Ja zur Raiffeisen-Fusion – obwohl es in Berneck-Au Widerstand gab

Die Raiffeisen Berneck-Au und Unteres Rheintal können fusionieren. Umstrittener als die Fusion war die neue Kreditvergabe-Möglichkeit.

Gert Bruderer
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Der Verwaltungsrat der neuen, fusionierten Bank mit dem Namen Raiffeisenbank Unteres Rheintal Genossenschaft: (von links) Marcel Giger, Nicole Christen, Jürg Baumann, Christian Jakob (VR-Präsident), Markus Hitz (Vizepräsident), Stephan Fässler und Urs Züst.

Der Verwaltungsrat der neuen, fusionierten Bank mit dem Namen Raiffeisenbank Unteres Rheintal Genossenschaft: (von links) Marcel Giger, Nicole Christen, Jürg Baumann, Christian Jakob (VR-Präsident), Markus Hitz (Vizepräsident), Stephan Fässler und Urs Züst.

Gert Bruderer

Vor allem in Berneck-Au hatte der Zusammenschluss Widerstand hervorgerufen. Ein Grund war die teilweise vertretene Meinung, Raiffeisen Berneck-Au sollte sich bei einer Fusion eher in Richtung Widnau orientieren. Damit Berneck-Au (Bilanzsumme: 332,48 Mio.) und Unteres Rheintal (596,1 Mio.) in einer neuen Raiffeisenbank mit dem Namen Raiffeisen Unteres Rheintal Genossenschaft aufgehen können, war eine Zweidrittels-Mehrheit nötig.

Ja-Stimmenanteil von 85 und knapp 89 Prozent

Abgestimmt wurde brieflich, wegen Corona. Am Montag,
11. Mai, wurden die Stimmen gezählt. Sowohl die Raiffeisenbank Berneck-Au als auch die Raiffeisenbank Unteres Rheintal erledigte diese Aufgabe – natürlich getrennt voneinander – in der Rheinau-Halle in St. Margrethen.

Während an einer Generalversammlung jeweils knapp tausend Genossenschafter teilnehmen, lag die Stimmbeteiligung nun deutlich höher. Von den rund 3600 Genossenschaftern der Raiffeisenbank Berneck-Au gaben 1366 ihre Stimme ab. Zur Fusion sagten 1150 Stimmberechtigte Ja, 202 lehnten sie ab. Die Zustimmungsrate von 85 Prozent liegt deutlich über der nötigen Zweidrittels-Mehrheit.

Die Genossenschafter der Raiffeisenbank Unteres Rheintal stimmten noch deutlicher zu, mit einem Ja-Stimmenanteil von knapp 89 Prozent. Von den gut 5000 Genossenschaftern gaben 1372 ihre Stimme ab: 1190 sagten Ja zur Fusion, 154 stimmten dagegen.

Markus Hitz: «Sehr grosser Vertrauensbeweis»

Markus Hitz, Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Berneck-Au, wertet das klare Ja als grossen Vertrauensbeweis und ist sehr froh und dankbar. Er hatte sich von Anfang an für den Fusionspartner im unteren Rheintal ausgesprochen.

Auch sein St.Margrether Amtskollege Christian Jakob freut sich, dass sich «die rationale Komponente gegenüber der emotionalen» durchgesetzt hat, was gut sei für die Bank. Die Mitarbeitenden beider Banken hätten schon seit einem Jahr sehr eng zusammen und auf die nun vollzogene Fusion hingewirkt.

Umstrittener als die Fusion war eine von insgesamt vier Statutenänderungen (die bei allen Raiffeisenbanken der Schweiz zur Abstimmung gelangen). Raiffeisen möchte zugunsten der Konkurrenzfähigkeit bei der Kreditvergabe mehr Spielraum haben. Die Bezeichnung «Blankokreditkonzept» hält Christian Jakob allerdings für etwas unglücklich gewählt, weil sie einen falschen Eindruck erwecken könne. Auch künftig solle jede Kreditvergabe natürlich sehr seriös geprüft werden.

Der Ja-Stimmenanteil zu diesem Geschäft beträgt denn auch «nur» knapp 77 Prozent, was ziemlich genau dem Bernecker Resultat entspricht. Nach Jakobs Einschätzung wäre an einer Generalversammlung ein besseres Ergebnis erzielt worden, weil dort ausführlich hätte erklärt werden können, was die Statutenänderung genau bedeute.

Die Strategie bestimmt ein siebenköpfiger VR

Sehr gross war die Zustimmung bei allen ordentlichen Traktanden. Die Jahresrechnung, die Verzinsung der Anteilsscheine mit 6 Prozent sowie die Entlastung der Organe erreichten Zustimmungsraten zwischen gut 97 und nahezu 100 Prozent. Die Stimmenzählung durch die beiden Banken erfolgte im Beisein je eines Notars, ausserdem war mit Ivo Steiner ein erfahrener Mitarbeiter von Raiffeisen Schweiz zugegen, damit formal-juristisch alles korrekt ablief.

Gegen Abend erfolgte dann die sogenannte Erwahrungssitzung jeder Bank – also die rechtliche Feststellung der Resultate.

Gleich anschliessend fand die konstituierende Sitzung der neuen (rückwirkend auf 1. Januar 2020 fusionierten) Raiffeisenbank Unteres Rheintal statt. Die ebenfalls brieflich gewählten Verwaltungsräte der neuen Bank sind: Christian Jakob, Präsident (seit 2008), Stephan Fässler, Rheineck (bisher Vize, seit 1999 im VR), Urs Züst, Walzenhausen (seit 2012), Nicole Christen, Thal (neu, für die ausgeschiedene Denise Tanner), Markus Hitz (neu Vizepräsident, bisher Präsident von Raiffeisen Berneck-Au seit 2004), Marcel Giger, Berneck (seit 2006) und Jürg Baumann, Au (seit 1994).

Der bisherige Verwaltungsrat Werner Küttel scheidet aus.
Die neue Bankleitung bilden der Vorsitzende Oswald Wetli, Reto Zellweger und Urs Seitz.

Alle Abstimmungsresultate werden im Laufe des 12. Mai auf den Webseiten von Raiffeisen Berneck-Au und Raiffeisen Unteres Rheintal aufgeschaltet.