Ist Unfall fahrlässige Tötung?

Ein Maschinist muss sich wegen fahrlässiger Tötung vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht verantworten – weil er einen Auftrag seines Poliers ausgeführt hat.

Johannes Wey
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TROGEN. Ein Maschinist bekommt von seinem Polier den Auftrag, mit seinem Bohrbagger einen 2,5 Tonnen schweren Dieseltank umzuplatzieren. Zwei Kollegen wollen beim Absetzen der Ladung helfen. Doch die Maschine kippt um und trifft einen der Helfer. Der 48-jährige Deutsche ist auf der Stelle tot.

Maschine zweckentfremdet

Das Drama ereignete sich vor fünf Jahren auf einer Baustelle beim Bahnhof Wienacht-Tobel in der Gemeinde Lutzenberg. Morgen wird der Fall vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht in Trogen verhandelt. Die Anklage gegen den Maschinisten lautet auf fahrlässige Tötung. Dem heute 59-jährigen Schweizer wird vorgeworfen, die Baumaschine für den Transport zweckentfremdet zu haben, da diese nur für Bohrungen verwendet werden dürfe. Ausserdem habe er die Betriebsanleitung der Maschine nicht beachtet und dadurch seine Sorgfaltspflicht verletzt. Laut Staatsanwaltschaft hätte der Angeklagte berücksichtigen müssen, dass es sich beim Dieseltank um eine erhebliche Last handelt. Ausserdem stand die Maschine zum Zeitpunkt des Unfalls auf einer schrägen Fläche. Auch hier habe der Angeklagte entgegen der Bedienungsanleitung gehandelt und damit die Sicherheitshinweise des Herstellers verletzt.

«Zuverlässige Einschätzung»

Gerade der Umstand, dass sich zwei Mitarbeiter im unmittelbaren Gefahrenbereich der Maschine befunden haben, verlange vom Maschinisten eine «fundierte, absolut zuverlässige und sehr konservative Einschätzung der Standsicherheit», heisst es in der Anklageschrift.

Die Ausserrhoder Staatsanwaltschaft wird ihre Strafanträge während der Verhandlung stellen. Das Schweizerische Strafgesetzbuch sieht für fahrlässige Tötung eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.