Jeder soll gerechten Beitrag zahlen

Wenn unser Chauffeur meine Frau und mich im Bentley zum Konzert fährt, spielt es doch keine Rolle, wenn die Fahrt drei viertel Stunden dauert.

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Wenn unser Chauffeur meine Frau und mich im Bentley zum Konzert fährt, spielt es doch keine Rolle, wenn die Fahrt drei viertel Stunden dauert. In dieser Zeit kommt man nämlich in der Schweiz vom hintersten Krachen in eine Stadt, die vielfältige Möglichkeiten für Kultur, Bildung, Vergnügen und Einkauf bietet. Wenn ich also in diesem abgelegenen Ort viel weniger Steuern bezahlen muss, benütze ich doch diese Gelegenheit, denn ich brauche, im Gegensatz zur normalen Landbevölkerung, auf nichts zu verzichten,

nicht zuletzt dank besten Strassen, die von den Steuerzahlern gebaut und unterhalten werden. Dieses Beispiel zeigt doch klar: Die Schweiz ist zu klein für einen ungebremsten Steuerwettbewerb. Da gibt es einfach zu viele Verlierer. Dazu gehören vor allem jene Kantone und Städte, die mit grossem Aufwand all das anbieten, was die Lebensqualität und die Lebensmöglichkeiten ihrer Bewohnerinnen und Bewohner verbessert, also auch der Kanton St. Gallen.

Zu den Verlierern gehört aber auch die Bevölkerung jener Landkantone, die mit Steuerdumping Superreiche anziehen. Diese Kantone sind nämlich so klein, dass guter Boden bald rar wird, die Bodenpreise also so steigen, so dass man kaum mehr eine Wohnung zu erschwinglichen Preisen findet. Wirkliche Gewinner sind eigentlich nur die Reichen, nach dem Motto: «Wer hat, dem wird gegeben».

Hier hakt nun die Steuergerechtigkeitsinitiative der SP ein. Der Steuerwettbewerb soll nicht abgeschafft, aber etwas gebremst und in ordentliche Bahnen gelenkt werden. Ich bin überzeugt, dass alle davon profitieren, ganz besonders aber auch die Bevölkerung des Kantons St. Gallen. Es ist mir daher völlig unverständlich, dass sich sogar Regierungsräte gegen die Initiative aussprechen und Halbwahrheiten verbreiten, wie etwa, dass die Reichen unser Land verlassen würden.

Die Lebensqualität ist hier so gross, dass es jenem, der hat, nicht auf ein paar Franken auf oder ab ankommt, wenn er überall etwa gleich viel bezahlen muss. Das – und nur das – bewirkt die Steuergerechtigkeitsinitiative, nämlich dass die Reichen an jedem Ort der Schweiz einen gerechten Beitrag an die öffentlichen Kosten zu leisten haben. Darum braucht es ein überzeugtes Ja dazu.

Franz Falk-Aufranc Rheineck

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