Album folgt auf die digitale Veröffentlichung von «Toujours là» definitiv. «Ich habe die Songauswahl aber noch nicht getroffen. Zuerst gibt es eine weitere Single. Wichtig ist mir, dass das Album abwechslungsreich wird.»

«Ein Stein vom Herzen gefallen»

Bereits fertig ist das Musikvideo zu «Toujours là», bei dem Paloma auch die künstlerische Kontrolle hatte. «Eine spannende Erfahrung. Als Produzentin kann und muss man jedes Detail selbst entscheiden.» Offenbar hat sie dabei vieles richtig gemacht. Das Video wurde auf YouTube innert zwei Wochen über 1200mal angeklickt. «Dort und über Facebook habe ich nur positive Rückmeldungen erhalten. Ich bin total glücklich», sagt sie und strahlt. Die Chancen, dass Paloma mit neuer Musik an die früheren Erfolge anknüpfen kann, sind also gut. Ein Zustand, der für sie alles andere als selbstverständlich ist. «Ich habe viel riskiert. Deshalb ist mir schon ein kleiner Stein vom Herzen gefallen, als ich gemerkt habe, dass <Toujours là> gut ankommt.»

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