Im Pontonierboot gegen den Strom

Ins Wasser gefallen ist keiner. Im Gegenteil: Einzelne Aktivriegler des STV Lüchingen stellten sich während eines Schnupperabends auf den Booten der Oberrieter Pontoniere sogar ausgesprochen geschickt an.

Max Tinner
Drucken
Teilen
Ein-, zweimal im Jahr montieren die Oberrieter Pontoniere (rechts vorne Peter Zäch) zu besonderen Gelegenheiten auch einmal den Aussenbordmotor am Pontonierboot. Den Lüchinger Turnern gefiel es sichtlich. (Bild: Max Tinner)

Ein-, zweimal im Jahr montieren die Oberrieter Pontoniere (rechts vorne Peter Zäch) zu besonderen Gelegenheiten auch einmal den Aussenbordmotor am Pontonierboot. Den Lüchinger Turnern gefiel es sichtlich. (Bild: Max Tinner)

OBERRIET. Die Turner der Aktivriege des STV Lüchingen halten sich ja in der Regel in der Turnhalle fit. Sie mögen aber auch die Abwechslung. So kam es, dass sie kürzlich in Pontonierbooten gegen die starke Strömung des Rheins ankämpften – an derselben Stelle, wo Fährleute vor Jahrhunderten, als es noch keine Brücke über den Rhein gab, Reisende und deren Waren von einem Ufer ans andere brachten. Das ist alles andere als einfach. «Der Alpenrhein hat gewaltig Zug», sagt Sandro Gschwend, Vorstandsmitglied des Pontonierfahrvereins Oberriet.

Deswegen erfordert das Manövrieren mit dem Übersetzboot oder dem schmaleren Weidling ebenso Kraft wie Geschick. Ausserdem ist Teamgeist gefragt. Klappt die Zusammenarbeit zwischen Steuermann und Vorderfahrer nicht, hat der Fluss schon gewonnen.

«Bei uns macht das Militär Sinn»

An den Booten der Pontoniere sind schwarze Militärnummern befestigt. Wie der Schiesssport hat der Pontonier-Fahrsport eine militärische Komponente. Während Schützenvereine Jungschützen das Schiessen lehren, bilden die Pontonierfahrvereine Jungpontoniere aus, die danach in der Regel die Pontonier-Rekrutenschule absolvieren. Aufgabe der Pontoniere im Militär ist es, Fährdienste zu leisten und mit Hilfe ihrer Boote Schwimmbrücken zu bauen. Im Katastrophenfall können Pontoniere wie andere Genieformationen zur Hilfeleistung zugunsten der Zivilbevölkerung kommandiert werden. Die Pontonier-RS sei darum «wohl eine der schlaueren Rekrutenschulen», meint Sandro Gschwend, der sie letzten Frühling absolviert hat.

Im ausserdienstlichen Pontonierfahren im Verein müssen zwar auch militärische Vorschriften befolgt werden. Im Vordergrund steht aber der Spass am Sport mit dem Boot und das kameradschaftliche Miteinander. «Man muss gerne draussen sein und darf keine Angst haben, nass zu werden», sagt Peter Zäch, der seit über 30 Jahren Pontonier ist. Kosten entstehen kaum, nicht einmal ein Mitgliederbeitrag wird erhoben. Der Verein finanziert sich mit seiner jährlichen Abendunterhaltung. «Nur gute Schuhe braucht's», sagt Präsident Markus Probst.

Den jährlichen Theaterabend führt der Verein bereits seit seiner Gründung im November 1948 durch. Wäre der Verein also eine Arbeitskraft, ginge er Ende Monat in Pension. Der Pontonierfahrverein Oberriet hingegen hat in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen, um vermehrt wieder Jugendliche für seinen Sport zu begeistern – mit Erfolg, wie Markus Probst an der Präsidenten- und Fahrchef-Konferenz des Schweizerischen Pontonier-Sportverbands betonen wird, die just heute Samstag in Oberriet abgehalten wird.

Kein Sport für Nichtschwimmer

Auch Peter Zäch ist bereits mit zwölf Jahren in den Verein eingetreten. Dies ist auch heute noch das Mindestalter. Nebst dem Rudern und Stacheln im Boot lernen die Jungpontoniere rund ein Dutzend verschiedener Knoten, die man zum Beispiel beherrschen muss, um ein Boot fachgerecht am Ufer zu vertäuen. Auch eine Schwimmprüfung gehört zur Ausbildung – schliesslich kann nicht ausgeschlossen werden, dass selbst der beste Pontonier einmal ins Wasser fällt. Ein- bis zweimal im Jahr wird an einem Boot ein Aussenbordmotor installiert – ein militärischer versteht sich. Damit darf erst fahren, wer die Prüfung dazu bestanden hat. Erfahrenere Jungpontoniere mit bestandener Jungfahrerprüfung III können sie im Jungpontonierlager ablegen. Ein solches findet jährlich am Thunersee statt.

Einmal im Jahr unternimmt der Verein eine «Talfahrt» den Rhein hinab, von Chur bis Oberriet. Zum Jahresprogramm gehört auch eine Fahrt in robusten Militär-Schlauchbooten auf dem Rheintaler Binnenkanal. Ausserdem nehmen die Oberrieter Pontoniere an Wettkämpfen teil. Sportlicher Ehrgeiz darf dann durchaus sein. Er steht aber nicht im Vordergrund. «Was mehr zählt, ist das Mitmachen», betont Peter Zäch, «die Kameradschaft ist wichtiger, als in der Rangliste ganz vorne zu sein.»

«Echte Naturtalente»

Das Beisammensitzen nach Wettkämpfen und Trainings kommt darum nicht zu kurz. Dies hat auch den Lüchinger Turnern gefallen – nebst dem Spass auf dem Rhein, bei dem sie sich für die Pontoniere überraschend geschickt angestellt haben. «Der eine oder andere wäre als Pontonier ein Naturtalent», lobt Sandro Gschwend.

Aktuelle Nachrichten