In der Rheinecker Sporthalle Kugelwis wird geturnt und gefestet, obwohl die brandschutztechnische Bewilligung fehlt

Ein in den Bauplänen vorgesehener Notausgang in der Sporthalle Kugelwis in Rheineck ist nie erstellt worden. Seit Jahren wird die Halle von mehr Personen genutzt als erlaubt. Jetzt soll das Problem gelöst werden.

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An dieser Hallenseite soll bis Mitte April ein Notausgang für 200'000 Franken erstellt werden.

An dieser Hallenseite soll bis Mitte April ein Notausgang für 200'000 Franken erstellt werden.

Andrea C. Plüss

(red) Urs Müller, Stadtpräsident in Rheineck, ist seit letztem November im Amt. Er hat ein Problem geerbt, «das bei der Stadt niemandem mehr bewusst war», wie es im «Rheintaler» heisst. Das Problem: Ein in den Bauplänen vorgesehener Notausgang in der Sporthalle Kugelwis ist nie erstellt worden. Über die Gründe dafür könne er heute nur noch spekulieren. Einsprecher hätten sich wohl gegen den Notausgang gewehrt, anscheinend mit dem Argument, die neue Halle solle nicht zur Konkurrenz für den «Hecht»-Saal werden. Verifizieren lasse sich das heute nicht mehr.

«Markantes Sicherheitsproblem» entdeckt

Um eine Durchführung von grösseren Anlässen unter brandschutztechnischen Gesichtspunkten zu gewährleisten, will die Stadt nun bis Mitte April einen zusätzlichen Notausgang an der Längsseite der Halle, Richtung Parkplatz, erstellen. Im Stadtblatt «Mein Eck» und auf der eigenen Webseite hat die Stadt das Vorhaben Ende Januar publiziert.

Der Feuerschutzbeamte sei im November letzten Jahres während einer Routinekontrolle auf «ein markantes Sicherheitsproblem gestossen», das jetzt umgehend behoben werden soll. In der 1999 ausgestellten Brandschutzbewilligung des Amtes für Feuerschutz «ist eine Anzahl von maximal 50 Personen erlaubt», heisst es. «Für eine allfällige Mehrfachnutzung mit grosser Personenbelegung im Untergeschoss und dem Mehrzweckraum sei damals keine brandschutztechnische Bewilligung erteilt worden.

Schweizer Meisterschaft mit 1000 Eintritten

Werde bei Veranstaltungen eine Bühne aufgestellt oder seien Zuschauer dabei, handle es sich bereits um eine Umnutzung, für die eine Brandschutzbewilligung einzuholen sei. Im April werde in der Kugelwis beispielsweise die Generalversammlung der «Raiffeisenbank Unteres Rheintal» stattfinden. In der Sporthalle Kugelwis sei zudem neben vielen anderen Anlässen auch schon die Schweizer Meisterschaft im Kunstturnen durchgeführt worden. Dafür seien insgesamt 1000 Eintritte verkauft worden, 700 Zuschauer seien es allein am ersten Wettkampftag gewesen. Viele Anlässe seien gefolgt – und das, obwohl die brandschutztechnische Bewilligung nur für eine Turnhalle erteilt worden sei.

Türen sind zu schmal

Die Türen sind nur 90 cm breit.

Die Türen sind nur 90 cm breit.

Der zuständige Feuerschutzbeamte und Leiter Werke, Markus Zünd, hat 2002 seinen Dienst bei der Stadt angetreten. Während eines Rundgangs durch die Halle, erläutert Markus Zünd gegenüber dem «Rheintaler» die Versäumnisse vergangener Jahre. Die Treppe im Gebäude sei zwar damals noch auf 1,38 m verbreitert worden, allerdings seien die von der Treppe wegführenden Türen nur 90 Zentimeter breit. Das sei zu schmal. Als Fluchtweg könne die Treppe deshalb nicht gelten.

Mit dem Haupteingang und zwei unmittelbar nebeneinander liegenden Notausgängen im Untergeschoss errechnet Zünd bei der Besichtigung eine zulässige Belegung für bis zu 480 Personen. Den Unterschied zu den in der Brandschutzbewilligung genannten 50 Personen kann er nicht erklären. Auf den Missstand gestossen sei der Feuerschutzbeamte, «weil die Brandschutzrichtlinien in einem anderen zu beurteilenden Fall durchgelesen wurden». Warum überhaupt Grossanlässe in der Kugelwis-Halle in der Vergangenheit bewilligt worden seien, könne er nicht sagen, da er weder in die Veranstaltungsbewilligung eingebunden, noch an einer solchen Veranstaltung dabei gewesen sei. Wichtig sei es jetzt, nicht die Schuldigen zu suchen, sondern das Problem zu lösen, sagt Zünd. Die Aufsichtspflicht liege bei der Stadt.

Unverhältnismässig langer Fluchtweg

Das Bauamt habe damals die Baubewilligung erteilt. Der weggelassene Notausgang auf der Längsseite sei in den ursprünglichen Bauplänen verzeichnet gewesen. Anscheinend habe man dann über die Verbreiterung der Treppe eine gewisse Verbesserung der Fluchtwege erreichen wollen. Wie es im «Rheintaler» weiter heisst, liessen sich in einem Zwischenbericht des Amtes für Feuerschutz (AFS) vom Juni 1999 Formulierungen finden, die darauf hindeuteten. Die zu schmalen Türen seien jedoch nicht angepasst worden. Durch das Weglassen des Notausgangs an der Längsseite dürften die Fluchtwege im Untergeschoss, dort wo die Gäste der Raiffeisen-GV jeweils sitzen, bis zu den Notausgängen an der hinteren Seite teils unverhältnismässig lang sein.

Wie viele Türen es braucht, wo diese liegen sollten, was ein vertikaler oder horizontaler Fluchtweg ist, lasse sich nachlesen auf der Webseite der Vereinigung der kantonalen Gebäudeversicherer (www.vkg.ch).