Informieren, beten und handeln

«Ströme in der Wüste» – so das Thema des Weltgebetstags der Frauen am Freitag, 7. März. Christliche Frauen aus Ägypten – dem Land am Nil – haben die Liturgie erarbeitet.

Monika von der Linden
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Farid Fadel heisst der Maler des Bildes. Es erinnert daran, wie wichtig für Ägypten sprudelndes Wasser in der Wüste ist. (Bild: pd)

Farid Fadel heisst der Maler des Bildes. Es erinnert daran, wie wichtig für Ägypten sprudelndes Wasser in der Wüste ist. (Bild: pd)

Informiertes Beten, betendes Handeln – und so die Not in der Welt lindern. Das ist das Anliegen der ökumenischen Bewegung christlicher Frauen auf der ganzen Welt. Ihre Geschichte geht auf das Jahr 1887 zurück. In der Schweiz wird der Weltgebetstag der Frauen seit fast acht Jahrzehnten gepflegt. Am ersten Freitag im März demonstrieren Gebetsgruppen in einem Gottesdienst weltweite Solidarität.

Sie äussert sich in drei Aspekten: Frauen singen und beten im Gottesdienst, vermitteln Informationen über ein Land und dessen Frauen, sammeln Spenden und unterstützen konkrete Hilfsprojekte für Frauen und Kinder.

In diesem Jahr haben christliche Frauen aus Ägypten die Liturgie vorbereitet. Sie stellen darin ihr Land vor und zeigen auf, wo Not herrscht und wie diese gelindert werden kann.

Auch in unserer Region befassen sich Gebetsgruppen mit der Liturgie und treffen sich zum Gottesdienst (Termine siehe Kasten). Ausdrücklich sind auch Männer und Kinder willkommen.

Vorbereitet werden die Feiern von ökumenischen Frauengruppen, die sich teilweise über Dorfgrenzen hinweg organisieren. Sie stützen sich dabei auf die Vorarbeit der ägyptischen Liturgiegruppe.

Würde, Brot und Freiheit für alle

Ägypten steht seit drei Jahren im Brennpunkt weltweiter Aufmerksamkeit. Nicht allein die 84,5 Millionen Ägypter und Ägypterinnen (UN 2010) bewegt, was seit dem 25. Januar 2011 auf dem Tahrir-Platz in Kairo und an vielen anderen Orten in Ägypten geschah – als Menschen Plätze und Strassen besetzten. Damals gingen Millionen auf die Strasse, um Würde, Brot und Freiheit für alle zu fordern. Was dort begann, ergoss sich wie eine Welle über die ganze Welt. Hoffnungen erwachten. Im Mai 2011, noch ganz in diesen Eindrücken verhaftet, setzten sich junge und ältere Vertreterinnen verschiedener ägyptischer Kirchen zusammen und gestalteten die Gebetstexte der Liturgie, die in mehr als 170 Ländern gefeiert wird. Dass der Durst nach Würde, Brot und Freiheit gestillt wird, lässt sich mit dem Traum von Wasserströmen in der Wüste versinnbildlichen. «Ströme in der Wüste» heisst das Thema, mit dem das internationale Weltgebetstagskomitee die Ägypterinnen beauftragte, die Liturgie zu schreiben. Selbstbewusst bringen sie ihr Traditionsbewusstsein in die Texte ein. Sie haben den Willen, etwas zum Guten zu verändern.

Rückschläge hingenommen

Informiert beten: Die Teilnahme an den Feiern eröffnet den Zugang zu Informationen aus authentischen Quellen über die Befindlichkeit der Frauen in Ägypten. Beten mit ihren Worten heisst auch, sich solidarisch zeigen mit ihren Gedanken.

Betend handeln, bedeutet, sich in Gebeten, Gedanken und Entscheidungen der Frauen in Ägypten und ihrer Situation als Christen zu erinnern und sie so zu unterstützen. Mit der Kollekte wird Frauen und Familien sichtbar geholfen, sowohl in Ägypten als auch in benachteiligten Regionen der ganzen Welt.

Heute ist vieles wieder anders als im Jahr 2011. Hoffnungen auf Gleichberechtigung der Frauen in der Gesellschaft, auf Demokratie und wirtschaftlichen Aufschwung wurden enttäuscht. Rückschläge mussten hingenommen werden. Aber die Erfahrung, dass gemeinsamer entschlossener Widerstand eine Veränderung bewirkt, sitzt tief und brennt unauslöschlich in den Herzen der Ägypterinnen und Ägypter.

Die Autorinnen regen an, in den jeweiligen Gottesdiensten, über Quellen «lebendigen» Wassers ins Gespräch zu kommen.