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Jesus und Lazarus – eine besondere Freundschaft

Aus christlicher Sicht
Reinhard Paulzen
Cicero sagte in Rom: «Wer die Freundschaft aus dem Leben verbannt, entfernt aus der Welt die Sonne.» (Bild: depositphotos /l_g0rZh)

Cicero sagte in Rom: «Wer die Freundschaft aus dem Leben verbannt, entfernt aus der Welt die Sonne.» (Bild: depositphotos /l_g0rZh)

«Dann liess Jesus sie stehen und ging aus der Stadt hinaus nach Bethanien, dort übernachtete er.»

Das wird gar nicht mehr mitgelesen bei der Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Beim Evangelisten Matthäus ging Jesus gleich nach dem Einzug in den Tempel, wo er die Händler und Geldwechsler hinaustrieb. Hier hörte man die gleichen Rufe wie vorher auf der Strasse: «Hosianna dem Sohn Davids!» So eng gehören hier der Einzug und die Tempelreinigung zusammen. «Hörst du, was sie rufen?» Jesus antwortete ihnen: «Ja, ich höre es. Habt ihr nie gelesen: Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge verschaffst du dir Lob?» Und er liess sie stehen und ging aus der Stadt hinaus nach Bethanien, dort übernachtete er.

Eine ganz alte Überlieferung weiss, dass Jesus in das Haus von Lazarus, Marta und Maria ging, mit denen er in einer besonders herzlichen Freundschaft verbunden war. Für Lazarus hatte Jesus früher seine Tränen vergossen. Jetzt sind der Rummel und die Hektik in der Stadt nichts für Jesus. Er weiss, was ihm bevorsteht. Und da ist das Haus von Lazarus, Marta und Maria genau das Richtige für ihn. Hier kann er Kraft schöpfen für die grosse, schwere Aufgabe, die vor ihm liegt. Diese Freundschaft hilft ihm. Hier kann Jesus auftanken. Zwei Generationen vor ihm hatte in Rom Cicero gesagt: «Wer die Freundschaft aus dem Leben verbannt, entfernt aus der Welt die Sonne.»

Über die Ostertage nutzen auch viele von uns die Chance, alte Freundschaften zu pflegen. Es gibt Zeit, um in Ruhe zusammen zu sein, gemeinsam zu erzählen, zu essen und zu trinken oder beim Spielen oder Wandern die Freundschaft aufzufrischen. Die Freundschaft ist etwas sehr Kostbares. Kurt Tucholsky hat gesagt: «Freundschaft – das ist wie Heimat.» So ist es verständlich, dass Jesus nach Bethanien ging.

Dorothee Sölle schrieb 1979 im Gedicht «lob der freundschaft»:

«und was

tut david ohne jonathan

und karl marx ohne engels

und maria ohne elisabeth

und che guevara ohne fidel

und jesus ohne johannes

und dietrich ohne eberhard

und was

wird aus uns allen

ohne bob und sydney brown

freundschaft ist

verfügbar sein und verfügen

reden können und

nicht reden müssen

fragen können und

nicht verzweifeln wenn keine

antwort kommt»

Bei Ignatius von Loyola heisst es immer wieder: «Und dann mit Jesus ein Gespräch führen wie mit einem Freund.»

«Mit Jesus reden wie mit einem Freund.»

Auch das ist eine Chance und eine Einladung, an die uns Jesus in Bethanien erinnern kann. Die Freundschaft hat ihm gut getan nach dem Rummel und der Hektik in Jerusalem.

Reinhard Paulzen

Pfarreibeauftragter in Heerbrugg

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