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In den grünen Gärten des Atlantiks

Thomas Dellenbach war die Schweiz zu hektisch geworden. Vor sieben Jahren ist er darum auf die Azoreninsel Faial ausgewandert. Hier vermietet er mit seiner Familie Gästehäuser. Seine Frau Claire führt ausserdem eine Bar.
Max Tinner

Sieben Jahre ist es her, dass Thomas Dellenbach ausgewandert ist. Den Tag weiss er noch ganz genau: Es war der 5. Mai 2011, als er seinem kleinen Häuschen in Kobelwald, dem Rheintal und der Schweiz den Rücken kehrte und den Flieger auf die Azoreninsel Faial nahm. Thomas Dellenbach vergleicht «sein Inseli» gerne mit Liechtenstein. Faial ist ein wenig grösser, hat aber weniger als halb so viele Einwohner. Auf Faial steht man einander also weniger auf den Zehen als im Rheintal. Das hat vielleicht damit zu tun, dass kaum jemand die Azoren kennt, geschweige denn weiss, wo sie liegen. Dabei bereiten uns die Inseln immer wieder Freude. Dann nämlich, wenn uns ein Ausläufer eines Azorenhochs (aha!) schönes Wetter bringt.

«Dann fliegen wir halt auf die Azoren»

Erstmals waren Thomas Dellenbach und seine Frau Claire auf der portugiesischen Inselkette mitten im Atlantik, als sie eigentlich auf die ebenfalls portugiesische Blumeninsel Madeira wollten. Dorthin hätten sie zwar einen Hinflug buchen können – die Rückflüge waren aber alle schon voll. «Dann fliegen wir halt auf die Azoren», habe er im Reise­büro kurzerhand gesagt. Thomas Dellenbach selbst kannte die Inseln aus Büchern; die Touristikerin aber habe ihn nur mit grossen Augen fragend angeblickt.

Viermal hätten er und Claire danach auf verschiedenen Azo­ren­inseln Ferien gemacht, erzählt Thomas Dellenbach, «in diesen grünen Gärten mitten im Atlantik». Auf Faial habe es ihnen schliesslich «den Ärmel reingezogen». Sie kauften sich ein altes Landgut mit der Absicht, es zu einem komfortablen Ferienhaus auszubauen – die Quinta das flores de laranjeira, auf Deutsch Landgut zur Orangenblüte.

Thomas Dellenbach hatte in seinem Leben schon einiges gemacht – und durchgemacht. Er ist als Pflegekind in der Hub bei Oberriet aufgewachsen, wurde Käser, war Schweinezüchter, führte einen kleinen Lebensmittelladen. Wegen Rückenproblemen liess er sich zum medizinischen Masseur umschulen. Als solcher arbeitete er in der Klinik Gais. Zuletzt hatte er in Altstätten seine eigene kleine Massagepraxis. Bei all dem blieb der Familie nie wirklich genug zu einem guten Leben. Dellenbach fühlte sich gehetzt: «Man war immer am Arbeiten – und kam doch nie auf einen grünen Zweig.»

Hier tickt das Leben ein paar Takte langsamer

Auf den Azoren tickt das Leben nun ein paar Takte langsamer. So findet er hier auch mehr Zeit für seine Leidenschaft, die Kunst, die er unter dem Künstlernamen «dELLaS» ausübt. «Wer es ruhig mag, ist hier richtig», stellt Thomas Dellenbach fest.

Kaum dort, wurden Dellenbachs bekannt – als Protagonisten einer Auswanderer-Dokusoap. Sie kamen dabei nicht besonders gut weg. Auf den Sender ist Thomas Dellenbach heute noch sauer. Vieles habe man ihnen in den Mund gelegt. Man habe ihn und seine Familie sich etwa um eine Bewilligung für ein Café in der Garage bemühen lassen, was sie gar nie vorgehabt hätten, ärgert er sich. Nichtsdestotrotz: Die Familie Dellenbach hat ihren Traum von der Vermietung von Gästehäusern verwirklicht.

Der Anfang war aber zäh. Indem Claire Dellenbach jedes Jahr den Winter über in der Schweiz als Pflegeassistentin in Altersheimen arbeitete, trug sie wesent­-lich dazu bei, die Durststrecke zu überwinden. Der glücklichste Moment der letzten Jahre war dann für Thomas Dellenbach, als seine Frau mitsamt einem letzten Container voller Hausrat definitiv auf Faial ankam.

Inzwischen haben Dellenbachs sogar expandiert. Sie beherbergen heute nicht nur Feriengäste in ihrer Quinta bei Cedros im Norden der Insel, sondern auch im Casinha Verde, im Grünen Häuschen, einem kleinen Gästehaus etwas ausserhalb der Stadt Horta im Süden der Insel. Sohn Iwan, der ebenfalls auf die Azoren ausgewandert ist, hilft ihnen beim Be­treiben ihres kleinen touristischen Unternehmens. Ausser­- dem führt Claire Dellenbach im Nachbardorf ihre eigene Bar, «Mimmy’s Rock-Bar», benannt nach ihrem Spitznamen innerhalb der Familie und ausgestattet als Referenz an die Grossen der Rockmusik.

Hinweis

Auf www.azorenquinta-faial.com hat die Familie Dellenbach auch Videos aufgeschaltet, die ihre Quinta und die Umgebung zeigen.

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