In neun Tagen mit dem Velo nach Berlin

HEERBRUGG/BERLIN. Mit dem Elektrovelo Flyer werden grössere Touren auch für Unsportliche problemlos möglich. Der 56jährige «Rheintaler»-Testfahrer fuhr in neun Tagen aus dem Rheintal nach Berlin. Ohne zu schwitzen und ohne Muskelkater.

René Schneider
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Die direkteste Route vom Bodensee nach Berlin führt entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze und durch die neuen Bundesländer. (Bild: sc)

Die direkteste Route vom Bodensee nach Berlin führt entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze und durch die neuen Bundesländer. (Bild: sc)

Flyer fahren macht Spass. Es erschliesst Land und Leute hautnah – und dank Tretunterstützung körperlich mühelos. In Steigungen oder auf Abfahrten, im Flachland, auf dem Radweg: Der Unsportliche erreicht locker das Tempo eines Guttrainierten. Nicht Herz, Kreislauf oder Muskulatur setzen Grenzen, sondern das «Sitzleder» – und die Akkus. Wir verwendeten (dank Spezialanbau von Radsport Frei in Au) einen Flyer Typ S mit zwei Akkus.

Dadurch verdoppelte sich der tägliche Aktionsradius auf 100 bis 130 Kilometer bei fünf bis sechs Stunden Fahrzeit.

Die Reiseplanung beschränkte sich auf einen Blick in die Karte zur Festlegung der ungefähren Route: Bregenz, Ulm, Nürnberg, Bamberg, Hof, Zeitz, Leipzig, Berlin. In Kombination mit Autokarten (1:250 000) und Velokarten (1:150 000) des Allg. Deutschen Fahrrad-Clubs ergaben sich die Etappen von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde.

Meist wussten die Leute in den Dörfern am besten, wo lang man am schönsten in die Nachbardörfer radelt.

Ebenso klärte sich jeden Spätnachmittag die Frage nach einer Unterkunft und einem guten Nachtessen kurz nach dem Warnleuchten des zweiten Akkus. Minuten später stand der Fahrer unter der Dusche und der Akku auf dem Ladegerät.

Ängstlich blickende Zimmermuttis und Hotelréceptionisten beruhigte der Hinweis, dass die Akkus für kaum zehn Cent Strom aus dem Netz ziehen. Die etwa fünf Stunden Ladezeit für den ersten Akku konnten bei einem netten Abendprogramm überbrückt werden, jene für den zweiten Akku beim «tüüfa, tüüfa Schloof». Über die neun Tage zeigte sich, dass die Herstellerangaben hinsichtlich der Leistung der Akkus realistisch sind. Je nach Gelände und Fahrstil reichen sie 50 bis 70 Kilometer.

Sie können auf einer steilen Passfahrt bei maximalem Leistungsbezug auch über 15 Kilometer geleert werden. Auf der eher flachen Reise hielten sie – auch in Hügelgebieten – mindestens 50 Kilometer. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 19 bis 24 km/h. Bei Talfahrten sind Höchstgeschwindigkeiten über 70 km/h möglich. Lädt man die Akkus über Mittag nach, leisten sie für etwa zwölf zusätzliche Kilometer gute Dienste.

Bemerkenswert freundlich sind – entgegen Vorurteilen – die Deutschen. Ob Badenser, Württemberger, Bayern, Franken, Thüringer, Sachsen, in Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Berlin: Die Menschen sind zuvorkommend, offen, gastfreundlich. Und natürlich interessiert am Flyer: «Was kostet das denn?»

Die Rückfahrt dauerte lediglich eine ruhige Nacht im Schlafwagen des City Night Liners Berlin–Zürich. Der Flyer genoss einen Fenster-Stellplatz im Veloabteil.

www.radsportfrei.ch www.flyer.ch www.bahn.de/citynightline