Jesus und das liebe Geld

Aus christlicher Sicht

Ramona Casanova-Baumgartner
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Manche Menschen, denen es wirtschaftlich gut geht, führen ihren Besitz auf Gott zurück. (Bild: depositphotos/ mangostock)

Manche Menschen, denen es wirtschaftlich gut geht, führen ihren Besitz auf Gott zurück. (Bild: depositphotos/ mangostock)

Seit bald 2000 Jahren hält sich hartnäckig die Auffassung, dass Jesus ein streitbarer Gegner sämtlicher Arten von Besitz gewesen ist. Diejenigen, die etwas gespart und auf die Seite gelegt haben, hätten dann nicht mehr viel zu lachen. Damit würde mehr oder weniger die gesamte westliche Welt für Gott nicht von Interesse sein respektive auf der Anklagebank sitzen. Denn in unserem Land liegt das Geld. Wir besitzen viel. Wir gehören zu «den Reichen».

Doch war es nicht Jesus, der bei der Hochzeit in Kana fröhlich mitfeierte, noch mehr Wein auf dem Fest besorgte und sich dem feudalen Saus und Braus hingab? War es nicht Jesus, der sich von anderen Menschen mit wertvollem Öl die Füsse salben liess?

Ein Trend geht immer mehr in die Richtung, dass Menschen, denen es wirtschaftlich und finanziell gut geht, ihren Besitz auf Gott zurückführen. Sie ziehen den Schluss, Reichtum mit dem Segen Gottes gleichzusetzen. Wer es gut hat, der ist von Gott gesegnet. Zugleich gläubig und reich zu sein wird angestrebt – und das ohne schlechtes Ge­wissen.

Auf das Wohl der Armen bräuchte man dann nicht so bedacht zu sein, denn Gott weiss wohl, aus welchen Gründen sie nicht gleichermassen gesegnet sind wie Normal- oder gar Spitzenverdiener. Eine solche Grundhaltung zu Geld und Glaube führt dazu, dass die Gegensätze zwischen Reich und Arm in einer Gesellschaft immer absurder werden.

Ich meine, dass wir vor Gott alle sowohl reich als auch arm sind – wobei es aber keineswegs einzig um das dicke Portemonnaie bzw. den Kontostand geht. So wie uns in der Bibel über Jesus berichtet wird, ist er bestimmt keiner, der es gutgeheissen hätte, wenn Menschen ihren Reichtum skrupellos den Armen unter die Nase reiben würden.

Allerdings weist Jesus materiell Arme, die kein bisschen bereit sind, von ihrer Liebe, ihrer Zeit und ihrer Weisheit weiterzuschenken ebenso zurecht wie materiell Reiche, die zwar Weltmeister sind im Spenden, aber nirgendwo mit dem Herzen dabei sind.

Denn der biblische Grundsatz lautet: «Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.» Ist also das Herz nur bei der neuen Ferienwohnung, dem neuen Töff oder dem neuen Handy, dann sind das arme Reiche. Wird aber der eigene Schatz in Dingen wie Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Hilfsbereitschaft oder Hingabe gesucht – ist nicht das der unfassbar grosse Reichtum?

Ramona Casanova-Baumgartner

Pastoralassistentin in Rebstein