Rheintalerin reist nach Lourdes, um Kranken zu helfen

Seit 17 Jahren verbringt Rosmarie Lüchinger jährlich eine Woche in Lourdes. Sie begleitet als freiwillige Helferin kranke Menschen. Sie opfert dafür nicht nur ihre Freizeit, sie bezahlt auch die Reise aus der eigenen Tasche.

Susi Miara
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Rosmarie Lüchinger (2. von rechts) während einer Prozession. (Bild: Bilder: pd)
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Rosmarie Lüchinger mit ihrer Patientin. Zwischen den Helfern und Kranken entstehen oft freundschaftliche Beziehungen.

Rosmarie Lüchinger (2. von rechts) während einer Prozession. (Bild: Bilder: pd)

Seit über 130 Jahren pilgern Schweizerinnen und Schweizer im Rahmen der interdiözesanen Lourdeswallfahrt an den bekannten Pilgerort in den französischen Pyrenäen. Wer sich als Helfer zur Verfügung stellt, ist im Dienst der Lourdeswallfahrt. Das schliesst die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Dienst am gesunden und kranken Menschen wie auch an Menschen mit Mehrfachbeeinträchtigung ein.

Auch dieses Jahr waren ab dem 15. Mai wieder 1065 Pilger unterwegs. Betreut wurden sie durch 360 freiwillige Helferinnen und Helfer. Die 70-jährige Rosmarie Lüchinger aus Oberriet war als Helferin für die Schweizer Lourdeswallfahrt DRS der Bistümer Basel, Chur und St. Gallen bereits zum 17. Mal dabei.

Erste Reise gemeinsam mit ihrer Mutter

Erstmals fuhr Rosmarie Lüchinger gemeinsam mit ihrer Mutter privat nach Lourdes. Sie wohnten in einem Hotel. Die Pflege der Mutter übernahm sie selbst. «Nach dieser eindrücklichen Reise hat mich die Lust zu helfen gepackt», sagt sie. Bereits ein Jahr später meldete sie sich bei der Schweizerischen Lourdeswallfahrt. Die ersten drei Jahre wurde sie im Speisesaal eingeteilt. Sie half den Kranken beim Essen. Im vierten Jahr wechselte sie dann zum Pflegedienst. «Obwohl ich keine Pflegeausbildung habe, hatte ich doch ein wenig Erfahrung, da ich lange meine Mutter gepflegt habe», sagt Rosmarie Lüchinger. Die Pflegearbeit war um einiges strenger. Während der ganzen Zeit hatte sie gerade einen halben Tag zur eigenen Verfügung. Den Rest verbrachte sie mit den kranken Menschen.

Bis 2014 mit dem Zug von Rorschach nach Lourdes

Angenehmer sei seit fünf Jahren die Reise nach Lourdes geworden. Früher fuhr man mit dem Zug, die ganze Nacht hindurch. Das sei vor allem für die Pflegebedürftigen sehr anstrengend gewesen. Mit dem Flugzeug geht es schneller. Der Einsatz beginnt bereits am Flughafen: Einchecken, und während des Flugs die Kranken betreuen. Für die Kranken stehen im Accueil NDL Spital in Lourdes 1500 Betten zur Verfügung. Die Helfer übernachten in Hotels. Bereits um 5.45 Uhr müssen die Helfer bei ihren Gruppen sein, denn nach dem Frühstück beginnt das Programm, rund um die Uhr. Dass Rosmarie Lüchinger kaum Freizeit hat, störe sie nicht: «Wenn ich in Lourdes bin, bin ich voll für die Kranken da», sagt sie.

Die Helfer tragen während der ganzen Zeit Dienstkleidung, eine Schürze, eine Haube und für draussen einen Mantel. «Erst im vierten Jahr bekommen wir die Schürzen, Hauben und den Mantel geschenkt», sagt Rosmarie Lüchinger. Neue Helferinnen tragen als Zeichen der Zugehö­rigkeit zum Personal nur einen weissen Schleier. Die kranken Menschen dürfen sich auch wünschen, von wem sie betreut werden möchten. Zweimal war Rosmarie Lüchinger gemeinsam mit dem behinderten Sohn der Nachbarn in Lourdes. In den anderen Jahren wurde sie eingeteilt. «Meistens funktioniert es nach kurzer Zeit», sagt sie. «Wir sind wie eine Familie.»

Bezahlen, um ehrenamtlich zu helfen

Für ihren Einsatz wird Rosmarie Lüchinger nicht entschädigt. Vielmehr muss sie für die Reise selbst aufkommen. 980 Franken kostet der Flug mit Hotel und Vollpension. Vom Lourdes Verein bekommt sie 400 Franken zurückerstattet. Sie findet das aber in Ordnung. «Ohne diesen Beitrag könnten viele Kranke die Reise nicht machen.»

Eine Spontanheilung hat sie nicht erlebt

Viele Kranke, die nach Lourdes pilgern, hoffen geheilt zu werden. «In dieser Hinsicht bin ich ein wenig skeptisch», sagt Rosmarie Lüchinger. Durch die Erlebnisse in Lourdes gehe es aber den meisten eine Zeit lang besser. Sie kenne viele, die jedes Jahr nach Lourdes kommen, ohne bis jetzt geheilt worden zu sein. «Lourdes kann man aber nicht beschreiben, Lourdes muss man erleben», sagt Rosmarie Lüchinger.

Früher schon hat sich Rosmarie Lüchinger als Jugi-Leiterin beim KTV Oberriet ehrenamtlich engagiert. Auch andere Ämter hat die vierfache Mutter ehrenamtlich ausgeübt. So zum Beispiel als Hilfsmesmerin. Es sei aber nicht nur ihr Glaube, der sie jedes Jahr zur Wallfahrt nach Lourdes zieht. Es gefällt ihr, eine Woche für sich zu sein, tun zu können, was ihr wichtig ist und was sie tun möchte. Ein Grund, anderen zu helfen, sei auch die Dankbarkeit, dass sie gesund sein darf. So fromm, wie zum Beispiel die Pilger aus Italien, die sogar den Boden bei der Grotte küssen, sei sie aber nicht. «Ich bringe meine Gedanken zur Mutter Gottes», sagt sie. Sie glaube auch daran, was in Lourdes vor 160 Jahren passiert sei, hinterfrage es aber nicht.

Geht es nächstes Jahr wieder nach Lourdes? «Eigentlich möchte ich aufhören», sagt Rosmarie Lüchinger. Schliesslich sei sie bereits 70 Jahre alt. Doch sie weiss jetzt schon, dass sie vermutlich auch nächstes Jahr wieder mitfahren wird.