Rheineck
Infoanlass mit 50 Teilnehmenden aus Thal und Rheineck: Hochwasserschutz spaltet die Gemüter

Die Gemeinden Thal und Rheineck haben das überarbeitete Sanierungsprojekt Frei- und Gstaldenbach vorgestellt.

Pascal Keel
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Visualisierung des Geschiebeablagerungsplatzes Sefar.

Visualisierung des Geschiebeablagerungsplatzes Sefar.

Bild: PD

2002 verursachte ein Hochwasser in den beiden Gemeinden enorme Infrastrukturschäden und legte Hochwasserschutzdefizite offen. Ein erstes Sanierungsprojekt aus dem Jahr 2005 kam jedoch nie «zum Fliegen». Zu zahlreich waren die Einsprachen. Zu lautstark die Kritik. 2013 wurde das Projekt auf Eis gelegt. Nun wagen die Gemeinden den nächsten Anlauf. Am Infoanlass am Donnerstagabend haben sie das überarbeitete Hochwasserschutzprojekt Gstalden- und Freibach präsentiert. Die Veranstaltung im Bützel zählte gut 50 Teilnehmende.

Man habe schon mehrmals versucht, die Gefahr zu bän­digen, betont der Rheinecker Stadtpräsident Urs Müller. Die Hochwasserdefizite seien in den letzten 16 Jahren nicht einfach verschwunden – genauso wenig wie die Hochwassergefahren. Nun sei es an der Zeit zu handeln.

Wie bereits vor 19 Jahren verfügen die Ufersicherungen am Gstalden- und Freibach sowohl über hydraulische als auch ökologische Defizite, bestätigt Fachplaner Matthias Schär von der Bänziger Partner AG. Zudem bestehe bei einem Hochwasserereignis eine akute Gefahr auf Geschiebeablagerungen: «Im jetzigen Zustand würde es so­- gar bei einem 30-Jahr-Ereignis zu Überschwemmungen kommen.»

Spezialisten hätten zudem einen jährlichen Schadenerwartungswert von 1,9 Millionen Franken berechnet. Die beiden Gemeinden haben sich daher entschlossen, in einem ersten Schritt die drei wesentlichsten Teilprojekte anzugehen. So wird der Hochwasserschutz beim Gstaldenbach Höhe Hinterlochen und bei den Freibach-Abschnitten SBB-Brücke bis A1-Brücke und Sefar bis Gstaldenbach umfassend saniert.

Wie schon im ursprünglichen Projekt soll auf dem Areal Sefar zudem ein Geschiebeablagerungsplatz(GAP) erstellt werden. Dieser soll Geschiebeaufkommen bei einem Hochwasser neutralisieren. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 5,3 Millionen Franken.

Meinungen gehen auseinander

Hansruedi Zwingli, Präsident der lokalen Interessengemeinschaft für sinnvollen Wasserbau, findet, der GAP Sefar sei genauso unnötig, wie er es schon beim alten Projekt war: «Während meinen 40 Jahren hier habe ich noch nie eine nennenswerte Geschiebeablagerung festgestellt.»

Ein anderer Bürger findet das Projekt «genial». Der GAP sei nicht nur eine wasserbautechnische, sondern auch eine ökologische Aufwertung. Ein älterer Herr ist derweil besorgt, dass der falsche Bach saniert wird. Der Groppenbach, der beim Areal Sefar in den Freibach fliesst, hätte ein wesentlich höheres Gefahrenpotenzial, meint er. Marco Steiner, Projektleiter Wasserbau des Kantons St.Gallen, bestätigt, dass der Groppenbach tatsächlich Hochwasserdefizite aufweist. Nur habe es bei einem Vorstoss vor einigen Jahren auch dort unzählige Einsprachen gegeben, daher sei er für dieses Projekt nicht berücksichtigt worden.

Die Gemeinden haben ein öffentliches Mitwirkungsverfahren unter www.sanierungsprojekte-gstalden-freibach.ch eröffnet. Dieses dauert bis zum 28. November.