Jesus, das Lamm Gottes

Jesus Christus ins Zentrum des Glaubens zu stellen, ist für Christen eine Selbstverständlichkeit. Fegen Wogen der Zeit oder der gesellschaftlichen Veränderungen über die Glaubenslandschaft hinweg, sorgt der Blick auf ihn für Ruhe und Festigkeit.

Carsten Wolfers, Diakon In Widnau
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Das Osterlamm kommt oft als feiner Kuchen auf den Tisch. Wir essen ihn, aber schlucken die Erinnerung an Jesus Christus als Lamm Gottes schnell hinunter. (Bild: Shutterstock)

Das Osterlamm kommt oft als feiner Kuchen auf den Tisch. Wir essen ihn, aber schlucken die Erinnerung an Jesus Christus als Lamm Gottes schnell hinunter. (Bild: Shutterstock)

Jesus Christus ins Zentrum des Glaubens zu stellen, ist für Christen eine Selbstverständlichkeit. Fegen Wogen der Zeit oder der gesellschaftlichen Veränderungen über die Glaubenslandschaft hinweg, sorgt der Blick auf ihn für Ruhe und Festigkeit. Ringen die Kirchen um den rechten Kurs, wenn die Mannschaft sich nicht einigen kann oder Kapitän weder Karte noch Sterne versteht, dann ist die Orientierung an Jesus Christus gleichsam der Kompass, der den Weg weist. Diese spirituelle Neuausrichtung auf Jesus hin ist ein Schatz, der immer wieder neu gehoben werden will.

Welcher Jesus darf es sein?

Dass Jesus Christus in die Mitte des Christentums gehört, ist nicht strittig. Wohl aber ringt man wieder stärker darum, welcher Blick auf ihn richtig ist. Eine Reihe von Büchern diskutiert momentan, welches Bild von Jesus wir uns machen, und darin zeichnet sich ein Trend ab, dass Jesus als netter Bart- und Sandalenträger ausgedient hat (H. Wilmer). Es geht weniger darum, dass Jesus in kein Schema passen will und trotzdem ganz in der religiösen Tradition seiner Zeit stand, sondern er eben nicht nur dieser orientalische Pazifist sein kann, der auch heute noch mein Freund sein will (E. M. Magnis). Jesus ist zu lange verharmlost worden als sympathischer, wortmächtiger, begabter Charismatiker (G. Lohfink).

Osterlamm und Sündenbock

Karfreitag und Ostern sprechen anders von Jesus Christus. Das Osterlamm, das in manchen Ländern als feiner Kuchen zum Ostermorgen auf den Tisch kommt, ist ein gutes Beispiel für diese Verharmlosung Jesu. Wir essen den feinen Kuchen, aber schlucken die Erinnerung an Jesus Christus als Lamm Gottes schnell hinunter. Dass dieser Jesus aber als Opferlamm und Sündenbock seinen Tod in Kauf genommen hat, gehört dazu. Dass in Christus ein Gott die Schuld auf sich selbst nimmt, um dem Menschen seine radikalste Liebe und Hingabe zu zeigen, führt zum Kern des österlichen Glaubens. Von ihm als Lamm Gottes zu sprechen, tönt nicht nett.

Ich schätze Jesu Freundlichkeit und Brüderlichkeit. Ich bewundere seine Menschlichkeit, und gerade darum sehe ich gerne auf das Wunder seiner Göttlichkeit, die mir am Ostersonntag wieder klarer wird.

Und ich stehe voller Ehrfurcht vor ihm als dem Lamm Gottes, das so viel für den Menschen eingesetzt hat, um so viel an Leben für uns zu gewinnen. Als ein solches Osterlamm steht er mitten im Zentrum des christlichen Glaubens.

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