Im Thurgau jagt ein Luchs

Seit Monaten kursieren Gerüchte, dass sich im Gebiet des Seerückens ein Luchs auf Streifzug befinde. Jetzt ist der Beweis da: Ein zweijähriges Raubtier aus dem Jura ist im Thurgau zu Gast.

Marina Winder
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Der Thurgauer Luchs kehrte in Salenstein zu seiner Beute zurück – und löste dabei die installierte Kamera aus. (Bild: Jagd- und Fischereiverwaltung Thurgau)

Der Thurgauer Luchs kehrte in Salenstein zu seiner Beute zurück – und löste dabei die installierte Kamera aus. (Bild: Jagd- und Fischereiverwaltung Thurgau)

SALENSTEIN. Die kantonale Jagd- und Fischereiverwaltung hat schon lange vermutet, dass der Luchs wieder da ist. Seit Monaten seien bei ihr entsprechende Hinweise eingegangen, auch gerissene Wildtiere im Wald erhärteten den Verdacht. Ein Beweis aber fehlte.

Als ein Schafhalter in Salenstein zwei gerissene Schafe meldete und zudem berichtete, er und seine Frau hätten den Luchs aus der Nähe gesehen, installierte die Jagdverwaltung eine Fotofalle beim Kadaver des einen Schafes. Prompt tappte der Luchs in die Falle und lieferte damit den Beweis seiner Existenz.

Spezialisten haben das Bild untersucht und das Tier identifiziert. Sie sind sich sicher, dass es sich bei dem fotografierten Luchs um ein etwa zweijähriges Tier handelt, das aus dem Jura stammt. Die Raubtiere haben ein individuelles Fleckenmuster. Liegen gute Fotografien vor, können die Tiere aufgrund des Musters identifiziert werden.

Ein fotogener Luchs

Der Luchs vom Seerücken lief schon im Februar dieses Jahres vor eine Kamera – damals im Val St. Imier. Auf welchen Wegen das Raubtier die Distanz von etwa 150 Kilometern bis auf den Seerücken zurückgelegt hat, ist unbekannt. Da er im Thurgau kaum Artgenossen finden wird, gehen Fachleute davon aus, dass er für die Fortpflanzungszeit zwischen Februar und April ein anderes Gebiet aufsuchen wird. Die Tiere besitzen besonders gut ausgeprägte Riechorgane und können ihre Artgenossen anhand von Duftmarken orten.

Das gerissene Schaf von Salenstein wurde auch am Tierspital in Bern untersucht. Auch von dort wird berichtet, dass es sich bei den Riss-Spuren eindeutig um jene eines Luchses handle. Der gezielte Kehlkopfbiss sei typisch für einen Luchs, und auch der Zahnabstand deute auf diese Raubkatze hin. Für den betroffenen Schafhalter bedeutet diese eindeutige Zuordnung, dass Bund und Kanton ihn für die beiden gerissenen Tiere entschädigen.

Roman Kistler, der Amtsleiter der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung, rät Schafhaltern im Seerückengebiet, ihre Schafe in nächster Zeit die Nächte über einzustallen. In der Regel ernähren sich Luchse zwar von Wildtieren wie Rehe und Gams, bei Gelegenheit reissen sie aber auch Schafe.

Keine Gefahr für Menschen

Für Menschen stellen sie gemäss Kistler keinerlei Gefahr dar, da die Tiere sehr scheu seien und ausweichen würden. Es habe schon Zwischenfälle mit Jagdhunden gegeben. «Wenn sich ein Luchs gegen einen Hund verteidigen muss, kann es gut sein, dass der Hund den kürzeren zieht», sagt Kistler.

Da Luchse auch Füchse reissen, könnten theoretisch auch im Wald streunende Hauskatzen zur Beute des Luchses werden. Solche Fälle seien Kistler aber nicht bekannt.