Industrie vor Hochwasser schützen

Der Werdenberger Binnenkanal (WBK) soll revitalisiert werden. Wie das geschehen könnte, erfuhren die betroffenen Grundeigentümer kürzlich. Ein Abschnitt des WBK liegt auf Altstätter Boden.

Kurt Latzer
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Ab unterhalb der Schleuse, der Verbindung zwischen dem Werdenberger und dem Rheintaler Binnenkanal, ist das Fliessgewässer im «Schluch» grossteils renaturiert. (Bild: Kurt Latzer)

Ab unterhalb der Schleuse, der Verbindung zwischen dem Werdenberger und dem Rheintaler Binnenkanal, ist das Fliessgewässer im «Schluch» grossteils renaturiert. (Bild: Kurt Latzer)

Verdorrte Pflanzenhalme, Gras und jede Menge Plastikabfälle: Wer dem Werdenberger Binnenkanal in Richtung Schleuse Schluch entlang spaziert und genauer hinschaut, sieht Spuren der letzten Hochwasser. Etwa 100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde betrug die Abflussmenge des Kanals bei den Hochwassern 2016 und 2017. Glaubt man der Sta­tistik, ist mit solchen Ereignis­- sen alle 20 Jahre zu rechnen. Bei einem Jahrhunderthochwasser rechnet man mit 120 Kubikmetern Wasser pro Sekunde. Dann stünde das Wasser an Teilen des Sennwalder Industriegebietes anderthalb Meter hoch.

Deshalb beseht, wie kürzlich an einer Infoveranstaltung in Sennwald gesagt, dringender Handlungsbedarf. Dominik Wäger, Mitarbeiter des Ingenieurbüros Gruner Wepf AG in Buchs, präsentierte eine Projektidee zum Hochwasserschutz am 3,2 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Gebiet Herbig und Schluch. Mit den Massnahmen wolle man die baulichen, hydraulischen und ökologischen Defizite des Werdenberger Binnenkanals beheben.

Auswirkung auf Rheintaler Binnenkanal gering

Der Werdenberger Binnenkanal – von der Mündung in den Rhein bis zur ersten Schleuse – heisst Schluch. Dieser Abschnitt liegt auf Lienzer Boden und damit auf dem Gebiet der Stadt Altstätten. Laut Dominik Wäger soll dem Hochwasserschutz möglichst wenig Kulturland zum Opfer fallen. Mit abgeflachten Böschungen, unterschiedlichen Sohlenbreiten, Tiefen und Fliessgeschwindigkeiten will man die Gewässerdynamik fördern und die Abflussmenge des Kanals erhöhen. Von den Hochwasserschutz-Massnahmen profitiere auch die Natur, zudem entstehe ein attraktiver Naherholungsraum.

«Der Schluch unterhalb der Schleuse bis zur Mündung in den Rhein bleibt unverändert, es sind dort keine Massnahmen geplant», sagt Andreas Broger, Stadtrat von Altstätten und Mitglied des WBK-Verwaltungsrates. Bei der Schleuse am Werdenberger Binnenkanal fliesst Wasser in den benachbarten Rheintaler Binnenkanal (RBK).

Weder Broger noch Wäger gehen davon aus, dass sich die Bauarbeiten zum Hochwasserschutz negativ auf den RBK auswirken. «Wir müssen allenfalls mit gelegentlichen Eintrübungen des Wassers rechnen, wie dies während der Renaturierung in Rüthi der Fall war», sagt Rolf Gächter, Präsident des Fischereivereins Rüthi.

Schluch grösstenteils schon renaturiert

Die Fachleute rechnen bei den Hochwasserschutz-Massnahmen am WBK mit einer Planungszeit von vier bis fünf Jahren. Nächster Schritt ist die Erarbeitung eines Vorprojekts inklusive Gewässerraumplan. Im WBK-Abschnitt Schluch sind keine Massnahmen geplant, weil da stellenweise bereits in den vergangenen Jahren renaturiert wurde. So etwa auf der Höhe der Reaktordeponie Lienz und am Mündungsbereich. Dort wurde der Aufstieg für Fische deutlich verbessert. Im Gegensatz zum WBK stellt der Rheintaler Binnenkanal auf Sennwalder Gemeindegebiet keine Gefahr dar. Zumindest kann sich weder jemand von der Gemeindeverwaltung noch der Präsident des Zweckverbandes RBK, Roland Wälter, an ein Hochwasser in Sennwald erinnern.

Der Rheintaler Binnenka­- nal reicht vom Bruggerhorn in St. Margrethen bis zur Mündung Steinenbach/Chelenbach. Beim Rheintaler Binnenkanal stehen die Hochwasserschutz-Massnahmen im Mittelrheintal im Vordergrund. «Das Vorprojekt ist so gut wie abgeschlossen», sagt Roland Wälter, «wir sind an der Ausarbeitung des Bauprojektes.

Letzteres soll Ende 2020 so weit sein, um es bei Bund und Kanton prüfen zu lassen. Mit der öffentlichen Auflage des Projekts rechnet Roland Wälter 2021.