Ja zum Lift – leicht abgespeckt

REBSTEIN. Die katholischen Kirchbürger von Rebstein sprachen sich gestern nach längerer Diskussion deutlich für den Einbau eines Lifts in die Burg aus. Sie speckten das Projekt aber auch um den Fahrweg zum Lift ab.

Max Tinner
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Die Meinungen waren geteilt: Peter Lüchinger sprach sich mit anderen Kirchbürgern gegen den Lift-Einbau in die Burg aus. Eine knappe Zweidrittelmehrheit stimmte dann aber trotz der kritisierten Kosten dafür. (Bild: Max Tinner)

Die Meinungen waren geteilt: Peter Lüchinger sprach sich mit anderen Kirchbürgern gegen den Lift-Einbau in die Burg aus. Eine knappe Zweidrittelmehrheit stimmte dann aber trotz der kritisierten Kosten dafür. (Bild: Max Tinner)

Mit 60 Ja zu 33 Nein stimmte gestern eine deutliche Mehrheit von 109 anwesenden Kirchbürgern für den Einbau eines Lifts in die Burg. Das Projekt des Widnauer Architekturbüros CCLA Carnier Carnier Loher Architekten («Rheintaler» und «Volkszeitung» vom Dienstag, 19. März) hat sie überzeugt. Das Äussere des historischen, denkmalgeschützten Gebäudes wird kaum verändert. Trotzdem werden alle drei Obergeschosse für Gehbehinderte zugänglich. Die beiden anderen im Projektwettbewerb eingereichten Vorschläge boten nach Ansicht von Fachjury und Kirchenverwaltung bei höheren Kosten weniger Nutzen.

«Auch dieses Projekt kostet aber etwas», stellte Kirchenverwaltungsratspräsident Kurt Sieber fest. 620 000 Franken beantragte die Kirchenverwaltung – zu amortisieren während elf Jahren, für die der Steuerfuss um 2% angehoben wird.

«Eine clevere Idee»

Manch einem Kirchbürger schien dies zu viel. Hans Köppel hat darum eigene Überlegungen angestellt, wie sich das Projekt abspecken liesse. In einem Antrag stellte er die Kirchbürger vor die Wahl, vorderhand auf den neuen Durchgang zum Pfarrsaal zu verzichten. Für diesen soll die Küche verkleinert werden, die heute ohnehin grösser ist, als man sie braucht. Köppel hält dies zwar für eine «clevere Idee», ist aber der Ansicht, man würde dies besser zurückstellen, bis man einmal die Küche renovieren muss. Ausserdem würde er den heutigen Zugang zum Pfarrsaal, der durch ein museumsähnlich eingerichtetes Zimmer führt vermissen: «Es ist für mich etwas vom Schönsten, dort hindurch zu gehen», meinte er. Der Antrag wurde mit 53 Nein-Stimmen verworfen. 44 Kirchbürger waren dafür.

Nur Gehweg statt Fahrweg

Weiter stellte Köppel den Fahrweg vom Burghof zum Liftzugang zur Diskussion. «Ein stufenloser Gehweg würde genügen», meinte er. Dieser Ansicht war auch eine knappe Mehrheit: Mit 43 Ja zu 40 Nein wurde ein entsprechender zweiter Antrag Köppels angenommen. Damit kann auf einen Teil der Geländeanpassungen hinter der Burg verzichtet werden, im Besonderen auf Steinkörbe. Der Spareffekt hält sich allerdings in Grenzen. Kurt Sieber geht davon aus, dass das Projekt nun statt der 620 000 Franken auf noch etwa 600 000 Franken zu stehen kommen wird. Manche Kirchbürger hätten freilich am liebsten ganz auf das Projekt verzichtet. Die Kirchenverwaltung solle mit dem Geld arbeiten, das man zur Verfügung habe, stellte sich Peter Lüchinger gegen die Erhebung der Sondersteuer für den Lift-Bau, «neue Fenster wären nötiger.»

«In andere Säle gehen»

«Wir haben schon die Kirche für 1,3 Mio. Franken renoviert und den Burgkeller für 220 000 Franken ausgebaut», sagte Roman Gruber, «ein Lift an der Burg ist zwar wünschenswert, aber wir können ihn uns nicht mehr leisten.» Stattdessen, so schlug er vor, könnte man in andere, für Gehbehinderte besser zugängliche Räume ausweichen: ins evangelische Kirchgemeindehaus, in den Gemeinschaftsraum der Alterswohnungen, in den «Traube»-Saal, in die Progyhalle oder in den grossen Saal im «ri.nova impulszentrum». «Nur wenige werden den Lift tatsächlich nutzen», bat auch Burg-Hauswart Xaver Keel bei der Kosten-Nutzen-Abwägung zu bedenken.

Monika Boehrer, Präsidentin des Katholischen Frauenvereins und des Initiativkomitees, welches den Lift gefordert hat, widersprach: «Wir können die Leute nach dem Gottesdienst nicht einfach woanders hinschicken.» Das Projekt gehe zwar über die Forderungen des Initiativkomitees hinaus, das Komitee erachte es aber als zukunftsgerichtet und befürworte es. «Damit sich künftige Investitionen lohnen, müssen wir Ja sagen», ermunterte auch Paul Kleiner. «Endlich können wir Nägel mit Köpfen machen», erinnerte Martin Kühnis daran, dass man schon seit Jahrzehnten nach einer solchen Lösung verlangt hat.

Pfarrer Albert Wicki bat schliesslich zu bedenken, dass jedermann in die Lage kommen könne, auf einen Lift angewiesen zu sein. Die Projektkosten seien zwar hoch – rechne man sie aber auf alle Kirchbürger auf, mache es nicht mehr so viel aus. Er betonte ausserdem den Nutzen, den ein für alle erreichbarer Pfarrsaal bietet: «Die Begegnungen machen das Leben aus.»

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