In Widnau lebt der Silvester-Brauch auf: «Stand uf, streck d’Boa zum Bett us!»

Am Silvester werden die Widnauer vom Primarschul-Eltern-Club und Kindern aus dem Schlaf geweckt.

Benjamin Schmid
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Die Instrumente fürs Silveschtara sind bereit. Nach langer Zeit wird auch in Widnau wieder der Brauch gelebt.

Die Instrumente fürs Silveschtara sind bereit. Nach langer Zeit wird auch in Widnau wieder der Brauch gelebt.

Bild: Susi Miara

«Silväschter stand uf, streck d’Boa zum Bett us! Nimm d’Schälla id Hand und reis dur’s ganze Land.» Der bereits für das 19. Jahrhundert belegte Ruf schien Anfang des 21. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten zu sein. Dagegen wehrten sich die Mitglieder des Primarschul- Eltern-Clubs (Prim-El Club) Widnau. Anlässlich des 110-jährigen Jubiläums der Frauengemeinschaft wollen sie etwas Spezielles auf die Beine stellen. «Eine Kollegin und ich waren schon als Kinder beim Silveschtarla dabei», sagt Rebecca Lüchinger, Teamleiterin Prim-El-Club, «in den frühen Morgenstunden waren wir mit der Jugendmusik Widnau unterwegs.» Sie erinnere sich, dass sie noch früher mit der Familie und der Guggenmusik musizierend durchs Dorf gewandelt sei. Weil diese Erinnerungen allesamt positiv waren, wollten sie diesen Brauch wieder aufleben lassen.

Pfannendeckel, Rätschen und Trillerpfeifen

16 Kinder und zwei Eltern versammeln sich deshalb am Dienstag, 31. Dezember, frühmorgens um fünf Uhr vor dem Jakobihus. Bewaffnet mit Trommeln, Rätschen und Trillerpfeifen werden auch Rasseln, Schlaghölzli und Pfannendeckel aneinandergeschlagen. Es wird schräg in die Trompete geblasen und wild mit Kuhschellen geläutet: Während rund anderthalb Stunden zieht die Gruppe lärmend durch das Dorf. Es sei nicht mehr genau überliefert, was Ziel des Lärmens sei. Die Teamleiterin beschreibt:

«Ob es ursprünglich um das Vertreiben böser Geister ging oder man damit die Einwohner am letzten Morgen des Jahres vor dem Verschlafen bewahren wollte, kann nicht mehr festgestellt werden.»

Es werde nirgends gehalten und nach Süssigkeiten verlangt, wenn aber jemand wach ist und dem Lärmtrupp etwas schenken möchte, sagen die Kinder kaum nein. Waren früher die lärmverursachenden Instrumente selbst gebastelt, sind die Regeln heute weniger streng. «Verboten sind allerdings Tröten, Feuerwerkskörper, Eier oder Konfetti», sagt Rebecca Lüchinger. Nach dem Rundgang erwartet die Teilnehmer im Jakobihus ein Frühstück, das vom Prim-El Club angeboten wird. Ob die Tradition bei den Kindern ankommt oder nicht, wissen sie nicht.

Sie wollen einen in die Vergessenheit geratenen Brauch wieder aufleben lassen und hoffen, dass bei den Kindern genauso positive Erinnerungen entstehen wie bei ihnen selbst. «Nur wenn etwas positive Gefühle hinterlässt, wird es weitergelebt werden», sagt Rebecca Lüchinger.

Mehr Informationen unter www.fmgwidnau.ch/unser-verein/prim-el-club

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