INVESTITION: Die Kirche baut für vier Millionen Franken

Die Bürger haben den Neubau des evangelischen Kirchgemeindehauses in Thal deutlich angenommen. Mit dem Haus will die Kirche attraktiver werden und wieder mehr Mitglieder gewinnen.

Jolanda Riedener
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Der Zugang von der Tobelmülistrasse führt über den Begegnungsplatz. (Bild: Visualisierung: PD)

Der Zugang von der Tobelmülistrasse führt über den Begegnungsplatz. (Bild: Visualisierung: PD)

«Wir haben mit diesem Resultat gerechnet», freut sich Melanie Tobler Dudler, Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Thal-Lutzenberg, nach der aus­serordentlichen Kirchgemeindeversammlung vom Dienstag.

Eine Woche zuvor hatte die Kirchgemeinde bereits zu einer Versammlung eingeladen. Dort habe es angeregte Diskussionen gegeben, und die gute Stimmung habe ihr bereits verraten, dass den Neubau viele befürworten.

So sprach sich die Mehrheit der 109 Anwesenden am Dienstag für die Realisierung des neuen Kirchgemeindehauses aus. Es gab nur wenige Gegenstimmen. Im Vorfeld der Abstimmung spricht der Votant Walter Würzer seine Bedenken zum Projekt aus: Man habe die Kirchgemeinde mit finanziellen Reserven von den Vorfahren übernommen. Heute sei die Gemeinde hingegen blank und verfüge kaum mehr über wirtschaftliche Vermögenswerte. Die Einnahmen aus den Kirchensteuern würden längerfristig kaum reichen, da die Zahl der Konfessionslosen auf Kosten der evangelischen Gemeinde stetig steige. Ausserdem hätte man das bestehende Kirchgemein­dehaus schon viel früher renovieren ­sollen.

Finanzierungslage ist derzeit aus­serordentlich gut

Man behalte die Mitgliederzahlen im Auge, versichert die Präsidentin. «Mit dem neuen Gebäude können wir unsere Attrakti­vität steigern und wieder neue Mitglieder gewinnen», ist Tobler überzeugt. Die Vergangenheit ändern könne man aber nicht mehr: «Machen wir jetzt Nägel mit Köpfen», sagt Tobler. «Die Finanzierungslage ist derzeit aus­serordentlich gut. Geben wir das Tafelsilber her, statt es zu horten», ergänzt Kassier Rolf Wilhelm. Vier Millionen Franken soll der Neubau kosten. Durch den Verkauf des Pfarrhauses Buechen, dem die Kirchbürger bereits 2012 zugestimmt hatten, wird ein Gewinn von 1,2 Millionen Franken erwartet. 200000 Franken seien ausserdem bereits der Jahresrechnung 2016 belastet worden. Verbleiben heute noch 2,6 Millionen Franken, die für das Kirchgemeindehaus zu tragen sind. Während der kommenden zehn Jahre sollen deshalb jährlich 260000 Franken abgeschrieben werden. Bis und mit 2019 sollen die Abschreibungen dem Finanzausgleich zugerechnet werden können, eine Erhöhung des Steuerfusses sei deshalb nicht nötig.

Bistro, Büros und Begegnungszone

Das Kirchgemeindehaus wird nahe an die Westgrenze des Grundstücks, an die Tobelmüli­strasse in Thal gebaut. Somit würden grosszügige Aussenräume entstehen: ein Begegnungsplatz mit Parkplätzen, die an die Tobelmülistrasse angrenzen, sowie eine Parkanlage samt Kinderspielplatz mit Wiese und Bäumen. Das Gebäude soll zu diesen Aussenräumen hin offen gehalten werden.

Dies wird durch grosszügige Glasfenster und zwei Zugänge im Erdgeschoss zum Bistro ermöglicht. Im Erdgeschoss wird ein Saal mit Bühne und 200 Sitzplätzen errichtet. Zwei Gruppenräume, das Bistro sowie Küchen und Toiletten werden ebenfalls im Erdgeschoss angesiedelt. Im Obergeschoss befinden sich Büros, im Untergeschoss Lager- und Technikräume.

Die Baukommission hat im Vorfeld ähnliche Objekte in der Ostschweiz besichtigt und entschieden, die Konstruktion aus Holz und Beton näher zu verfolgen. Entworfen hat das Kirch­gemeindehaus der Rheinecker Architekt Ernst Züst.

Jolanda Riedener