In «eigene vier Wände» übersiedelt

OBEREGG. Die Brockenstube ist ins Parterre des Hauses «Wohnen im Dorf» umgezogen. Der Verein Brockenstube Oberegg hat über Jahrzehnte angespartes Geld in das Wohnhaus Dorfstrasse 13 eingebracht. Als Gegenleistung dafür konnte die Brockenstube eine Wohnung beziehen.

Rolf Rechsteiner
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Das Team der Brockenstube Oberegg, darunter auch Frauen der ersten Stunde, freut sich über das neue Lokal. (Bild: Rolf Rechsteiner)

Das Team der Brockenstube Oberegg, darunter auch Frauen der ersten Stunde, freut sich über das neue Lokal. (Bild: Rolf Rechsteiner)

Die «Zöglete» geschah ohne Umzugswagen, man musste nur die Strasse überqueren. Seit achtzehn Jahren war die Brockenstube im Ladenlokal der ehemaligen Drogerie Horsch untergebracht. Der damals vereinbarte symbolische Zins sei nie nach oben korrigiert worden, lobt Maria Schmid. Sie ist Initiantin der Institution, die 1984 ihren Anfang nahm.

Sie war Ortsvertreterin der Pro Senectute, kannte die Bedürfnisse der Senioren und war der Meinung, man müsse sich aktiv einbringen, um deren Wohnsituation zu verbessern. Mit gleichgesinnten Frauen wagte sie einen Pilotversuch im Alten Konsum im Unterdorf. Der Laden war erfolgreich, wurde aber arg in Mitleidenschaft gezogen, als im Obergeschoss ein Brand wütete. Der Wasserschaden war nicht zu reparieren, was den Umzug ins neue Lokal einläutete.

Sparerfolg gut investiert

Als die Wohnüberbauung «Krone» mit vergünstigten Tarifen für Senioren realisiert wurde, leistete die Brockenstube einen Beitrag von 50 000 Franken. Lange wurde auch der Traum von einem Altersheim oder Betreuten Wohnen in Zentrumsnähe geträumt.

Die Brockenstube finanzierte eine Studie, die Idee wurde aber mangels Echo nicht weiterverfolgt. Als «Wohnen im Dorf» an der Dorfstrasse 13 in die Wege geleitet wurde, leistete der Verein einen Beitrag von 12 000 Franken an die Planung. Damit unterstrich er den Wunsch, vergünstigte Wohnungen zu realisieren. Nach Fertigstellung des Gebäudes – erste Einheiten haben bereits Mieter gefunden – brachte der Verein Brockenstube den Betrag von 220 000 Franken ein.

Im Gegenzug konnte er die Parterrewohnung zur Strasse hin beziehen. Es wurde ein Nutzungsvertrag auf zwanzig Jahre abgeschlossen; der Zins wird als allmählicher Kapitalverzehr verrechnet. Sollte der Verein seine Tätigkeit vorzeitig einstellen, fiele das Vermögen an den Bezirk. Faktisch ist die Brockenstube also in den eigenen vier Wänden untergebracht, auch wenn sie das Lokal nicht gekauft hat.

Neustart ist geglückt

Der Umzug wurde genutzt, um den Bestand zu straffen. Viele «Ladenhüter» seien aussortiert worden, sagt Maria Schmid. Das Team hätte viele Stunden investiert, um das neue Lokal behaglich und übersichtlich zu gestalten. Aufgelöst wurde im gleichen Zug ein Depot – die Brockenstube führt keine Grossmöbel mehr. Diese seien nicht mehr so gefragt wie einst, stellt Jakob Schmid fest, der so manchen Schrank oder Tisch mit Kollegen wieder fit gemacht hat. Als Errungenschaft lobt das Frauenteam die als Bad konzipierte Nasszelle des neuen Lokals. Hier konnten Regale aufgebaut werden, um Neuzugänge einzulagern.

Begrüssungsapéro am Samstag

Ein grosszügiger Waschtisch ermöglicht es, Geschirr und Utensilien zu reinigen, ehe sie ins Sortiment aufgenommen werden. So verkürzen sich Wartezeiten, wenn keine Kunden im Laden anzutreffen sind. Auch ein Kellerabteil wurde der Brockenstube zugestanden.

Vor einer Woche war die Brockenstube am neuen Standort erstmals in Betrieb. Am Samstag, 28. November, lädt der Verein zum Eröffnungsapéro von 9 bis 11.30 Uhr ein. Gleichzeitig bieten die Blauring-Mädchen direkt vor dem Eingang Adventskränze an. Regulär ist die Brockenstube am Dienstag von 15 bis 17 Uhr sowie am Samstag von 9 bis 11 und von 14 bis 16 Uhr geöffnet.