In alte Zeiten versetzt

PFERDESPORT. Knapp vierzig stolze Dragoner feierten den 100. Geburtstag des Kavallerievereins Unterrheintal mit dem fünften Dragoner-Treffen in Diepoldsau.

Mäx Hasler
Merken
Drucken
Teilen
Die Dragoner haben seit 1972 nichts verlernt. (Bild: Mäx Hasler)

Die Dragoner haben seit 1972 nichts verlernt. (Bild: Mäx Hasler)

Man hätte meinen können, oberhalb des Tierferienheims in Diepoldsau gab es am Samstagmorgen etwas gratis. Zahlreiche Leute, die sich als Pferde-Freude entpuppten, warteten voller Spannung und Erwartung. Aus der Ferne war das vielfache «Trapp Trapp» von Pferdehufen zu hören, und es dauerte nicht lange, bis die Hauptdarsteller des Spektakels kamen: Die 37 stolzen Dragoner hoch zu Ross, die sich zum fünften, und wie es aussieht zum letzten Mal auf der Rheininsel zur Dragonerjagd eingefunden haben.

Dass dieses Treffen auf der Rheininsel stattgefunden hat, verdanken die Reiter Kurt Rohner, der 1984 in Diepoldsau das erste Dragoner-Springen organisiert hatte, und dem KV Unterrheintal, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert.

Stolz der Armee

Bis 1972 war die berittene Infanterie – oder eben die Dragoner – der Stolz der Schweizer Armee. Bevor die Reitertruppen aufgelöst wurden, gehörten der Armee 24 Schwadrone à 120 Reiterpaaren an. Die US Army hatte ihre Willy Jeeps für das unwegsame Gelände, die Schweizer Armee ihre Dragoner. Es darf geraten werden, wer geländegängiger war. Die Dragoner legen aber Wert darauf, nicht mit den Train-Soldaten verglichen zu werden – die Dragoner waren bewaffnet, während der Train nur für die Versorgung zuständig war.

Kurt Rohner, der nächstens ins Pensionsalter kommt, erinnert sich wehmütig an die Zeiten als Dragoner zurück. «Ich habe 1970 die Rekrutenschule gemacht und war eigentlich nur zwei Jahre Dragoner. Dann wurde ich, wie die meisten Kollegen auch, den Panzergrenadieren zugeteilt. Die Kameradschaft und Kollegialität ist aber geblieben. Seither treffen wir ehemaligen Rekruten uns alle fünf Jahre irgendwo in der Ostschweiz zu einem Wiedersehen. Auch alle Unteroffiziere sehen sich alle fünf Jahre an einem separaten Treffen, um in alten Zeiten zu schwelgen.»

Nichts verlernt

Auch in Diepoldsau wurden die alten Zeiten heraufbeschworen. Zuerst zeigten die Dragoner im Gelände an einem Hindernisparcours, was sie können. Anschliessend waren die 37 Reiter und weitere rund 80 Dragoner, die kein Pferd mehr haben, bei Dienstkollege Walter Kummer auf dem Schmitterhof zu einem Umtrunk eingeladen. Bevor sie sich in die Reithalle Rheinauen zum gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten, wurde voller Inbrunst noch das Dragonerlied gesungen. Eigentlich erübrigt es sich zu schreiben, dass in der Reithalle bis in die frühen Morgenstunden in alten Zeiten geschwelgt wurde. Vorher wurden natürlich, wie es sich für einen Dragoner gehört, die vierbeinigen Freunde entsprechend versorgt.

Kurt Rohner bedankt sich bei Walter Kummer vom Schmitterhof für die Gastfreundschaft.

Kurt Rohner bedankt sich bei Walter Kummer vom Schmitterhof für die Gastfreundschaft.

Einige Gäste kamen mit dem Pferdetaxi.

Einige Gäste kamen mit dem Pferdetaxi.